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Zusammenhalt: Die Ausnahmesituation Corona-Krise hat in vielen Fällen Kinder und Eltern näher gebracht. Die befürchtete Zunahme häuslicher Gewalt blieb aus - zumindest soweit es das Jugendamt weiß. 
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Zusammenhalt: Die Ausnahmesituation Corona-Krise hat in vielen Fällen Kinder und Eltern näher gebracht. Die befürchtete Zunahme häuslicher Gewalt blieb aus - zumindest soweit es das Jugendamt weiß. 

Auswirkungen der Pandemie 

Corona - ein Härtest für Familien und das Tölzer Jugendamt

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Corona war und ist ein Härtetest für Familien – und damit gleichzeitig für das Jugendamt. Wie hält man Kontakt zu Familien, wie schaut man auf das Wohl der Kinder, wenn man gleichzeitig Abstand halten muss? Das Tölzer Jugendamt gewährte der Heimatzeitung Einblicke.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schulen und Kindergärten geschlossen, kein Besuch bei Oma und Opa, man hockt zu Hause aufeinander: Die Corona-Krise war und ist eine Herausforderung für Familien – und gleichzeitig auch für das Jugendamt. Denn die Aufgabe, Familien beratend zur Seite zu stehen und Gefährdungen für Kinder und Jugendliche abzuwenden, fand mit einem Mal ebenfalls unter vollständig veränderten Voraussetzungen statt.

Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier ziehen Jugendamtsleiter Ulrich Reiner, stellvertretender Sachgebietsleiter Helmut Patzak und Abteilungsleiterin Theresa Kaufmann eine Bilanz der bewegten Wochen. Ihr erster Eindruck: Viele Familien sind bislang überraschend gut durch die Corona-Zeit gekommen. Viele Folgen wird man aber auch erst auf längere Sicht erkennen können.

Groß waren anfangs die Befürchtungen, was die Ausgangsbeschränkungen in den Familien anrichten könnte: Es wurde sogar ein rapider Anstieg häuslicher Gewalt prognostiziert. Das hat sich Ulrich Rainer zufolge – soweit bekannt – nicht bewahrheitet: „Von Seiten der Polizei sind relativ wenige solcher Fälle aufgenommen worden“, erklärt er.

„Druck in Familien teils kleiner als in normal Betrieb“ 

Das Jugendamt habe in der Corona-Zeit „proaktiv Familien, die wir von früheren Hilfen kannten, abtelefoniert“, berichtet Patzak. „Wir haben nachgefragt: Wie schaut es bei Euch aus?“ Rückmeldungen kamen über Probleme, wie sie wohl fast alle Familien erlebt haben: persönliche Ängste, kein Kontakt zu den Großeltern, schwere Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. „Von finanziellen Schwierigkeiten haben wir bislang nichts wahrgenommen“, so Patzak.

Aus Gesprächen mit Schulen und Kitas hat Ulrich Reiner zudem den Eindruck mitgenommen, dass in etlichen Familien die Zwangs-Entschleunigung auch positive Aspekte hatte. „Der Druck in den Familien war teils kleiner als im Normalbetrieb“, sagt er. Ein Teil des Alltagsstresses fiel weg, „man konnte ohne weiteres bis 11 Uhr ausschlafen“. Schulleiter hätten beobachtet, wie Jugendliche die Hausaufgaben per E-Mail anfangs um 10 Uhr, dann um 14 Uhr schickten, schließlich spätnachts.

Manche Väter, die nicht zur Arbeit mussten, hätten zu Hause „mehr Verantwortung übernommen, konnten zum Beispiel mehr mit den Kindern spielen“. Andererseits sei aber auch ein Rückfall in alte Rollenmuster zu befürchten, meint Patzak: Frauen hätten während des Lockdowns oft mehr der zusätzlichen Arbeit in den Familien übernommen.

Ernste Bilanz einer ungewöhnlichen Zeit: Theresa Kaufmann, Helmut Patzak und Ulrich Reiner (ab 2. v.li.) berichten im Gespräch mit Kurier-Redakteur Andreas Steppan über die Arbeit des Jugendamts in der Corona-Krise. 

Dass Homeschooling, Aufeinanderhocken und mittlerweile auch die Rückkehr in den Job zunehmend stressiger wird, sei erst seit „Phase 2“ – etwa ab den Osterferien – und auch jetzt spürbar, meinen die Jugendamts-Verantwortlichen. „Die Fragezeichen werden größer: Wie schaffe ich das?“, so Rainer.

„Wir haben eine Überforderung befürchtet, wollten vorbeugen, bevor es explodiert.“ Ein Mittel dazu war, dass das Jugendamt 72 Kinder im Landkreis der Notbetreuung in Schulen und Kindergärten zuwies.

