Tölzer vor Gericht

„Das Leben einfach weggeballert“

Bad Tölz - Ein vielfach vorbestrafter Tölzer stand jetzt wegen der Verletzung der Bewährungsauflagen erneut vor Gericht

Der Angeklagte hatte das Schlimmste befürchtet. Deshalb war er sichtlich erleichtert, als der Staatsanwalt „nur“ eine Bewährungsstrafe beantragte. „Ich bin schon mal froh, dass es nicht wieder nach Bernau geht“, sagte der Mann. Die Justizvollzugsanstalt im Chiemgau kennt der vielfach vorbestrafte Tölzer gut. Nach seiner letzten Inhaftierung wegen Handel mit Betäubungsmitteln war der 45-Jährige unter „Führungsaufsicht“ gestellt worden und musste sich an diverse Weisungen halten. Weil er dagegen verstoßen hatte, saß er nun mit sichtbarem Unbehagen erneut vor dem Richter. Am Ende kam er mit einer Geldstrafe davon.

Um das Leben trotz offener Reststrafe in Freiheit genießen zu können, war dem Tölzer vom Landgericht Traunstein zur Auflage gemacht worden, einmal monatlich seinen Bewährungshelfer zu kontaktieren sowie auf Verlangen durch Urinproben nachzuweisen, dass er keine Drogen konsumiert. Beidem war der Angeklagte nur unregelmäßig oder gar nicht nachgekommen.

Inzwischen erhalte er wieder regelmäßig Besuch von dem 45-Jährigen, erklärte der Bewährungshelfer. „Auf Mahnung kommt er wieder.“ Nur bei der Alkohol- und Drogenabstinenz hapert es gewaltig. Seinem Helfer hatte der Angeklagte mitgeteilt, dass er weiter trinke. Das werde inzwischen auch toleriert. „Eine Alkoholenthaltung ist bei ihm nicht durchführbar“, sagte der Bewährungshelfer. Deshalb sei das Gericht seiner Anregung, diese Anordnung aufzuheben nachgekommen. Was jedoch weiterhin nicht toleriert werde, sei der Drogenkonsum.

Der Angeklagte gab ein trauriges Bild ab. „Er ist nicht davon zu überzeugen, dass es ein besseres Leben gibt als die Unterkunft und Hartz IV“, fasste seine Betreuerin zusammen. Der Mann sei latent von Alkohol ruhiggestellt, auch vor der Verhandlung hatte er sich auf diese Weise beruhigen müssen. „Das Leben einfach weggeballert“, entfuhr es Richter Helmut Berger. „Er hat keine Screenings abgegeben, weil er weiß, was dabei herauskommt.“

Während der Staatsanwalt acht Monate Haft, „letztmalig zur Bewährung“, sowie 400 Euro Geldbuße zugunsten eines Vereins für angemessen erachtete, verurteilte Berger den Angeklagten zu 1350 Euro Geldstrafe (90 Tagessätze à 15 Euro). Aufgrund der verstärkten Abhängigkeit wären bei einer Bewährungsstrafe die nächsten Auflagenverstöße nur eine Frage der Zeit.  rst

Rubriklistenbild: © picture-all iance/ dpa

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