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Antrag an den Landkreis

Tölzer Geburtshilfe: Stadtrat lässt nicht locker

Der Stadtrat hat in Sachen Geburtshilfe den Standort Bad Tölz noch nicht ganz abgeschrieben. Am Dienstag war das Thema in der Sitzung.

Bad Tölz – In der März-Sitzung des Kreistags wurde mit 53:2 Stimmen beschlossen, die Geburtshilfestation in der Kreisklinik Wolfratshausen auszubauen – vermutlich mit Unterstützung des Klinikums Starnberg. Gleichzeitig sollte zwar auch eine Lösung für den Standort Bad Tölz gesucht werden. Aber das Aus der Entbindungsstation an der Stadtklinik war erst einmal besiegelt.

Die zwei Tölzer Stadträte Ingo Mehner (CSU) und Franz Mayer (Grüne) wollen sich damit nicht abfinden, weil man, wie es der CSU-Ortschef in der jüngsten Stadtratssitzung sagte, „nicht ohne rot zu werden sagen kann, dass eine Geburtshilfe im Isarwinkel nicht nötig ist“. Das Stadtratsplenum verabschiedete in der jüngsten Sitzung nach längerer Debatte einstimmig eine Stellungnahme, wonach „der Landkreis die Ergebnisse der Verhandlungen zum Betrieb der Geburtshilfe in Bad Tölz und Wolfratshausen vorzulegen hat“ oder den aktuellen Stand offenlegen müsse.

Zudem seien Verhandlungen mit der Staatsregierung im Hinblick auf jüngst angekündigte Förderprogramme für Geburts- und Hebammenhilfe aufzunehmen. Die Hebammenhilfe sei im ganzen Landkreis sicherzustellen.

Vor allem aus den Reihen der FWG-Fraktion war zunächst nur wenig Bereitschaft zur Unterstützung des Antrags zu spüren. Peter von der Wippel und Andreas Wiedemann sprachen von einer „Luftnummer“, die an den Realitäten vorbeigehe. Es scheitere nicht so sehr am Geld, sondern an den fehlenden Gynäkologen. Der private Asklepios-Klinikkonzern sei nunmal ein rotes Tuch für die Kreisräte, die das Vorgehen bei der Schließung der Lenggrieser Fachklinik nicht vergessen hätten. Und es sei schlicht unrealistisch, Ergebnisse aus laufenden Verhandlungen mitzuteilen, sagte Michael Lindmair kopfschüttelnd. Martin Harrer räumte ein, dass seine Fraktion auch verärgert sei, dass man nicht im Vorfeld von Mehner und Mayer von der „gemeinsamen Stellungnahme des Stadtrats“ erfahren habe. Das hatte auch schon Camilla Plöckl von der SPD moniert.

Robert Paintinger (CSU) fand das „nicklig“, und SPD-Sprecher Willi Streicher sah es pragmatisch: „Das lässt sich leicht beheben.“ Mit einem gemeinsamen Beschluss nämlich. Auch er hatte im März den Mehrheitsbeschluss im Kreistag mitgetragen. Die Situation und Rahmenbedingungen seien nun aber andere. Darauf hatten schon Mehner und Franz Mayer hingewiesen. Grundsätzlich seien die Entfernungen für schwangere Frauen im Isarwinkel schwieriger zu meistern als für Wolfratshauser Frauen, die leicht nach Starnberg ausweichen könnten. Und nun eine Geburtshilfe in Wolfratshausen mit Millionenaufwand eigens aufzubauen und in Tölz eine bestehende Station in der Stadtklinik zu schließen, hielt Mayer für unverantwortlich. Gerade deshalb seien die Ergebnisse der Kooperationsverhandlungen mit Starnberg so wichtig.

Eine Neubewertung der Situation ergebe sich auch durch die neuen Förderprogramme der Staatsregierung. Mayer war überzeugt, dass man auch mit Asklepios noch reden könne. Willi Streicher vermisste in dem Zusammenhang bei dem Konzern „das Flackern in den Augen“, dass man so wie in Starnberg eine funktionierende, „brummende“ Geburtstation hinbringe. Mehner konterte den Einwand der fehlenden Gynäkologen trocken: Man könne wie beim Geld zuerst Wolfratshausen und dann erst Tölz bestücken – oder auch umgekehrt.

Am Tölzer Standort lag Mehner übrigens gar nicht so viel. Eine Geburtshilfe könne es seiner Meinung nach auch in Gaißach oder Lenggries geben. Hauptsache es gebe sie. Robert Paintinger bat seine Kollegen, für die Stellungnahme zu stimmen. „Die Isarwinkler Bürger wollen eine wohnortnahe Geburtshilfe. Denen sind wir im Stadtrat verpflichtet, und nicht dem Kreistag.“ Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU) regte noch an, auch die Isarwinkler Gemeinderäte ins Boot zu holen. „Eine konzertierte Aktion wäre besser.“ Christoph Schnitzer

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