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Drei Hirten, drei Charaktere – verkörpert von (v. li.) Norbert Weinhuber, Franz Apfel und Benedikt Wittmann.

Kurhaus

Tölzer Adventssingen: Den Weg in Ohren und Herzen gefunden

Es war wie immer stimmungsvoll, das Adventssingen im Tölzer Kurhaus. Der Saal war voll besetzt.

Bad Tölz Die frohe Botschaft von der Geburt des Herrn wird alle Jahre zu Weihnachten neu verkündet. Doch findet sie überall offene Ohren und offene Herzen? Kann diese Botschaft im Alltagsgetöse überhaupt noch wahrgenommen werden? Das Tölzer Adventssingen unter dem Titel „Zu mitten in der Nacht ist uns ein Stern aufgegangen“ schien bei den zwei Aufführungen am Sonntag im Kurhaus keine Mühe zu haben, das Publikum zu erreichen.

Die Weihnachtsgeschichte immer wieder aus einem anderen Blickwinkel heraus zu beschreiben und szenisch zu bebildern, das hat sich Elisabeth Mayrhofer zur Aufgabe gemacht. Auch die heurige Fassung stammte aus ihrer Feder. Im Mittelpunkt stand diesmal Maria, die junge Frau, die das Licht in sich trägt. Ihr Schicksal als Heilsbringerin wird nachempfunden, obwohl sie figürlich im Bühnenspiel gar nicht vorkommt.

Das umfangreiche Gesamtkonzept für die von der Tölzer Sing- und Musikschule ausgerichtete Veranstaltung erstellte wie schon in den Jahren zuvor Klaus Wittmann. Nahtlos ineinander fließend, vervollständigte die ausdrucksstarke musikalische Begleitung und Ausgestaltung die Darstellung der überlieferten Geschichte. Sie stellte kritisch und berührend zugleich menschlichen Schwächen und der Trostlosigkeit das Angebot eines hoffnungsvollen Aufbruchs in eine „neue, bessere Zeit“ gegenüber.

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Mit einer vielseitigen und variabel kombinierbaren Instrumentierung sowie auf die Handlung zugeschnittenen Arrangements verliehen die Mitwirkenden unter Leitung von Judith Geißler-Herzog einschließlich des Bläserensembles der Tölzer Stadtkapelle dem Schaudern und Zweifeln, dem Staunen und Freuen der Hirten Nachdruck. Sie bauten Spannung auf und ließen sie wieder abklingen. Mit eingebunden und hervorragend präsent waren zudem der Dreigesang Ossiander-Darchinger, das Duo Franz Schwaighofer/Stephanie Waldherr und der Fischbacher Chor unter Leitung von Franz Schwaighofer, der das eigens von Leonhard Schwarz komponierte „Gloria“ sozusagen uraufführte.

Herausragend, ernst, besinnlich 

Zwischen dessen Strophen rätselten die Hirten aufgeregt über das plötzlich hell erstrahlende Licht und das Singen in den Lüften. „Für einen Augenblick hält die Welt den Atem an und lauscht dem Anfang der neuen Zeit“, erklärte Sprecherin Daniela Suttner den Moment des Begreifens. Überhaupt nimmt das Spiel seinen Anfang, weil die Sprecherin zwei kleinen Mädchen (Victoria von Schweinitz und Clara Jochim) eine „wundersame oide G’schicht“ erzählen will. Die Geschichte vom Paradies, von der Gier der Menschen und den Schattenseiten, die sich auftun. Und so treffen sie dann auf der Bühne aufeinander: der alte, vor sich hinstarrende und sinnierende Sonderling Damerl (Norbert Weinhuber), der junge Bene (Benedikt Wittmann), der verzweifelt den richtigen Weg sucht, und der unbeschwert-schlitzohrige Martl (Franz Apfel), der zwischendurch für Witz und Heiterkeit sorgt. Sie haben die Botschaft gehört, doch als sich Martl und Bene auf den Weg zum Kind machen, bleibt Damerl zurück. „I konn scho gor nimma anders“, sagt er müde und sitzt im Dunkeln.

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Konzentration wurde nicht nur den Akteuren, sondern auch den Zuschauern abverlangt, denn der sprichwörtliche „rote Faden“ im Verlauf der Handlung wurde so manches Mal unterbrochen. Mit dem kraftvoll jubelnden „Nun freue dich, du Christenheit, der Heiland ist geboren“ setzte der Fischbacher Chor den Schlusspunkt unter ein herausragendes, ernstes, besinnliches Adventssingen. Der Applaus war groß. Rosi Bauer

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