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Tölzer Bürgerversammlung 

Von A wie Architektur bis W wie Wasser

Welche Themen bewegen die Tölzer? Das kam in der Bürgerversammlung zur Sprache.

Bad Tölz – 44 Seiten schriftlicher Jahresbericht, gut 40 Minuten Bilanz des Bürgermeisters und dann noch eine 20- Minuten-Rede von Landrat Josef Niedermaier: Die gut 100 Besucher der Tölzer Bürgerversammlung in der Franzmühle (das Kurhaus war terminlich besetzt) wurden zunächst einmal ausführlich zur Leistungsbilanz in Stadt und Landkreis gebrieft. „Wir können stolz auf 2017 sein und durften zuversichtlich ins Jahr 2018 gehen“, fasste es Janker zusammen. Einige interessante Punkte aus seiner Rede: Unklar ist immer noch, ob sich der Klebebänder-Hersteller „Biolink“ trotz des Verkaufs des Unternehmens noch auf der Flinthöhe ansiedelt. Wichtig: Die Stadt verliert keine kostbaren Gewerbeflächen. In den Verträgen ist ein Rückkaufrecht festgelegt.

In Sachen Hotelprojekt Arzbacher Straße konnte Janker nichts Neues verkünden. Das Verwaltungsgericht München hat eine anhängige Klage zum abgelehnten Bürgerbegehren noch nicht entschieden.

Die Nordspangen-Pläne liegen derzeit bei der Obersten Baubehörde. Es wird erneut eine Auslegung geben müssen, um einen rechtssicheren Ablauf des Verfahrens gewährleisten zu können. An der Ausfahrt West der Umgehungsstraße arbeitet das Bauamt Weilheim an den Plänen für die lange von der Stadt geforderten kreuzungsfreie Einschleifspur in Richtung Osten. Nach den offiziellen Reden hatten die Bürger das Wort.

„Das finde ich prima“

Gerhard Schmolke wollte auch einmal ein Lob loswerden. „Wie die Stadt die Gries-Erneuerung angeht, das finde ich prima.“ Kleines Aber: „Bitte nur ändern, was die Anwohner auch wollen.“

Tourismus

„Welches touristische Konzept verfolgt Tölz künftig eigentlich?“ wollte Andreas von Schweinitz wissen. Gesundheitsprävention, Tagungen und Wellness, nannte Kurdirektorin Brita Hohenreiter die nach wie vor gültigen drei Produktsäulen. Man sei gut aufgestellt. Nun gelte es, Betten und Seminarräume zu schaffen. Der Tourismus in Tölz sei nicht tot. „Wir sind nach wie vor der übernachtungsstärkste Ort im Tölzer Land.“

Bichlerhof

Andreas Büchl wollte wissen, „warum die Stadt nicht selbst statt Hubert Hörmann den Bichlerhof gekauft und in Ruhe entwickelt hat“. Dann hätte man jetzt keine Probleme. Der Preis sei „nicht utopisch“ gewesen. Bauamtsleiter Christian Fürstberger gab keine direkte Antwort. Er erläuterte, dass Kommunen nur eingeschränkt ein Vorkaufsrecht ausüben könnten. Ihm sei es hingegen um einen ganz normalen Immobilienkauf gegangen, sagte Büchl nach der Versammlung.

Wasserschäden

Willibald Raab vom Freundeskreis Badeteil sorgt sich namens vieler Hausbesitzer, dass bei der Nachverdichtung und den geplanten riesigen Tiefgaragen Folgeschäden durch Schichtenwasser im Untergrund entsteht. Die Problematik räumte Fürstberger ein. Der zuständige Freistaat Bayern habe sich in den vergangenen Jahren aber leider zunehmend aus der Verantwortung gezogen. Die Stadt habe kaum Einflussmöglichkeiten. Dennoch gebe man Empfehlungen an die Bauherren heraus. Und eines tut die Stadt trotzdem: Man werde den favorisierten Grundsatz des Versickerns im Badeteil nicht verfolgen, um nicht noch mehr Wasser in den problematischen Untergrund zu pressen.

