Die ungewohnte Ruhe im „Jailhouse“ nutzt Peter Frech, um sich neu zu erfinden, wie er sagt. Gleichzeitig plant er drei Großveranstaltungen.
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Die ungewohnte Ruhe im „Jailhouse“ nutzt Peter Frech, um sich neu zu erfinden, wie er sagt. Gleichzeitig plant er drei Großveranstaltungen.

Corona Auswirkungen

Tölzer Gastronomen haben keinen Verdienst seit zweieinhalb Monaten

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands hatte es befürchtet: Bis die staatlichen Zuschüsse bei den Gastronomen ankommen, dauert es. Tatsächlich haben viele noch nicht einmal die November-Hilfen auf dem Konto. Aufgeben aber kommt für die meisten nicht in Frage.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit Anfang November sind alle gastronomischen Betriebe in Deutschland geschlossen. Oder, wie es Hans Kremko vom „Kramerwirt“ in Arzbach ausdrückt: „Wir verdienen seit zweieinhalb Monaten kein Geld, haben aber Kosten.“ Er und Wirtin Michaela Kurz warten „mehr als händeringend“ auf die staatlichen Zuschüsse für November. Noch aber ist nichts gekommen. „Gott sei Dank haben wir einen extrem geduldigen Vermieter“, sagt Kremko. „Das ist das, was uns im Moment rettet.“ So viel Glück haben aber längst nicht alle.

Etwa 600 gastronomische Betriebe im Landkreis haben zu kämpfen

„Bei manchen wird es richtig eng“, sagt Monika Poschenrieder. Die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands schätzt, dass bislang nur etwa 25 Prozent der November-Hilfen ausbezahlt worden sind. Ab nächster Woche sollen dann die restlichen Gelder fließen. Die Wirtin des Forellenhofs „Walgerfranz“ in Bad Tölz selbst hat bislang nur eine Abschlagszahlung erhalten und wartet auf den Rest. Seit einigen Tagen können die Gastronomen über ihren Steuerberater nun auch die Dezember-Hilfen beantragen. Lustig sei die Situation für keinen der geschätzt rund 600 gastronomischen Betriebe im Landkreis. „Wenn wir weiterhin Unterstützung bekommen, werden aber die meisten durchkommen.“

Die meisten noch keine November-Hilfe bekommen

Peter Frech blickt trotz der schwierigen Lage ebenfalls optimistisch in die Zukunft – auch, wenn der Wirt des „Jailhouse“ in Bad Tölz nicht davon ausgeht, dass den Gastronomen unterm Strich wirklich 75 Prozent des durchschnittlichen Monatsumsatzes aus dem Vorjahr bleiben. „Ich rechne eher mit 40 Prozent, weil das Geld versteuert werden muss.“ Frech wartet aktuell auf die November-Hilfen – und nutzt die Zeit zum Pläneschmieden. „Wir sind gerade mit der Stadt dran, dass wir in Tölz wieder was machen.“ Zugleich planen er und Stephanie Hörmann für heuer wieder das US-Car-Treffen, das Harley- Treffen und das Trucker-Treffen. „Man muss den Leuten eine Zukunftsperspektive geben“, sagt Frech. Ob die Veranstaltungen stattfinden können, hänge aber natürlich von der Entwicklung der Pandemie ab. Und von den Behörden. Dank des Impfstoffs geht Peter Frech aber davon aus, dass die gastronomischen Betriebe im Sommer zu einer eingeschränkten Normalität zurückkehren können. „Zumindest die, die es noch gibt.“

Angst vor der Zukunft bleibt

Einer davon wird Rudolf Rohrmoser sein. Der Inhaber des Landgasthofs „Reindlschmiede“ in Heilbrunn hat nach eigenen Angaben das Glück, keine hohen Pachten zahlen zu müssen. „Wenn ich die noch im Gnack hätte, würde es nicht gehen.“ So aber können sich Rohrmoser und sein Team mit den staatlichen Hilfen ganz gut über Wasser halten. Die Mehrwertsteuersenkung, die große Außengastronomie und die vielen Tagesausflügler im Sommer waren ebenfalls hilfreich. Sorgen macht sich Rudolf Rohrmoser aber, weil viele Betriebe Steuervorauszahlungen und auch -nachzahlungen haben stunden lassen. Irgendwann aber sei Zahltag. „Das macht mir Angst.“

Aktuelle Informationen zur Corona-Lange im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

Die Angst vor der Zukunft bleibt auch im „Kramerwirt“ in Arzbach. Dort haben Hans Kremko und Michaela Kurz nach über 30 Jahren in der Gastronomie durchaus überlegt, die Flinte ins Korn zu werfen. „Wir hoffen aber, dass sich die Lage bessert und wir noch ein paar erfolgreiche Jahre vor uns haben“, sagt Hans Kremko. Die Chancen stehen nicht schlecht, falls das Coronavirus eingedämmt wird. Der Saal der Gaststätte ist bereits für das gesamte Jahr ausgebucht.

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