Baumstämme und Fabrik im Hintergrund
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Nach sieben Jahren ist Schluss: Ende November schließt der Tischlerplattenhersteller SWL sein Unternehmen auf dem Moraltgelände. Foto: Arndt Pröhl

Hartes Ringen um Sozialausgleich

Tölzer Holzunternehmen SWL schließt: 31 Jobs weg

120 Jahre hat die Holzindustrie Bad Tölz geprägt. In der Blütezeit in den 1960er-Jahren waren 1200 Mitarbeiter bei der Firma Moralt beschäftigt. Ende November wird nun das letzte Kapitel der Tölzer Holzverarbeitung geschrieben. Der Tischlerplattenhersteller SWL schließt nach sieben Jahren seine Pforten. 31 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

  • Tischlerplattenhersteller SWL schließt Standort in Bad Tölz
  • 31 Mitarbeiter verlieren ihren Job, harte Verhandlungen um Sozialausgleich
  • 120 Jahren Holzindustrie in Tölz enden

Bad Tölz – Dass es SWL (Schonlau Werke Langenberg) nicht gut geht, war seit Längerem gerüchteweise zu vernehmen. Schon im Oktober 2019, „also lange vor Corona“, habe die erste Kurzarbeitsphase in dem Tölzer Werk begonnen, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Uwe Streicher. Er hat unter anderem mit dem Fachanwalt Dr. Walter Klar und Helmut Dinter von der Gewerkschaft IG Metall die Verhandlungen mit der SWL-Geschäftsleitung und ihren Vertretern geführt.

Corona, sagt Dinter, habe zweifelsohne einige Aufträge wegbrechen lassen, doch sei das nicht für die Standortaufgabe entscheidend gewesen, wie die Geschäftsleitung behauptet habe. „Das war eine willkommene Ausrede, um von den eigentlichen Ursachen abzulenken.“ Der Betrieb hätte längst auf Vordermann gebracht und viel mehr investiert werden müssen. „Das ist nie passiert.“

Den Vorwurf will Bernd Schonlau von der SWL-Geschäftsleitung nicht auf sich sitzen lassen und erinnert etwa an die große Schälmaschine, die 2016 installiert wurde.

Corona verschärfte die Probleme

Was also war also aus SWL-Sicht die Ursache für die Schließung? Es gebe mehrere Gründe, sagt Schonlau. Zum einen sei der Markt für Stäbchenmittellagen kleiner geworden. Dann sei die Corona-Krise dazu gekommen und habe die Situation verschärft. Der Markt für Messe, Bühne und Theaterbau liege völlig brach. Als dann noch Brandschutzprobleme auf dem nördlichen Moraltgelände auftauchten und der Grundeigentümer nicht habe investieren wollen, sei das Ende des Tölzer Standorts besiegelt gewesen. Das Unternehmen hat laut Schonlau nun noch drei deutsche Standorte.

Erstes Angebot: „nullkommanull Geld“

Das Abwickeln eines defizitären Unternehmensteils sei übrigens erstmals in der Firmengeschichte geschehen. Das sei natürlich schwierig gewesen, sagt Schonlau. „Das ist nie schön.“ Nicht schön fand es auch Uwe Streicher. Er erinnert sich, dass bei dem Treffen mit der endgültigen Bekanntgabe der Schließung die SWL-Vertreter kurz und knapp erklärt hätten, dass „nullkommanull Geld“ für einen Sozialplan da sei. „Da haben wir uns sofort einen Fachanwalt genommen.“ Diese Nullkommanull-Angebot will Schonlau „definitiv nicht“ bestätigen, was bei Streicher für Kopfschütteln sorgt. „Das wurde am 27. August in Gegenwart von neun Personen vom Unternehmensberater Trimpop gesagt.“ Dinter bestätigt Streichers Angaben.

Zusammen mit Anwalt und IG-Metall-Vertreter sei dann in einigen Verhandlungsrunden doch ein ganz anderes Ergebnis für die 31 Mitarbeiter erzielt worden. Die Löhne werden je nach Kündigungsfrist der einzelnen Mitarbeiter (meist sechs oder sieben Monate) weiterbezahlt. Beim Sozialausgleich „haben wir uns dann mit Bauchweh auf eine Summe von 550 000 Euro breitschlagen lassen“, sagt Streicher. „Das macht’s nicht richtig fett. Wir haben Mitarbeiter, die lange dabei sind, keinen Schulabschluss haben, Deutsch nicht als Muttersprache sprechen und Kinder und eine Familie zu ernähren haben. Die haben auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr. Durch Corona wird die Situation noch dramatischer.“

Auch Helmut Dinter findet den Abschluss „nicht wirklich gut“. In vergleichbaren Fällen seien Abfindungssummen von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro bezahlt worden. Doch habe die Gegenseite offen mit Insolvenz gedroht. Dann wären die Abfindungssummen bei zweieinhalb Monatsgehältern gelegen „und die Leute hätten unter Umständen lange warten müssen. Deshalb haben wir letztlich auch das schlechtere Ergebnis akzeptiert.“ Von Christoph Schnitzer

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