Prädikat gilt weiter

„Gibt es eine Tendenz bei den Luftmessungen fürs Prädikat Heilklimatischer Kurort?“, fragte Willibald Raab. „Ja“, antwortete Brita Hohenreiter. Vorbehaltlich der letzten Messreihe werden die Anforderungen eingehalten. „Wir dürfen das Prädikat weiterführen.“

Fußgängerbrücke

Die provisorische Fußgängerbrücke über die Umgehungsstraße nahe „Am Winacker“ sei eher ein Ärgernis und „sehr gefährlich“, mahnte Moritz Reischl-Zand. „Stimmt“, erwiderte der Bauamtschef. Auch das erneuerte Provisorium müsse ersetzt werden. Das Staatliche Bauamt arbeite bereits an einer nunmehr „dauerhaften Lösung“, die in ein, zwei Jahren realisiert werden soll. Wichtig: Die Brücke wird barrierefrei sein und schon im Hinblick auf einen möglichen dreispurigen Ausbau der Umgehungsstraße geplant.

Zwickerwiese

Nach dem Sachstand zur Zwickerwiese fragte Heißstraßen-Anlieger Martin Hake. Die Stadt sei gemäß ZoBoN-Satzung nun Besitzer eines Drittels der Flächen, so Fürstberger. Eine erste Skizze für die Bebauung des Areals werde es wohl Ende April geben, kurz vor oder nach der Sommerpause werde der erste Entwurf öffentlich diskutiert.

Landesgartenschau

Fabian Wilhelm regte an, am Thema Landesgartenschau in Bad Tölz dranzubleiben. „Das Thema ist nur zurückgestellt, weil wir derzeit keine Flächen haben.“ Eine interkommunale Zusammenarbeit, wie sie Wilhelm vorschlug, konnte sich Fürstberger durchaus vorstellen. Vor 2026 ist Tölz aber nicht im Rennen.

Dirt-Park

Ein (nicht anwesendes) Brüderpaar hatte schriftlich angefragt, ob der Dirt-Park auf der Flinthöhe, der in einem „unbefriedigendem Zustand“ sei, ausgebaut wird. Derzeit sei eine Erweiterung nicht geplant, antwortete der Bürgermeister, weil eine Gasleitung der Stadtwerke im Weg sei. Zudem müsse man auf die Nordspange warten. „Das Vorhaben ist derzeit auf Eis gelegt.“

Spielplatz an der Isar

Unhygienisch fand es Moritz Reischl-Zand, dass der Hundekot-Beutelspender so nahe am Spielplatz Muchgaragen steht. Viele Nutzer des Spielplatzes haben ihren Hund dabei, erwiderte Fürstberger. Steht der Spender weiter weg, lassen viele Hundebesitzer die Kotbeutel einfach liegen. Die von Reischl-Zand geforderte Einzäunung des Spielplatzes ist laut Bauamtsleiter nicht möglich. Das Wasserwirtschaftsamt wolle weder Hecken noch Zäune, um Verklausungen im Hochwasserfall vorzubeugen. Auch der Spielplatz selbst werde nur widerwillig geduldet.

Kosten Spa und NTHK

„Was haben denn die Planungen für die Neue Tölzer Hotelkultur und das Spa gekostet?“ wollte Andreas von Schweinitz wissen. Antwort: Rund 685 000 Euro. Kämmerer Hermann Forster listete auf: Die NTHK-Planungen im Jahr 2011 hätten rund 170 000 Euro gekostet. Die Pläne für die Tölzer Quellen im Alpamare (2013/14) schlugen mit 200 000 Euro zu Buche. Das letztlich abgelehnte Spa-Projekt verschlang laut Forster 130 000 Euro unter anderem für die Redserve-Planer und 185 000 Euro für den Architektenwettbewerb. Im Februar hatte Forster die Kosten für das Spa-Projekt noch 35 000 Euro günstiger angegeben.

Hässliche Architektur

„Was kann man denn gegen die hässliche Architektur im Badeteil machen?“ echauffierte sich Manfred Schmid über die Wohnbauten am ehemaligen Minigolfplatz und den Wohnblock mit dem silbern glänzenden Blechdach in der äußeren Buchener Straße. Leider hätten die Baurechtsnovellierungen der 1990er-Jahre im Freistaat den Einfluss der Kommunen bei der Gestaltung so gut wie beseitigt, antwortete Fürstberger. Er stimmte Schmid zu, dass der besagte Bau in der Buchener Straße „echt verunstaltend ist. Da sind wir nicht glücklich.“ Fürstberger fragte sich, was für einen Berufsethos solche Architekten haben. Die Stadt arbeite gleichwohl gerade an einem Gestaltungsleitfaden für Bauherren.

Zum auch angesprochenen Thema Wandelhalle berichtete Landrat Josef Niedermaier, dass die Statik des Baudenkmals keine größeren Veranstaltungen mehr zulässt.

Christoph Schnitzer

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