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Kirche in Zeiten der Corona-Krise: Zur stillen Einkehr alleine ein Gotteshaus aufzusuchen, ist trotz der aktuellen Ausgangsbeschränkungen weiterhin erlaubt.

Corona-Krise

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal“

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Was bedeutet die Krise für das kirchliche Leben, wo doch gerade in der Verunsicherung und Not mehr Menschen einen Zugang zu Gott suchen? Ein Interview mit den Dekanen Thomas Neuberger aus Dietramszell (katholisch) und Martin Steinbach aus Bad Tölz (evangelisch).

Jetzt sind alle Gottesdienste ausgesetzt. Bleiben die Kirchen offen und jedem Christen die Möglichkeit zur „stillen Einkehr“ in einem Gotteshaus?

Thomas Neuberger: Uns ist es ein großes Anliegen, die Kirchen offen zu halten, solange es möglich ist. In vielen Kirchen liegen auch Gebete und Impulse aus, die jetzt helfen können, mit Gott zu sprechen.
Martin Steinbach: Ja, die Kirchen, die bisher tagsüber offen waren, bleiben es nach derzeitiger Beschlusslage auch weiterhin. Wir freuen uns, wenn Menschen dieses Angebot zur stillen Einkehr weiterhin nutzen.

In drei Wochen ist Ostern, das höchste Fest der Christenheit. Gibt es schon einen Plan für die Feier der Karwoche?

Thomas Neuberger: Ostern ohne Gottesdienst – da bricht für viele schon eine Welt zusammen. Trotzdem bleibt uns nichts übrig, als die Trauer über den Ausfall der Kar- und Osterwoche auszuhalten und uns selbst und andere zu schützen. Das heißt nicht, dass wir nicht Ostern feiern. Auch wenn wir nicht gemeinsam öffentlich beten und feiern, so kann doch jeder im Kreis seiner Familie diese Hochtage des Kirchenjahres mitfeiern. Wir bieten Modelle für Hausandachten. Und jeder kann Palmbuschen binden und Osterkerzen basteln.
Martin Steinbach: Derzeit noch nicht, aber es gibt Überlegungen und den Austausch der Geistlichen untereinander. Man wird sehen, was im April noch möglich sein wird und sich mit den katholischen Nachbargemeinden absprechen.

Martin Steinbach

Sind Gottesdienste unter freiem Himmel denkbar?

Thomas Neuberger: Es wäre eine schöne und symbolträchtige Herangehensweise, die Osterandacht auf einer Anhöhe zu feiern und so auch ganz geistlich den Aufgang der Sonne zu erleben. Es bleibt aber eine große Ansammlung von Menschen mit der fehlenden Möglichkeit, notwendige Hygienemaßnahmen einzuhalten.
Martin Steinbach: Ich vermute, eher nicht! Wenn in München im Englischen Garten „Corona-Partys“ mit über fünf Personen polizeilich aufgelöst werden, ist es momentan schwer vorstellbar, dass wir im Kurpark einen Gottesdienst feiern dürfen. Aber momentan sind alle Zukunftsspekulationen Kaffeesatzleserei.

„Ostern ohne Gottesdienst - da bricht für viele schon die Welt zusammen“

Taufen, Kommunion, Firmung und Konfirmation werden verschoben. Wie können sie nachgeholt werden?

Thomas Neuberger: Taufen werden aufgeschoben und neue Termine erst vereinbart, sobald wir wissen, wie wir wieder in gewohnter Weise das Pfarrleben planen können. Die Erstkommunion steht üblicherweise Ende April, Anfang Mai an. Die angekündigten Termine werden vielerorts abgesagt und Ausweichmöglichkeiten gesucht. Firmungen sind für Juni/Juli geplant. Diese Termine stehen vorerst noch.
Martin Steinbach: Für Taufen finden wir individuelle Lösungen. Die Konfirmationen sind für Mitte/Ende Mai angesetzt und könnten nach derzeitigem Stand stattfinden. Wenn nicht, werden sie sicher im kleinen Rahmen nachgeholt, sobald möglich.

Thomas Neubierger

Was gilt für kirchliche Trauungen?

Thomas Neubauer: Vorerst sind die Termine kurz nach Ostern und im Mai noch nicht abgesagt. Ich kann aber diesen Brautpaaren nur ans Herz legen, sozusagen einen „Plan B“ ins Auge zu fassen. Hier sind die Seelsorger, die sie begleiten, gute Ansprechpartner.
Martin Steinbach: In der Passionszeit waren ohnehin keine Trauungen geplant. Für Anfang Mai werden jetzt schon seitens einzelner Brautpaare Trauungen storniert, weil ihnen der Termin zu unsicher erscheint und sie Planungssicherheit brauchen. Es bleibt abzuwarten, ob das „normale Leben“ ab 19. April wieder starten kann oder nicht.

