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Sagen „Habedeehre“: Die Betreiber Andreas Rest (34, li.) und Thomas Greil (36) erinnern sich gerne an den ersten chaotischen Abend im Brucklyn. Von ihm zeugt das Plakat rechts. Nun hören sie mit dem Nachtleben-Job auf.

Nachtleben in Bad Tölz

„Brucklyn“ schließt im Frühjahr

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Bad Tölz - Der Tölzer Nachtclub „Brucklyn“ sperrt nach fünf Jahren zu. Die beiden Betreiber suchen selbst nach einem Nachfolger, der das Lokal in ähnlichem Stil weiterführt. Die Übergabe ist fürs Frühjahr geplant.

Bad Tölz – Das „Brucklyn“ an einem Freitagmorgen: „Fuck the Mainstream“, schreit ein Aufkleber an der Tür. „Habedeehre“, grüßt ein Poster drinnen. Es ist das Eröffnungsplakat vom 4. Februar 2012. Thomas Greil und Andreas Rest huschen zwischen Bar und Tanzfläche hin und her, räumen Getränkekisten weg und wischen den Ausschank ab. Seit 9 Uhr sind sie da. Am Abend kommt DJ Ak, vielleicht sogar mit ein bisschen Mainstream, sonst legt er in Münchens Nachtinstitutionen Neuraum und Willenlos auf. Greil weiß, wie’s läuft: „Bis wir daheim sind, ist es meistens 6 Uhr morgens.“ Es wird wieder eine lange Nacht im Brucklyn.

So ist das jedes Wochenende in dem Club am Amortplatz, seit bald fünf Jahren. Im März oder April, je nachdem, wann ein Nachfolger bereitsteht, sagen die Brucklyn-Chefs wieder „Habedeehre“ und verabschieden sich. Zu behaupten, Greil und Rest wären ausgebrannt vom Nachtleben, wäre übertrieben. Ein bisschen was dran ist aber schon. „Ich werde bald 37“, sagt Greil. Die Leute seiner Generation sehe er immer seltener im Brucklyn. Auch Rest (34) denkt manchmal, dass er als „Kind der Neunziger“ einfach anders tickt als die 22-Jährigen, die in seinen Laden rennen.

Den Traum des eigenen Clubs haben sich die beiden Tölzer erfüllt. Als ledige Selbstständige lebten sie sogar ganz gut von ihm. Nun ist Schluss, aus ganz persönlichen Gründen: „Es muss wieder ein bisschen Normalität her“, sagt Rest. Alle haben am Wochenende Zeit zum Bergsteigen, ich bin dann zu fertig.“ Kollege Greil will nicht mehr jede Geburtstagseinladung am Wochenende absagen und sich beruflich umorientieren.

Das Duo ergänzte sich von Anfang an. Greil, zuvor Sozialarbeiter, halfen Design-Affinität und DJ-Erfahrung, um Motto-Partys aufzuziehen. Rest brachte sein Wissen als gelernter Restaurantfachmann und Hotelbetriebswirt ein. Und doch war der erste Abend Chaos pur: „Wir haben uns ständig an der Kasse vertippt und brauchten dreimal Biernachschub von der Tankstelle“, erinnert sich Rest an den 4. Februar 2012.

Bei Greil klingt das so: „Ein paar Stunden davor haben wir noch das letzte Stück Parkett verlegt, dann standen wir auf einmal hinter der Bar.“

Von null auf hundert startete das Brucklyn in Tölz. Der beliebte Subraum hatte eine Woche vorher zugesperrt, die Disco Blu schloss vier Monate später. Am Amortplatz gab’s „Deep House“ oder Neunziger-Hip-Hop auf die Ohren. „Für sowas musste man sonst immer nach München fahren“, sagt Greil. Die Sache lief gut, doch auch das Brucklyn erlebte Dürrezeiten. Greil: „Es gibt Abende, da ist in ganz Tölz keiner auf der Straße.“

An Leonhardi 2015 waren es besonders viele. Der Türsteher ließ eine Gruppe Asylbewerber nicht rein, wurde als Rassist beschimpft. Mädchen fühlten sich bedrängt. Die Betreiber wussten nicht, wie sie reagieren sollten, baten per Facebook um Rat. Als Antwort bekamen sie Schlagzeilen. „Dürfen Discos Flüchtlinge einfach rauswerfen?“, diskutierte nicht nur die Augsburger Allgemeine, sondern auch das britische Boulevard-Blatt „Daily Mail“. RTL und ZDF riefen an, um in Tölz zu drehen.

Die Aufregung ist lange vorbei. Auch die Probleme mit den Nachbarn, die sich über laute Bässe und randalierende Gäste beschwerten, hätten sich beruhigt, berichtet Georg Schmid (80). Ihm gehört das gesamte rund 8000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen Bruckbräus. Die Brucklyn-Räume sollen ein Musikclub bleiben, sagt Schmid. „Interessenten sind da, und es hört sich gut an.“

Aktuell ist der untere Raum mit Couchmöbeln und einer Bar ausgestattet. Eine weitere Theke gibt es oben neben Tanzfläche und DJ-Pult. Greil und Restsind selbst auf Nachfolgersuche. Ideal fänden sie jemanden, der den Club in ähnlichem Stil weiterführt. Einen, der die Möbel, die Soundanlage oder die Bar übernimmt. Greil wünscht sich ein „Brucklyn 2.0 mit frischem Wind“.

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