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Das Tölzer Bräustüberl steht ab Ende März 2020 ohne Wirt da, wenn sich kein Nachfolger für Heidi Königbauer findet.

Wieder schließt eine Traditions-Gaststätte

„Tölzer Bräustüberl“ schließt im Frühjahr - Lage in der Gastronomie aus Sicht von Kur-Direktorin „prekär“

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Das Wirtshaussterben im Südlandkreis geht weiter. Vor allem in Bad Tölz schließt eine Traditionsgaststätte nach der anderen. Kur-Direktorin Brita Hohenreiter zeigt sich alarmiert. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach dem „Starnbräu“, dem „Enzo“ und dem „Al Ponte“ schließt im kommenden Frühjahr eine weitere Tölzer Traditionsgaststätte: das „Bräustüberl“. Wirtin Heidi Königbauer hört auf. „Aus Altersgründen“, sagt sie. Voraussichtlich Ende März ist Schluss, nach genau 40 Jahren. Leicht fällt Königbauer der Schritt nicht. „Ich glaube aber, dass der ,Löwenbräu’ einen Nachfolger für mich finden wird.“

Ganz so zuversichtlich ist Brita Hohenreiter nicht. „Die Situation ist insgesamt äußerst schwierig, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagt die Tölzer Kur-Direktorin. Mit Sorge beobachten sie und Wirtschaftsförderin Sandra Kern die Entwicklung. „Vor allem in der Marktstraße ist die Situation prekär.“ Schließt das „Bräustüberl“, gibt es in und nahe der Tölzer Fußgängerzone nur noch wenige Wirtshäuser wie den „Metzgerbräu“, den „Kolberbräu“ und den „Gasthof Zantl“.

Vielfältiges Gastronomie-Angebot wichtig für den Handel

Dabei ist ein vielfältiges Gastronomie-Angebot Hohenreiter zufolge wichtig für den Handel – damit sich die Gäste wohlfühlen und länger bleiben. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen aber machten es den Gastronomen nicht leicht, sagt Hohenreiter mit Blick auf die wachsende Bürokratie. Es werde auch immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden.

Das war mit ein Grund, warum Anna-Sophie und Pietro Ferrandino diesen Sommer das „Al Ponte“ aufgegeben haben. Inzwischen hat das Ehepaar aber in den Räumen der ehemaligen Metzgerei Schuler/Zörner einen italienischen Imbiss namens „Cucina Al Ponte“ eröffnet – mit Verkaufszeiten, die den dreifachen Eltern mehr Zeit für ihre Kinder lassen.

Wer in die Räume des ehemaligen „Al Ponte“ an der Lenggrieser Straße einzieht, darüber ist noch nichts bekannt. Alin Fischhaber war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ende August hatte sich die Verwalterin der Immobilie aber positiv geäußert: Nach einer Renovierungsphase solle das Lokal noch heuer wieder eröffnen, sie stehe mit einem Italiener von außerhalb in Kontakt.

„Starnbräu“ öffnet an Leonhardi für einen Tag

Neues Leben zieht auch in den „Starnbräu“ ein – allerdings nur für einen Tag. Zur Leonhardifahrt am kommenden Mittwoch sperrt Eigentümer Georg Hochwind auf und verkauft unter anderem belegte Semmeln, Würstl und Getränke. Ein neuer Pächter ist indes noch nicht in Sicht. Zwar gebe es Interessenten. „Aber nichts Konkretes“, bedauert Hochwind.

Hohenreiter hofft, dass sich das bald ändert und auch der Leerstand im „Al Ponte“ zeitnah beendet ist. Leider könne weder sie noch die Stadt etwas tun, um den Vorgang zu beschleunigen. Wirtschaftsförderin Sandra Kern stehe aber in Kontakt mit den Immobilienbesitzern – und informiere auf Wunsch beispielsweise über staatliche Förderprogramme für Umbaumaßnahmen. „Mehr können wir nicht unternehmen.“

Pächter des Landgasthofs „Zum Bei“ in Greiling hören auf

Auch außerhalb von Bad Tölz tut sich einiges in der Gastronomie: Diesen Sonntag hören die beiden Pächter des Landgasthofs „Zum Bei“ in Greiling auf. „Der Pachtvertrag wurde nicht verlängert“, sagt Andreas Frei. Zusammen mit seiner Frau Claudia hat er die Wirtschaft fünf Jahre lang geführt. Die beiden wollen auf jeden Fall in der Gastronomie bleiben. Noch hat das Paar aber kein passendes Objekt gefunden. „Aber es stehen ja viele Wirtshäuser leer.“ Laut dem Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist noch kein Nachfolger für die Freis in Sicht.

Café „Schusterpeter“ in Arzbach ohne Wirt

Auch das Café „Schusterpeter“ in Arzbach steht aktuell ohne Wirtin da. Birgit Pöckl hat den Betrieb eingestellt. Als Grund nennt sie Personalmangel. Die Gäste der Pension Schusterpeter sind davon nicht betroffen: „Selbstverständlich werden wir für den ,Nachmittagskaffee‘ für unsere Hausgäste eine Café/Tee-Bar bereithalten“, heißt es auf der Homepage.

Mit Steaks locken Alexandra Sprenger und Mauritius Steinmüller, die Wirte vom „Brennada Huat“.

Gute Nachrichten gibt es auch von der Benediktbeurer Straße in Bad Tölz: Alexandra Sprenger und Mauritius Steinmüller haben das Aloisius-Stüberl im „Alten Zollhaus“ wiederbelebt, das zuletzt mehrere Jahre lang brach lag. Nach einer Umbauphase ist ein Grillrestaurant mit offener Schauküche namens „Brennada Huat“ entstanden. Für die Steaks, Burger und Salate setzen die Wirtsleute auf Fleisch von Bauern aus der Region und Produkte vom „Thomahof“ in Königsdorf. Sprenger spricht von einem Konzept, „das es so in Tölz noch nicht gibt“.

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