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Deutschlernen an der Berufsschule: 84 junge Flüchtlinge absolvieren aktuell ein Berufsintegrationsjahr. Aus den vier Klassen werden ab Februar sechs.

Neue Methoden und mehr Klassen

So kommen die Schulen mit dem Flüchtlings-Zustrom klar

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die steigende Zahl an jungen Asylbewerbern fordert vor allem die Lehrkräfte. Teilweise ändern sie ihre Unterrichtsmethoden, wovon auch hiesige Kinder profitieren sollen.

Die Zahl an nicht-deutschsprachigen Migranten an den Schulen steigt – auch, weil immer mehr junge Flüchtlinge in den Landkreis kommen. Seit Oktober gab es 62 solcher Zugänge, sagt Schulamtsdirektorin Marianne Konrad im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei „machbar“, da die Kinder je nach Alter und Wohnort auf über 300 Klassen aufgeteilt würden. Dennoch fordere die Situation die Lehrkräfte. Die Kinder, die meist kein Wort Deutsch verstehen, müssen integriert werden.

Grundschule: Integration in der Regelklasse

Im Grundschulalter erfolgt das in den Regelklassen. „Besonders die größeren Schulen, zum Beispiel in Geretsried, Bad Tölz und Wolfratshausen, sind da seit Jahren erfahren“, sagt Konrad. Die Lernfreude und Disziplin junger Flüchtlinge sei gut, nur beim pünktlichen Erscheinen hapere es immer wieder. Dafür verantwortlich seien aber die Eltern. Konrad: „Bei einigen sind viele Nachfragen nötig, bis das klappt.“

Die Lehrer bereiten sich durch Fortbildungen auf die neue Situation vor und würden ihren Unterrichtsablauf anpassen – beispielsweise mit spielerischen Elementen, vielen Wiederholungen und der Verwendung von Bildern, Mimik und Gestik. „Es gibt zum Beispiel Morgenkreise, in dem sich die Kinder jeden Tag grüßen, über das Wetter und die Uhrzeit sprechen“, erklärt die Schulamtsdirektorin. Den hiesigen Kindern, die die Sprache beherrschen, schade das nicht. Im Gegenteil: Auch sie würden von den Ritualen profitieren.

Weit verbreitet sind an den Schulen zudem Partnerschaften für die Neuankömmlinge. Hier helfen Kinder aus der Stammklasse etwa beim Herrichten des Arbeitsmaterials oder beim Zurechtfinden in der Pause. Das fördert das Sozialverhalten insgesamt, sagt Konrad. „Die Kinder sollen lernen, Andersartigkeit zu respektieren, aber auch ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren.“ Zudem würden häufig Kleingruppen gebildet, um alle Kinder individuell zu fördern – nicht nur die schwächeren, sondern auch die bessern. An einigen, aber nicht allen Schulen im Landkreis gibt es hierfür Förderlehrer. Den Lehrkräften steht zudem seit Jahren eine Migrationsbeauftrage bei Fragen zur Seite.

Mittelschule: Integration in extra Klassen

Ältere Kinder zwischen 13 und 16 Jahren werden derzeit in drei Übergangsklassen an den Mittelschulen in Geretsried, Wolfratshausen und Bad Tölz betreut. Eine vierte Klasse ist in Gaißach für das zweite Halbjahr in Vorbereitung. Entsprechende Stellen seien von der Regierung schon genehmigt worden, sagt Konrad. In die Übergangsklassen kommen nicht nur Flüchtlinge, sondern auch andere Kinder mit Migrationshintergrund. Je nach Lernfortschritt, insbesondere beim Sprachunterricht, wechseln sie nach einem halben bis zwei Jahren in die Regelklassen. Junge Erwachsene können mit ähnlichem Schema an der Berufsschule ein Berufsintegrationsjahr absolvieren.

Klassenplanung beginnt nicht vor Mai

Die Klassenplanungen für das neue Schuljahr beginnen im Mai. „Noch ist es dafür viel zu früh, weil eine Prognose schwierig ist“, sagt Schulamtsdirektorin Konrad. Bei Bedarf eröffne man wie in Gaißach auch unter dem Schuljahr neue Klassen. Und: „Bei unerwarteten Anstiegen versuche ich Aushilfskräfte einzustellen oder eine Lehrkraft in Elternzeit für ein paar Stunden zurückzuholen.“

dor

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