Tölzer Fischereiverband

„An der Isar macht  jeder, was er will“

Bad Tölz – Die gute Nachricht: Zwei Drittel des Fischbestands in Bayern sind „akzeptabel“, sagte der Fischereibiologe Michael Schubert kürzlich beim Tölzer Fischereiverband. Die schlechte Nachricht:  Tendenziell geht der Fischbestand zurück – eine Entwicklung, die auch die Isar-Fischer bestätigen.

Lachse und Störe, die einst in der Isar heimisch waren, schwimmen – wie weitere 13 Arten – heute nicht mehr in dem Alpenfluss. Auch Äschen, Nasen und Barben werden nicht mehr gesichtet. Der majestätische Huchen, der schnell fließende, kühle und sauerstoffreiche Gewässer liebt, ist ebenfalls auf dem Rückzug.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. „Kleine Wasserkraftwerke“, sagte Schubert beispielhaft, „liefern wenig Strom, wirken sich aber extrem negativ auf den Fischbestand aus.“ Weiterhin führte der Fischexperte an: „Schwierigkeiten kann auch der Biber bereiten, wenn er mit seinen Bauten Zuflüsse trocken legt.“ Die ebenfalls auf der Sitzung anwesenden Isar-Ranger wandten dagegen ein, dass man Biber durchaus „managen“ könne und sie nur im Notfall „entnehmen“ müsse.

Fischereibiologe Michael Schubert

Einig waren sich die Fischer, dass vor allem Vögel eine Bedrohung für den Bestand darstellten. So stehe der possierlich wirkende Gänsesäger zwar selbst unter Artenschutz, rücke aber dennoch dem Fischbestand zu Leibe. Die Ente fange zwar nur kleine Fische, die sich nicht versteckten – davon aber 300 Gramm täglich.

Die größte Sorge bereitet den Fischern aber die ausufernden Freizeitaktivitäten an der Isar. „Ein Wildfluss ist doch kein Verkehrsweg“, fasste ein Sitzungsteilnehmer die vorherrschende Meinung zusammen. „Der Bootstourismus artet aus, bei uns geht’s manchmal zu wie am Ballermann“, ergänzte ein weiterer Gast. „Jetzt wird auch noch Tauchen in den Isar-Gumpen angeboten, dort, wo der Huchen laicht.“ Auch würden kommerzielle Bootsverleiher Totholz, etwa querliegende Bäume, entfernen. Diese seien jedoch Kinderstube und Rückzugsort der Fische. „An der Isar macht jeder, was er will. Nachtfahrten mit Fackeln und Sektfrühstück auf den Kiesbänken müssen aber wirklich nicht sein.“ Unter diesen Vergnügen litten die Fische erheblich.

Das von Bootsverleihern initiierte Projekt „Netzwerk Isar“ bemühe sich indes um einen rücksichtsvollen Umgang mit der Ressource Isar. Sperrzeiten würden berücksichtigt, Kiesbänke nicht betreten und Müll kostenlos entsorgt. Ein Bootsbetreiber aus München stellte aber ernüchtert fest, dass auf den Touren zu viel Alkohol getrunken werde. Vergrämen scheint man die Sauftouristen jedoch nicht zu können – zum Leidwesen der Fischer und Fische. sf

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