Findet überhaupt noch Krankenhausseelsorge statt?

Thomas Neubauer:Ja. Meine Kollegen in der Tölzer Asklepios-Stadtklinik leisten weiterhin ihren Dienst und stehen allen Patienten, aber auch Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften bei, die eine seelsorgerische Begleitung wünschen.
Martin Steinbach: Nach meiner Kenntnis ist Sterbebegleitung auf Wunsch noch möglich. Ansonsten bleibt nur das Telefon als Kontaktmittel. Wir bitten die Patienten herzlich, von dieser Möglichkeit über die Pfarrämter auch Gebrauch zu machen. Das Pflegepersonal unterstützt da sicher gerne. Aus Datenschutzgründen dürfen sich Seelsorger allerdings nicht bei den Patienten melden – wenn sie nicht ausdrücklich darum gebeten werden.
Christopher Horn, Pressesprecher der Asklepios Stadtklinik, gibt dazu folgende Auskunft: „Krankenhausseelsorge bleibt möglich, die Geistlichen stehen auf entsprechenden Wunsch für jeden Patienten bereit, die Gespräche sollen aber möglichst telefonisch stattfinden. In Notfällen – etwa für Sterbende – bleibt der direkte Kontakt möglich.“

„Beerdigungen können nur im kleinsten Kreis der Familie stattfinden“

Der Tod lässt sich nicht verschieben. Es soll jetzt nur noch Bestattungen geben, Requiems sollen später nachgeholt werden. Aber auch bei einer Beerdigung kann es eng werden. Sind auch die Aussegnungskapellen tabu?

Thomas Neubauer: Beerdigungen finden im Familien- und Freundeskreis statt. Es gibt die Möglichkeit, Beerdigungen direkt am Grab oder einem anderen Ort (etwa am zentralen Friedhofskreuz) zu beginnen. Dies sollte in Abstimmung mit den Betroffenen erfolgen.
Martin Steinbach: Für Kirchen und auch für Aussegnungshallen gilt: keine Gottesdienste! Beerdigungen können aber im kleinen Kreis im Freien stattfinden. Der Gottesdienst und die Nachrufe finden dann am Grab statt.

Wie kann die Kirche jetzt die Menschen über Tageszeitungen, Rundfunk und Fernsehen oder andere soziale Medien noch besser erreichen?

Thomas Neubauer: Wir sind bemüht, die Isolation zu durchbrechen. In den Pfarreien werden Vorlagen für Hausgottesdienste im Familienkreis ausgelegt. Ich verweise auch auf Fernseh- und Rundfunkgottesdienste. Es gibt eine Vielzahl von Online-Streams, Texten und Videos, die über Whats-App und andere Apps verfügbar sind. Das Erzbistum überträgt täglich die nichtöffentliche Messe aus der Sakramentskapelle im Münchner Dom. Und noch eine ganz traditionelle Form des Gebetes: Am Mittag und Abend läuten in den evangelischen und katholischen Kirchen des Dekanats die Glocken und rufen so auch ökumenisch zum gemeinsamen Gebet auf.
Martin Steinbach: Es ist wichtig, jetzt alle Medien zu nutzen. Dabei werden unterschiedliche Altersgruppen über unterschiedliche Medien erreicht. Man kann einen ansprechenden Osterimpuls ja über Facebook, Whats-App-Gruppen und über die Zeitung weiterleiten. In unserer Gemeinde geht in den nächsten Tagen ein Brief an die Gemeindemitglieder heraus, und unsere Zappelphilipps bekommen eine Postkarte. Vielleicht eröffnen sich jetzt ja neue Wege, die man sonst nicht gegangen wäre...?

Können Sie eine Bibelstelle nennen, die in dieser Krise Orientierung geben kann?

Thomas Neubauer: „Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag“ (Psalm 91,5). Er macht Mut angesichts der Bedrohung. Jesaja hat diese Grundhaltung am kraftvollsten in Worte gefasst: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich habe dich stark gemacht, ja ich habe dir geholfen und dich gehalten mit meiner siegreichen Rechten.“
Martin Steinbach: „… und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ (Psalm 23). Ich weiß, Gott löst nicht gleich alle unsere Probleme, aber er gibt uns Kraft und Zuversicht, dass wir sie lösen können und nicht ohne Hilfe dastehen.

Interview: R. Bannier

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