+
Erhöhte Präsenz zeigte die Polizei nach dem Anschlag in Berlin auf dem Tölzer Christkindlmarkt. 

Sicherheit im Advent

Tölzer Christkindlmarkt ohne „bewaffnete Ritter“

  • schließen
  • Tobias Gmach
    Tobias Gmach
    schließen

Die Sicherheitsmaßnahmen am Tölzer Christkindlmarkt werden heuer nicht verschärft. Aber in Wolfratshausen: Dort versperren zwei schwere Fahrzeuge die Zufahrten zum Markt.

Bad Tölz/Wolfratshausen Susanne Frey-Allgaier möchte nicht in einer Welt leben, in der ein Christkindlmarkt komplett mit Betonsperren verbarrikadiert wird und alle Taschen wie bei einem großen Rockkonzert an den Eingängen kontrolliert werden. „Dann würde ich es auch nicht mehr machen“, sagt die Hauptorganisatorin des Tölzer Christkindlmarkts und stellvertretende Kurdirektorin. Dass sie sich überhaupt über so etwas Gedanken machen muss, liegt am 19. Dezember 2016. An diesem Tag raste der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt des Berliner Breitscheidplatzes. Elf Menschen starben, mehr als 50 wurden zum Teil schwer verletzt.

Das Polizeipräsidium Rosenheim hatte 2016 unmittelbar nach dem Terroranschlag in Berlin reagiert. Schwer bewaffnete und gepanzerte Einsatzkräfte zeigten an den Tagen danach Präsenz in der Marktstraße. Außerdem kontrollierte die Polizei stichprobenhaft Taschen. Vereinzelte Taschenkontrollen könne es auch heuer geben, sagt der stellvertretende Tölzer Polizeichef Andreas Rohrhofer. Auch wenn die Absprache mit Vertretern der Stadt in dieser Woche noch aussteht, ist Rohrhofer sicher: „Dauerhaft werden keine gepanzerten Beamten mit dem Maschinengewehr in der Marktstraße stehen.“ Solche „schwerbewaffneten Ritter“ würden zwar manchen ein Sicherheitsgefühl schenken, „andere beunruhigen sie aber auch“, so Rohrhofer. Streifenkräfte würden aber verstärkt eingesetzt, „den Polizeibus abstellen und sich immer wieder sehen lassen“.

Betonsperren wie an Münchner Märkten wird es auch in Wolfratshausen, wo am Wochenende vom 1. bis zum 3. Dezember ein Christkindlmarkt stattfindet, nicht geben. Aber ein ganz ähnliches Prinzip. Bürgermeister Klaus Heilinglechner hat als Reaktion auf den Berliner Anschlag eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Am Schwankl-Eck wird ein Fahrzeug des BRK postiert – und „ein passendes Fahrzeug“ am Reiser-Eck, berichtet Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny auf Nachfrage. „Wir machen aus der Marktstraße aber nicht Fort Knox“, betont Czerweny. Die Holzbuden stehen entlang der Marktstraße, aufgereiht eben zwischen Reiser- und Schwankl-Eck. Bislang wurden Kraftfahrer durch Absperrbaken daran gehindert, durch die Budengasse zu brausen. Zunächst war vorgesehen, die Zufahrten mit tonnenschweren Feuerwehrfahrzeugen zu blockieren. Czerweny: „Das kommt aufgrund der Brandwache, die die Feuerwehr zu leisten hat, nun aber nicht infrage.“

In der Tölzer Marktstraße dienen oben und unten die fest installierten rot-weißen Pfosten als Absperrung für den Verkehr. „Und die Gassen sind für größere Fahrzeuge ohnehin zu eng“, sagt Susanne Frey Allgaier. Die Organisatorin spricht von einer Gratwanderung: Man bemühe sich sehr um die Sicherheit der Besucher, „aber wir können unser Leben nicht komplett verbarrikadieren. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie“.

Sehr abstrakt ist die Terrorgefahr in einer Kleinstadt wie Tölz, sagen Rohrhofer und Frey-Allgaier. Man müsse sich eher um viele kleine Risikoherde kümmern. „Es soll auch niemand über ein schlecht verlegtes Kabel stolpern“, sagt die stellvertretende Kurdirektorin. Die gelb-schwarzen Kabelbrücken, die entlang der Gehsteigrinnen verlaufen, hätten sich 2016 bewährt. Die Gasanlagen der Standbetreiber würden durch Fachfirmen und vom Ordnungsamt geprüft. Die von unten gesehen linke Seite bleibe frei, damit im Notfall große Feuerwehrfahrzeuge durchpassen. Für die Nachtwache sorge die Sicherheitsfirma von Peter Frech.

Schon am Freitag sperren die Buden ihre Klappen auf. Am Samstag eröffnet Bürgermeister Josef Janker nach einem Konzert der Bläsergruppe der Stadtkapelle um 16 Uhr den Markt dann offiziell. Im Anschluss singt der Tölzer Knabenchor.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kampagne zum Bürgerentscheid „AfD-like“: Landrat nimmt Stellung zu umstrittener Äußerung
Die Kampagne des „Ja“-Lagers sei „AfD-like“ gewesen. Mit diesen Worten kritisierte Landrat Josef Niedermaier die Initiatoren des Bürgerentscheids zum Bichler Hof, deren …
Kampagne zum Bürgerentscheid „AfD-like“: Landrat nimmt Stellung zu umstrittener Äußerung
Dieselspur am Kesselberg bringt drei Motorradfahrer zu Fall
Wie gefährlich eine Dieselspur auf der Fahrbahn sein kann, das zeigte sich am Dommerstag auf der Serpentinenstrecke am Kesselberg. 
Dieselspur am Kesselberg bringt drei Motorradfahrer zu Fall
Punktlandung in der „KoKiTa“: Kinder können wieder toben
Die Kindertagesstätte der Gemeinde Kochel ist pünktlich in Betrieb gegangen. „Am 4. September haben die Mädchen und Buben die KoKiTa wieder für sich in Beschlag …
Punktlandung in der „KoKiTa“: Kinder können wieder toben
Raser und respektlose Gaffer in Bad Tölz - „Der schwärzeste Tag des Motorsports“
Von wegen „gute alte Zeit“: Motorrad-Raser gab es im Landkreis schon vor 90 Jahren.  Jetzt erinnert ein neuer Gedenkstein an ein verhängnisvolles Rennen - zwei Fahrer …
Raser und respektlose Gaffer in Bad Tölz - „Der schwärzeste Tag des Motorsports“

Kommentare