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Getanzte Emotionen: Die Aufführenden des Tölzer Gymnasiums überzeugten das Publikum im dreimal voll besetzten Kurhaus.
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Dorftratsch und Verführung (v. li.): Lilly Braun, Mursal Mohammadi, Elena Diegmann, Jawed Mohammadi und Adelina Maier sorgten für herzliche Stimmung.
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Aufführung im Kurhaus

Tölzer Gymnasiasten lassen mit dem „Hexenmeister“ die Gerüchteküche brodeln

Ein begeistertes Publikum im dreimal ausverkauften Kurhaus belohnte die Arbeit von unzähligen Proben der weit über 100 Mitwirkenden: Die Aufführung des „Hexenmeisters“ nach Matthias Weißert war einmal mehr ein großartiger Erfolg von Schülern und Lehrern des Tölzer Gymnasiums.

Bad Tölz– Im Stück sorgt Goethes „Faust“ in einer Stadt für unheimliche Verwirrung. Bewohner belauschen Proben einer Schauspieltruppe und glauben, in ihrer Stadt treibe ein Hexenmeister sein Wesen. Die Gerüchte bringen die Schauspieler und einen aus der Fremde Heimgekehrten schließlich sogar vor Gericht. Die Geschichte kehrt alles Menschliche hervor: Anstatt Vernunft anzunehmen, schicken einzelne Städter dem „Hexenmeister“ Geld, damit er ihre persönliche Nöte wegzaubert. Und die Leute hören liebend gern Gerüchte aus fünfter Hand statt selbst Fragen zu stellen.

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Regisseurin Stefanie Regus führte ihre Schauspieler bis an die Grenzen. In einer beeindruckenden Gerichtszene wurde sogar aus „Faust“ rezitiert. Sprach- und ausdruckstechnisch überzeugten sie durch die Bank. Anton Weinmann als obskurer Rektor zeigte zudem als Bänkelsänger ohne jegliche Begleitung sein beachtliches Gesangstalent. Marc Schröder als Schauspieldirektor „Leander“ verkörperte großartig den gewitzten Hallodri und unschuldig Angeklagten. „Richter“ Benedikt Wittmann löste alle Wirren am Ende mit sonorer, klarer Sprache und Standfestigkeit.

Zu gewaltigen Klängen, mal von Band, mal mit Livemusik, zeigten die großen Tänzer die inneren Kämpfe und Entwicklungen der Rollen. Bewundernswert, dass die Aufführenden (Choreografie und Tanz: Susanne Molendo, ebenso Gesamtleitung mit Eva Emmler und Stefanie Regus) mit ihren raumgreifenden Bewegungen mit der recht begrenzten Kurhausbühne auskamen. Sie stellten gekonnt Angst, Ausgrenzung und Ausgeliefertsein dar. Besonders beeindruckend die letzte Szene vor Gericht: Die Angeklagten „Leander“ und „Jean“ wurden im Kreis herumgeschubst. Die Stadtwache pochte mit ihren Stöcken rhythmisch aufs Parkett, die „Zuhörer“ auf dem Malergerüst im Hintergrund klopften mit metallenen Gegenständen auf die Stangen. Es entstand eine wahrlich bedrohliche Atmosphäre, verstärkt durch die professionelle Lichttechnik. Die Livemusik des sechsköpfigen Orchesters unter Leitung von Harald Roßberger begleitete einfühlsam und mit Bravour das Geschehen auf der Bühne.

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Das komödiantische Gegengewicht zum eher bedrückenden Stoff war zum einen die Stadtwache, die Bairisch sprach und Lokalkolorit einbrachte. Kommandiert wurde die Truppe vom bewährt komödiantischen Anführer David Schumann. Zum anderen bezirzte Jawed Mohammadi hinreißend als Frauenschwarm „Jean de France“ die Dorftratscherinnen. Diese Vier (Elena Diegmann, Lilly Braun, Mursal Mohammadi und Adelina Maier) waren mit ihrer Überzeugungskraft verantwortlich, dass alle an den Hexenmeister glaubten.

Die jungen „Schüler“ schauspielerten und tanzten zum ersten Mal bei so einem großen Projekt. Sie hatten die Anweisungen von Ursula Baumgartner, Christina Strobel (Unterstufentheater) sowie Svea Thomson (Stimmcoaching) verinnerlicht. Ihr Feuereifer – streitend, erpressend und als wichtiger Sprechchor vom Balkon herab – übertrug sich sofort aufs Publikum.

Großen Anklang fand auch das Schattentheater der Akrobatikgruppe (Doro Schmidt, Musik: Xaver Bongé). Hinter einer großen Leinwand erschufen sie wahre Muster aus ihren Hebefiguren und brachten die Stadtbewohner zum Kreischen, als der Teufelschatten auftauchte.

Nach dreieinhalb, auch das Publikum erschöpfenden Stunden im schwülen Kurhaus gab es den verdienten donnernden Applaus.

Birgit Botzenhart

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