Tölzer Gesundheitsamt

Grippe: „Impfung auch jetzt noch sinnvoll“

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Winter ist Grippezeit. Aktuell liegen die Erkrankungszahlen im Tölzer Land und in Bayern zwar unter den Werten aus dem Vorjahreszeitraum. Mit dem Höhepunkt der Grippewelle wird aber erst in den kommenden Wochen gerechnet.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie sieht es im Landkreis aus? Sollte man sich impfen lassen? Und: Wie schlimm ist es eigentlich, wenn man trotz erster Symptome noch in die Arbeit geht? Fragen, die Dr. Benedikt Greutélaers vom Tölzer Gesundheitsamt beantwortet hat.

Herr Greutélaers, in der neuen Grippesaison sind in Bayern bisher gut 100 Krankheitsfälle registriert worden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 217. Wie sieht es denn im Landkreis aus?

Benedikt Greutélaers: Im Landkreis wurden im Januar bis zum vergangenen Montag 15 laborbestätigte Influenza-Fälle erfasst. Zum Vergleich: 2017 gab es in den ersten beiden Kalenderwochen insgesamt 28 laborbestätigte Influenza-Fälle. Bei der Betrachtung der Zahlen muss man immer Hinterkopf behalten, dass für die Influenza nur eine Labormeldepflicht besteht. Es hängt also immer davon ab, ob der behandelnde Arzt überhaupt einen Labortest macht. Erfahrungsgemäß wird das eher nicht gemacht, da es zumindest im ambulanten Bereich keine therapeutische Konsequenz hat.

Auch wenn es weniger Grippefälle gibt, sind derzeit gefühlt schon recht viele Menschen krank und liegen mit Husten und Schnupfen im Bett. Woran erkennt man eigentlich eine „echte“ Grippe?

Benedikt Greutélaers: Eine echte Grippe ist gerade im Vergleich auch zu grippalen Infekten mit Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und leichtem Fieber eine plötzlich auftretende, systemische Infektion mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl.

Viele gehen selbst krank noch in die Arbeit, nehmen Schmerztabletten oder Mittelchen, die die Symptome unterdrücken. Geht das, oder sollte man das lieber lassen?

Benedikt Greutélaers: Das sollte man nicht tun. Einerseits, um sich selbst die nötige Zeit und Ruhe zum Kurieren zu geben, andererseits natürlich aber auch, um Menschen im Umfeld nicht anzustecken. Die Influenzaviren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Benedikt Greutélaers vom Gesundheitsamt Bad Tölz-Wolfratshausen

Raten Sie Menschen eigentlich dazu, sich gegen Grippe impfen zu lassen?

Benedikt Greutélaers: Ja, vor allem Risikogruppen. Das empfiehlt auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Zur Risikogruppe gehören vor allem alle älteren Menschen über 60 Jahre sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Die Influenza-Impfung wird auch für alle Schwangeren ab dem zweiten Abschnitt der Schwangerschaft, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem ersten Abschnitt, also bis zur 13. Woche, sowie für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen und in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr empfohlen. Nach der Impfung dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Aus diesem Grund wird eigentlich dazu geraten, sich bereits im Herbst impfen zu lassen, aber auch jetzt ist eine Impfung noch sinnvoll.

Reicht es eigentlich, wenn man sich einmal impfen lässt? Ist man dann für immer immun?

Benedikt Greutélaers: Die Impfung muss jährlich wiederholt werden, weil sich die Eigenschaften der Grippeviren jedes Jahr verändern.

Es gibt ja auch immer Menschen, die vor Impfungen warnen. Wie gefährlich ist es eigentlich, sich impfen zu lassen?

Benedikt Greutélaers: Der saisonale Influenza-Impfstoff ist in der Regel gut verträglich. In Folge der natürlichen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es bei der Impfung mit dem Totimpfstoff – wie bei anderen Impfungen auch – vorübergehend zu Lokalreaktionen wie leichten Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle kommen. Der Lebendimpfstoff aus abgeschwächten Influenza-Viren kann eine verstopfte oder laufende Nase auslösen. Unabhängig vom Impfstoff treten gelegentlich vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf, also Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen. In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab.

Vorbeugen ist besser als krank werden: Abgesehen von einer Impfung, was kann ich noch machen, um mich vor Ansteckung zu schützen?

Benedikt Greutélaers: Wenn man schon erkrankt ist: Beim Husten und Niesen sollten der Mund und die Nase vorzugsweise mit der Ellenbeuge und nicht mit der Hand bedeckt werden, um die Verbreitung der Erreger zu vermindern. Außerdem sollten Erkrankte regelmäßig ihre Hände waschen und Zimmer regelmäßig gelüftet werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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