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Tölzer Inklusions-Projekt

Spuren und Sprüche trotzen dem Regen

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„Rainworks“ ist eine Form von Straßenkunst aus den USA, die nur bei Nässe sichtbar wird. Dank eines Seminars des Gymnasiums tauchen nun rund um die Tölzer Isarbrücke Fußspuren und Weisheiten von Karl Valentin und Bob Marley auf – aber eben nur, wenn es regnet.

Bad Tölz – Sie schütten sich den Rotwein flaschenweise auf ihre weißen Hemden, oder Schokoladensauce über die weißen Sportschuhe. Das Verwunderliche: Nichts passiert, Kleidung und Schuhe bleiben schneeweiß. Sie schreiben aber auch erheiternde Sprüche an den Busbahnhof – wie zum Beispiel „Wer braucht die Sonne, wenn wir dein Lächeln haben?“ Der Witz dabei ist: Die Schriftzüge sind nur bei Nässe zu lesen, sie erscheinen dann dort, wo vorher einfach nur grauer Asphalt war. Scheinbar aus dem Nichts.

Die „Rainworks“-Künstler aus Seattle im Nordwesten der USA haben Lehrer und Schüler am Tölzer Gymnasium inspiriert. Sie nutzen nun auch wasserabweisendes Mittel, um Sprüche auf dem Asphalt erscheinen zu lassen. Und so stehen zwölf Jugendliche und zwei Lehrerinnen an einem Dienstagnachmittag an der Isarbrücke. Sie legen Pappkartons auf den Boden, aus denen sie Fußabdrücke ausgeschnitten haben. Dann kommt das Imprägnierspray aus dem Baumarkt zum Einsatz. Die Schüler sprühen die Fußspuren kräftig ein – kein Wasser kann sie nun erwischen. „Aber sie halten wohl nur ein paar Wochen“, erklärt Sabina Reiter (17). Streusalz und Fußgänger machen den „Rainworks“ zu schaffen. Das sieht man den Sprüchen an, die die Gruppe schon vor längerem angebracht hat. Auf dem Gehweg Richtung Isarkai steht Karl Valentins Weisheit „I gfrei mi wenn’s rengt, weil wenn i mi ned gfrei rengt’s aa.“ Und nahe der Kaminstube auf der anderen Isarseite ist eine Bob-Marley-Aussage zu erkennen: „Some people feel the rain, others just get wet.“

Die Sprüche kann man nur lesen, wenn die Straße nass ist.

Man habe einfach im Internet nach Regensprüchen gesucht, sagt Zwölftklässlerin Sabina Reiter. Die Idee kommt aber von Lehrerseite. Elisabeth Willis und Schulpsychologin Anna Grasso leiten das Projekt-Seminar „Begegnung mit Menschen mit Behinderung“ in Kooperation mit der „Lebenshilfe“. Jeden zweiten Freitag treffen sich die Schüler mit Jugendlichen der Lebenshilfe für gemeinsame Aktionen. Kastanienmännchen basteln, Waffeln backen oder Fußballspielen: gelebte Inklusion also. „Am Anfang ist es schwierig, aber irgendwann ist es ganz normal, und man hat Spaß zusammen“, sagt Gymnasiast Simon Kirchberger. Und sein Klassenkamerad Laurin Weiler ergänzt: „Die wollen ja auch ein ganz normales Leben führen.“

Zur Spray-Aktion mit nicht behinderten und behinderten Jugendlichen ist auch Bürgermeister Josef Janker gekommen. Die Stadt habe die Straßenkunst gerne genehmigt, sagt er. „Das ist nicht störend. Im Gegenteil: Das ist absolut pfiffig.“

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