Doch inwieweit konnte das Jugendamt überhaupt Einblick in die Familien bekommen? Denn Hausbesuche und persönliche Treffen im Rahmen der sozialpädagogischen Familienhilfe, von Erziehungsbeistandschaften oder mit dem Sozialen Dienst des Jugendamts fielen wegen des Ansteckungsrisikos weitestgehend aus. „Gefährdungsfälle mussten trotzdem persönlich begleitet werden“, sagt Patzak. Unangemeldete Hausbesuche durch das Jugendamt gab es aber in der Corona-Hochzeit nicht – zumindest klärten die Mitarbeiter vorab telefonisch ab, ob es in der Familie einen Infektionsfall gab. „Und in Asylunterkünften hatten die Mitarbeiter der Träger der Familienhilfe ein Betretungsverbot“, so Patzak.

Anfangs habe man sich noch die Frage gestellt, ob die Mitarbeiter in Schutzanzügen in die Familien gehen müssten. „Aber das hätte natürlich keine gute Außenwirkung gehabt“, meint Reiner. Bei der Ausstattung mit Masken sei das Jugendamt anfangs eher vergessen worden. „Das war etwas schwierig“, meint Kaufmann. Stark verstärkt wurden unterdessen die Kontakte über Telefon und vor allem über Videoanrufe. „Das lief wesentlich besser, als wir es uns vor der Krise vorgestellt hatten“, sagt Reiner. „Die Familien waren teilweise offener als im Normalbetrieb, hatten in ihrem vertrauten Umfeld sozusagen ,Heimvorteil‘ und haben sich getraut, mehr und andere Themen anzusprechen als im steifen Rahmen im Jugendamt.“ Für Kinder und Jugendliche sei die Videotelefonie ohnehin eine vertraute Kommunikationsform.

Bei Videotelefonie hatten Familien ein „Heimspiel“ 

Was allerdings wegfiel, war das übliche „Frühwarnsystem“ für mögliche Vernachlässigung oder Gefährdung des Kindes. „In Krippen, Kindergärten und Schulen wird als erstes gesehen, ob das Kind regelmäßig keine Brotzeit dabei hat, ungepflegte Wäsche hat oder ein auffälliges Sozialverhalten zeigt“, so Reiner. In dieser Hinsicht habe das Telefon im Jugendamt seltener geklingelt. Patzak betont aber, dass „nicht alle Netzwerke weggebrochen sind“. Polizei, Angehörige, Nachbarn und Ärzte hätten weiterhin viele Kinder im Auge gehabt, um im Notfall Alarm zu geben.

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Unterm Strich stehe im Zeitraum von 15. März bis 10. Juni im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme der Meldungen zu Kindeswohlgefährdungen um 31 Prozent: von 78 auf 54 Fälle. Wie diese Zahl zu interpretieren ist, sei momentan aber unklar. „Diese Zahlen schwanken immer sehr stark“, stellt Theresa Kaufmann klar. Es könnte sein, dass es den Kindern in der Coronazeit in ihren Familien relativ gut ging – aber auch, „dass mit Spätfolgen zu rechnen ist“, meint Reiner.

Ebenso schwer zu klären: War es reiner Zufall, dass in „Phase 1“ des Lockdowns (bis zu den Osterferien) keine einzige Inobhutnahme im Landkreis anfiel? Seitdem gab es bis 10. Juni laut Patzak vier Inobhutnahmen – im Vorjahreszeitraum waren es fünf. 2019 waren es Reiner zufolge insgesamt 21. Die Zahlen bewegen sich seit den Osterferien also wieder auf dem normalen Niveau.

Sehr harte Situation für Kinder, die in Heimen leben 

Vorbereitet hatte sich das Jugendamt laut Kaufmann auch darauf, infizierte Kinder in Obhut zu nehmen – sei es wegen Kindeswohlgefährdung oder weil sich die Eltern im Fall einer eigenen Covid-19-Erkrankung nicht um sie kümmern könnten. Für diesen Fall hatte eine Klinik eine Corona-Station eingerichtet. Sie musste aber bisher nicht in Anspruch genommen werden. Auch eine Stelle, an der man im Notfall aggressive und gleichzeitig infizierte Väter hätte unterbringen können, war organisiert.

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Eine schwierige Zeit war die erste Corona-Phase für die 70 vom Tölzer Jugendamt betreuten Kinder, die in Heimen wohnen. Aufgrund von Auflagen der Regierung von Oberbayern zum Schutz vor Ansteckung durften sie sechs Wochen nicht wie sonst üblich am Wochenende nach Hause fahren. „Für manche Kinder und Eltern war das sehr hart“, berichtet Reiner.

Klärungsbedarf habe es anfangs außerdem bei Scheidungskindern gegeben. Einzelne Eltern hätten die Situation ausgenutzt, um dem Umgang des Kindes mit den Ex-Partner einzuschränken. Schnell habe dann die Politik aber geklärt, dass beide Elternteile weiter ein Recht aufden Umgang mit den Kindern behielten. „Die Familienrechte überwiegen hier“, sagt Kaufmann. Ohnehin aber hätten es die meisten Familien „relativ vernünftig“ geregelt.

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