Videosprechstunden scheiterten in manchen Praxen daran, dass es im Handel keine Webcams mehr gab. 
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Videosprechstunden scheiterten in manchen Praxen daran, dass es im Handel keine Webcams mehr gab (Symbolbild). 

Corona 

Hausarzt sagt: „Praxis einer der sichersten Orte“ 

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Eine Rückkehr zum Alltag, wie er vorher einmal war, gibt es noch nicht. „Aber die Angst steht nicht mehr so im Vordergrund“, sagt Dr. Matthias Bohnenberger.

Bad Tölz –  Viele der neuen Abläufe hätten sich mittlerweile eingespielt. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier gibt der Tölzer Mediziner und Vorsitzende des Vereins „Tölzer Hausärzte“ einige Einblicke in den Alltag von Arztpraxen, die seit Ausbruch der Corona-Krise bewegte Zeiten erlebten.

Die turbulenteste Zeit sei der Anfang der Krise Mitte März gewesen, berichtet Bohnenberger. „Bis zu 170 Telefonate am Tag“ habe er da geführt. Viele verunsicherte Menschen, die befürchteten, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, suchten Rat beim Hausarzt. Wo ein begründeter Verdacht auf Covid-19 bestand, habe das Praxisteam Testungen in der Drive-in-Station auf der Flinthöhe oder durch den Hausbesuchsdienst, an dem er selbst auch beteiligt war, in die Wege geleitet.

Zum Höhepunkt 170 Telefonate am Tag

Es habe aber auch Situationen gegeben, in denen Patienten mit Corona-Symptomen den Weg in die Praxis fanden – obwohl das durch vorherige Anfrage vermieden werden sollte. „Sie wurden dann auf den Balkon gelotst und haben sich dort selbst einen Abstrich genommen“, so Bohnenberger. Tatsächlich habe er einige an Covid-19 erkrankte Personen behandelt, sagt der Mediziner. Es habe sich in der Regel um Ischgl-Rückkehrer gehandelt.

Gleichzeitig habe das Praxisteam versucht, sich auszurüsten. Masken, Schilder, Schutzkittel seien anfangs aber sehr schwer erhältlich gewesen. „Beim Schreiner konnten wir gerade noch als letzte einen Spuckschutz aus einer Plexiglasscheibe in Auftrag geben.“ Das Vorhaben, eine Videosprechstunde anzubieten, sei allerdings daran gescheitert, dass im Handel nirgends mehr Webcams mehr zu ergattern waren.

Viele Patienten waren Ischgl-Rückkehrer 

Mittlerweile sei ein Stück Normalität in den Praxisalltag eingekehrt, berichtet Bohnenberger – freilich unter ganz anderen Vorzeichen als vor Corona. Die Hygienregeln machen viele Abläufe etwas umständlicher und langwieriger. Im Wartezimmer stehen wegen der Abstandsregeln nur noch zwei Stühle. „Die anderen Patienten müssen im Gang oder im Treppenhaus Platz nehmen“, so der Arzt. Viele Beratungen laufen laut Bohnenberger nach wie vor am Telefon ab. Viele Patienten müsse man immer noch überzeugen, zu notwendigen Untersuchungen in die Praxis zu kommen.

Hygieneregeln machen manche Abläufe umständlicher 

„Die Praxis ist einer der sichersten Orte überhaupt“, versichert der Mediziner. Denn hier würden strenge Hygieneregeln umgesetzt. Patienten, die über Atemwegsprobleme klagen, würden konsequent von den anderen separiert. Ihre Termine würden ans Ende der Sprechzeit verlegt, um Kontakt mit anderen Besuchern der Praxis zu vermeiden. „Es ist bestimmt nicht so, dass im Wartezimmer jemand herumhustet.“    

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