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Die Geburtshilfeabteilung an der Tölzer Stadtklinik ist bis Ende März gesichert. Bis dahin wird der Kreistag aber keinen Beschluss zur finanziellen Beteiligung gefällt haben. Und erst wenn es den gibt, können die Verhandlungen über eine gemeinsame Hauptabteilung mit den Kliniken in Agatharied oder Garmisch-Partenkirchen abgeschlossen werden.  

Übergang wird auf keinen Fall Reibungslos

Geburtshilfe: Bis Ende März kein Beschluss

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Ob es gelingen wird, die Tölzer Geburtshilfe zu retten, ist fraglich. Derzeit wird an allen Fronten verhandelt. Aber selbst wenn es Asklepios schafft, eine gemeinsame Hauptabteilung mit einem anderen Krankenhaus zu gründen, und sich der Landkreis finanziell beteiligt, wird der Übergang wohl auf keinen Fall reibungslos sein.

Bad Tölz– Die Tölzer Geburtshilfeabteilung an der Asklepios-Stadtklinik steht vor dem Aus. Zwei Belegärzte sind zu wenig, um mehr als 500 Geburten pro Jahr zu bewältigen. Weitere Gynäkologen ließen sich aber nicht für eine Mitarbeit gewinnen. Dazu kommen Gesetzesänderungen, die eine Unterstützung der Ärzte bei ihren horrenden Haftpflichtversicherungsbeiträgen unmöglich machen. Der Aufbau einer eigenen Hauptabteilung scheiterte am fehlenden Personal.

Der Betrieb der Abteilung ist im Moment nur noch bis Ende März gesichert. So lange hat Dr. Stephan Krone sich bereit erklärt, als Belegarzt weiterzumachen. Was danach passiert, „ist zum heutigen Zeitpunkt von vielen Faktoren abhängig“, sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin am Landratsamt. Der zeitliche Fahrplan sei sehr eng, „aus diesem Grund laufen viele Dinge parallel“.

Wie berichtet hatte der Kreisausschuss in seiner Januar-Sitzung Landrat Josef Niedermaier den Auftrag erteilt, mit Asklepios über eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Landkreises an der Geburtshilfe zu verhandeln. „Sicherstellungszuschuss“ nennt Niedermaier das, weil es Defizitausgleich nicht heißen darf. Auch wenn bislang keine konkrete Zahl genannt wurde, dürfte es jährlich um einen Betrag weit jenseits von einer Million Euro gehen. Die Gespräche zwischen dem Landrat und Klinik-Geschäftsführer Joachim Ramming „sind im vollen Gange und gestalten sich sehr konstruktiv“, sagt Klinik-Pressesprecher Christopher Horn. Zum Inhalt wolle man sich im Moment aber „nicht weiter äußern“.

Parallel dazu verhandelt die Tölzer Klinik mit umliegenden Krankenhäusern über die Bildung einer gemeinsamen Hauptabteilung. „Es haben sowohl mit den Verantwortlichen des Krankenhauses Agatharied als auch des Klinikums Garmisch erneut Gespräche stattgefunden“, so Horn. „Gleichwohl können wir eine mögliche Kooperation erst vereinbaren, wenn sich der Kreistag für einen Sicherstellungszuschuss in entsprechender Höhe für die Geburtshilfe ausgesprochen hat.“

Bevor er das tut, möchten die Kreisräte aber noch mehr Informationen haben. In der jüngsten Sitzung sprach sich der Kreisausschuss dafür aus, Experten anzuhören – und zwar überregionale, weil die Meinung der lokalen Vertreter hinreichend bekannt sei. Nach diesen Experten werde derzeit intensiv gesucht, berichtet Peischer. „Auch mit dem Gesundheitsministerium ist man in Kontakt. Hier besteht das Signal, im Kreisausschuss Rede und Antwort zu stehen.“

Wann genau das passieren wird, ist noch unklar. In seiner Sitzung am 6. März könnte der Kreisausschuss laut Peischer aber in die Vorberatung über die Höhe der Kostenbeteiligung einsteigen. Bis Ende März könnten dann „diverse Fakten auf dem Tisch liegen“, so Peischer weiter. „Realistisch betrachtet ist es aber so, dass es wohl kaum gelingen wird, eine Hauptabteilung bis dahin aus dem Boden zu stampfen, die dann auch im Anschluss direkt übernimmt. Auf diese Schwierigkeit wurde in den Gesprächen und Diskussionen auch immer wieder hingewiesen.“ Sie geht nämlich davon aus, dass der Kreistag erst im Mai über die Kostenbeteiligung entscheiden kann.

Mitsprachrecht der Eltern gefordert

Dass auch Elterninteressen in der Debatte um den Erhalt der Tölzer Geburtshilfe gewahrt werden, dafür setzt sich Jana Kießling ein. Die Tölzerin ist Mitglied in der Bundes-Elterninitiative „Mother Hood“ und hat zahlreiche Unterschriften an Landrat Josef Niedermaier übergeben. Die Unterzeichner bitten darum, zu der im Kreisausschuss geplanten Anhörung auch Vertreter von „Mother Hood“ einzuladen sowie Carola Hauck (Regisseurin und Produzentin des Films „Die sichere Geburt“), eine Vertreterin des Bayerischen Hebammen-Landesverbands sowie jemanden von der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein in München. „Wichtig ist uns dabei, dass auf die Thematik einer sicheren, optimal begleiteten und selbstbestimmten Geburt mit der freien Wahl des Geburtsortes eingegangen wird“, heißt es im Begleitschreiben. Und weiter: „Eine Geburt verändert das Leben. Vor, während und nach der Geburt brauchen Mutter und Kind deswegen besondere Unterstützung.“ Eine enge Begleitung bei der Familienplanung, in der Zeit der Schwangerschaft sowie zu Beginn des neuen Familienlebens würden Hebammen und Ärzte bieten. „Das Thema Geburtshilfe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen uns darum kümmern, dass Kinder geboren werden, das Kinder willkommen geheißen werden und das Kinder die besten Chancen haben, auf die Welt zu kommen“, so das Schreiben weiter. „Wir fordern den Erhalt der dezentralen Geburtshilfe und Mitspracherecht für Eltern in Sachen Geburtshilfe.“ Die Klärung der Frage, „welche Strukturen den Frauen und Familien im Landkreis die bestmögliche, also sicherste Versorgung für Geburten liefert, erscheint uns prioritär für die Entscheidung im Kreistag zur zukünftigen Gestaltung der Geburtshilfe, und was diese den Kreishaushalt kosten darf.

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