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Am Rand der Feierlichkeiten zu 50 Jahre Partnerschaft Bad Tölz-Vichy war es zu dem Zwischenfall gekommen.

Er muss sich vor Gericht verantworten

Arzt beleidigte Feuerwehrler: „Du kleiner Mann hast mir nix zu sagen“

Bad Tölz/Wolfratshausen – Wegen Beleidigung musste sich ein Tölzer Arzt jetzt vor Gericht verantworten. Er hatte Tölzer Feuerwehrmänner beschimpft, weil sie ihn nicht durch eine Straßensperre fahren ließen.

Dem Doktor pressiert’s. Wegen eines Festzugs wird ihm aber am Vichyplatz die Weiterfahrt zu seiner Praxis verwehrt. Kein Auto kommt durch die Sperre, die Feuerwehrmänner machen auch für den Arzt keine Ausnahme. Das bringt den 55-jährigen Tölzer so in Rage, dass er sich fünf Monate später wegen Beleidigung vor Gericht verantworten muss – weil er einen Feuerwehr-Aktiven als „kleinen Mann“ und dessen Kollegen als „blöden Depp“ bezeichnete. Das kostet ihn nun 3500 Euro.

„Wenn es um Patienten geht, bin ich emotional“, erklärte der Arzt. „Kann schon sein, dass ich solche Wörter gesagt habe.“ Gleichwohl sah er seinen Unmut triftig begründet. Eine Patientin habe ihn wegen starker Schmerzen auf seinem Handy angerufen. Man vereinbarte, sich unverzüglich in der Praxis zu treffen. An diesem Samstag im Juli fand zum 50-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum Bad Tölz-Vichy ein Festzug statt, der just in dem Moment in den Vichyplatz einbog, als am anderen Ende der Doktor ankam. „Ich musste nur 20 Meter reinfahren“, echauffierte sich der Arzt.

„Wir haben die Straße zugemacht, als die Blasmusik im Anmarsch war“, erläuterte ein Feuerwehrmann. Zu dritt habe man die Autos aufgehalten, als der Angeklagte ziemlich zügig vorbeigefahren sei. „Erst der dritte Mann konnte ihn stoppen“, sagte der Zeuge. „Aber wenn da ein paar orange Manschgerl in der Straße rumhüpfen, könnte man die schon als Feuerwehr erkennen.“

Dann habe sich die Situation schnell zugespitzt. „Beim zweiten Satz war der auf 100“, schilderte der Mann die Reaktion des Beschuldigten, nachdem dieser auf die Rechtslage („wir haben in dem Fall polizeiähnliche Rechte“) hingewiesen worden sei. „Er sagte: Du kleiner Mann hast mir gar nix zu sagen“, berichtete der 1,65 Meter große Feuerwehrmann. Er habe vor allem das „Du“ als Herabsetzung empfunden und deshalb die Polizei verständigt. Der Arzt habe das Auto gewendet und dabei seinen Kollegen angeblafft: „Du Depp, geh auf d’ Seiten.“

Seit 25 Jahren sei er bei der Feuerwehr. „Aber so bin ich noch nie angeredet worden“, sagte der Mann. Womöglich hätten beide Parteien entspannter reagiert, wenn nicht unmittelbar zuvor das Attentat an der Côte d’Azur passiert wäre, als in Nizza ein Lkw durch eine Menschenmenge raste und mehr als 80 Passanten tötete. „Zwei Tage später geht hier im Zug eine französische Fußgruppe, und dieser kommt im abgegrenzten Bereich ein Auto entgegen. Das kommt nicht so gut“, begründete der Feuerwehrmann seine rigorose Haltung.

„Ich war in Eile, aber das war nicht in Ordnung“, entschuldigte sich jetzt der Arzt. Sein Verteidiger fragte, ob man das Wortgeplänkel nicht ohne eine Verurteilung aus der Welt schaffen könne. „Wir sind doch in Bayern“, argumentierte der Anwalt. „Aber deshalb kann ich Männer, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich für die öffentliche Sicherheit sorgen, nicht einfach blöd anreden“, entgegnete Richter Helmut Berger. „Das ist ein Unding.“ Aber für einen ordentlichen Geldbetrag wolle er sich einer Einstellung nicht verschließen. Der Arzt willigte ein, 3500 Euro an die Tölzer Feuerwehr Bad Tölz zu zahlen. rst

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