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Mit einer Lichterkette wurde Anfang Dezember gegen die drohende Schließung protestiert.

Tölzer Geburtshilfe: Offene Briefe

„Lebensgefahr für Mütter und Kinder steigt“

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Bad Tölz - Der Protest gegen die geplante Schließung der Geburtshilfe an der Asklepios-Klinik reißt nicht ab: Hebammen und Ärzte des Tölzer Krankenhauses haben jetzt offene Briefe an Landrat Josef Niedermaier und Landtagspräsidentin Barbara Stamm geschrieben. Sie prophezeien eine „erhöhte Säuglings- und Müttersterblichkeit“.

Susanne Reichhardt-Geisbauer weiß, dass es bei der Geburtshilfe auf Minuten ankommt. Seit acht Jahren ist sie Anästhesie-Assistenzärztin in der Tölzer Asklepios-Klinik. Die bevorstehende Schließung der Abteilung (wir berichteten) bezeichnet sie als „Desaster“: „Die Lebensgefahr für Mütter und Kinder wird drastisch steigen. Das muss man der Bevölkerung klarmachen“, sagt die 49-Jährige und verweist dabei „auf die Mama in der Jachenau“.

Reichhardt-Geisbauer war dieser Tage in der ganzen Klinik unterwegs, sammelte Unterschriften in allen Etagen. Am Donnerstag verließen dann zwei Briefe das Krankenhaus – einer war an Landrat Josef Niedermaier adressiert, der zweite an Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Unterschrieben haben sie 43 Ärzte und Hebammen, die alle in der Tölzer Klinik tätig sind.

Die beiden Briefe gleichen sich in weiten Teilen. In der ersten Hälfte geht Reichhardt-Geisbauer auf das neu in Kraft getretene Antikorruptionsgesetz ein, das „unseren Konzern zur Einstellung der Unterstützung unserer Belegärzte zwingt“. Das Gesetz „verbietet eine finanzielle Unterstützung bei der Aufwendung des immens hohen Haftpflichtversicherungsbeitrags in der Geburtshilfe, und damit sind dem Konzern die Hände gebunden, diese Abteilung weiter zu erhalten.“ Und das, nachdem es der Klinik endlich gelungen sei, durch zwei Belegärzte und zwei festangestellte Fachärzte in der Gynäkologie eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

In dem Brief an Landtagspräsidentin Stamm heißt es weiter: „Haben Sie nicht das Versprechen abgegeben, dass Sie die Infrastrukturen schaffen werden, die jeder werdenden Mutter ermöglichen sollte, innerhalb einer halben Stunde die nächstgelegene Klinik mit Geburtshilfeabteilung zu erreichen? Die jetzige gesetzliche Lage ist kein Schritt in diese Richtung, sondern weist in die genaue Gegenrichtung. Die Gewährleistung der Versorgung werdender Mütter und ihrer Kinder sollte auch im Interesse der bayerischen Regierung liegen.“

In Zukunft müsse man im Tölzer Land mit Komplikationen und Verzögerungen bei Notfallentbindungen rechnen. Auch die Kapazitäten der umliegenden Kliniken mit Geburtshilfeabteilungen seien längst überschritten. „Die bisher in Bad Tölz geleisteten 500 bis 600 Geburten können nicht aufgefangen werden“, warnt der Brief. „Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu erhöhter Säuglings- und Müttersterblichkeit kommen. Und das im Jahre 2017!“

Im Anschluss kritisieren die Hebammen und Ärzte noch einmal das „völlig unausgegorene“ Antikorruptionsgesetz. Auch das Schreiben an Landrat Niedermaier endet mit den Zeilen: „Sollte keine Rettung des Tölzer Standorts erfolgen, kann man den Betroffenen nur raten, sich gegen diese politische Fehlentscheidung mit aller Macht zu wehren und gegebenenfalls mit rechtlichen Schritten bei eingetretenem Schaden gegen die Verantwortlichen vorzugehen.“

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