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Die singenden und spielenden Darsteller machten das Adventssingen im Kurhaus zu einem beeindruckenden, berührenden Erlebnis in der Vorweihnachtszeit.

Kurhaus

Tölzer Adventssingen: ,Geht’s allweil nur gradaus dem Liacht nach‘

Die szenische Darstellung des Tölzer Adventsingens unter der Regie von Klaus Wittmann hat auch heuer wieder einen ganz eigenen Weg gefunden, um die überlieferte Weihnachtsgeschichte lebendig werden zu lassen und die Zuschauer zu berühren.

Bad Tölz Ob die Botschaft auch wirklich alle verstanden haben? Eindringlich wandte sich Andrä, der zuvor tief verzweifelte und dann mit neuem Mut gestärkte Kleinhäusler, mit dieser Frage an das Publikum im Kurhaus. Ob auch wirklich alle verstanden haben, dass der Gottessohn und Erlöser nicht mit Macht und Herrlichkeit die kaltherzige und materialistische Welt verändern wird, sondern mit Liebe und Mitmenschlichkeit? Dass auch der Ärmste und Kleinste auf ihn zählen kann?

Die szenische Darstellung des Tölzer Adventsingens unter der Regie von Klaus Wittmann hatte auch heuer wieder einen ganz eigenen Weg gefunden, um die überlieferte Weihnachtsgeschichte lebendig werden zu lassen und die Zuschauer zu berühren.

Unter der Trägerschaft der Tölzer Sing- und Musikschule fand dieses „Spiel zur Advents- und Weihnachtszeit“ nach zwölf Jahren in der Franziskanerkirche nun bereits zum sechsten Mal mit jeweils zwei Aufführungen im Kurhaus statt. Und es hat inzwischen bei vielen Menschen einen festen Platz im Terminkalender – auch am Sonntag war der Saal bei beiden Aufführungen gut gefüllt.

Die fließende Verbindung von Bühnenspiel und musikalischer Gestaltung bot wieder ein stimmiges Gesamtwerk, das seinen Zweck, das Publikum im vorweihnachtlichen Trubel zur Ruhe kommen zu lassen, nicht verfehlte. Die Sprechertexte stammten von Elisabeth Mayrhofer, Pater Wolfgang Winhard OSB und Abt Odilo Lechner OSB. Von Mayrhofer gestaltet wurden überdies die Szenen des Hirtenspiels.

Da ist eben jener verzweifelte Andrä (Norbert Weinhuber), dem die römischen Besatzer sein weniges Hab und Gut und sogar die Kinder genommen haben. Und die ebenso überzeugend gespielte Dienstmagd Nandl (Sonja Schroth), die damit hadert, dass ein Aufstand gegen die Großen und Ungerechten doch nur im Verderben endet. Die Ereignisse von damals ließen sich durchaus mit heutigen Situationen vergleichen, stellte Wittmann in seiner Funktion als Sprecher fest. Das rettende Licht, das Johanna Mürnseer in ihrer stummen Rolle als Maria symbolisch in Form einer Kerze mit sich trug, erkannte niemand – ebenso schweigend, aber mit abwehrender Haltung wurde sie von den Bürgern (dargestellt von den Mitgliedern des Fischbacher Chors) abgewiesen.

Eine kleine Aufheiterung in die dunkle Atmosphäre brachten Hirte Ruapp (Franz Apfel) und die Kinder Hansl, Bene und Leni (Johannes, Benedikt und Magdalena Wittmann), wobei Leni als Jüngste von den schlitzohrigen Plänen der anderen, sich zwecks Essensbeschaffung ein paar Schafe unter den Nagel zu reißen, ausgeschlossen wurde. Das helle Licht am Firmament mitten in der Nacht aber ließ sie alle erschauern – und mit der Verkündigung der Geburt des Messias neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft schöpfen. Marias Vertrauen und Unbeirrtheit bis über Jesu Kreuzestod hinaus sollte sich auch in unserer heutigen Zeit wiederfinden, unterstrich der Sprecher den Inhalt der Darstellung.

Zur musikalischen Vertiefung hatten Judith Geißler-Herzog und Rainer Gruber von der Sing- und Musikschule für ihr Instrumentalensemble stimmige Arrangements mit zum Teil neu komponierten Melodien geschaffen. Dessen flexible Besetzungen im Wechsel mit der Bläsergruppe der Tölzer Stadtkapelle, dem Fischbacher Chor, dem Dreigesang Ossiander-Darchinger, dem Duo Stephanie Waldherr/Franz Schwaighofer und nicht zuletzt auch mit den singenden Darstellern machten das Tölzer Adventsingen zu einem beeindruckenden Erlebnis. Das eine Mal gaben sie der Hoffnungslosigkeit Ausdruck, an anderer Stelle priesen sie die Hoffnungsseligkeit.

Vor dem großen Schlussapplaus und dem bevorstehenden Heimweg wandte sich der geläuterte Andrä noch einmal dem Publikum zu: „Geht’s allweil nur gradaus dem Liacht nach, des Kind wart’ scho auf euch.“

Rosi Bauer

Tölzer Adventssingen: Innehalten in der Vorweihnachtszeit

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