Am Sonntag fand die letzte Veranstaltung im Rosengarten statt. Am Montag bauten Wolfgang Ramadan (re.) und sein Team ab. 
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Am Sonntag fand die letzte Veranstaltung im Rosengarten statt. Am Montag bauten Wolfgang Ramadan (re.) und sein Team ab. 

Veranstalter Wolfgang Ramadan zieht Bilanz

Tölzer „Kanapee-Festival“: Voller Erfolg nach stürmischem Auftakt

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Der Anfang war stürmisch, danach lief es aber ziemlich rund: Nach 22 Veranstaltungen beim „Kanapee-Festival“ im Tölzer Rosengarten zieht Wolfgang Ramadan zufrieden Bilanz.

Bad Tölz – Konfuzius hatte nicht Recht. Da ist sich Wolfgang Ramadan, Veranstalter des „Kanapee-Open-Airs“ sicher. „Zu einem guten Ende gehört auch ein guter Beginn“, soll der chinesische Philosoph gesagt haben. Das Ende des Festivals im Tölzer Rosengarten am vergangenen Wochenende war richtig gelungen, der Auftakt am 30. Juli dagegen verheerend. Der Abend mit Helmut Schleich war ausverkauft.

Am ersten Abend musste das Publikum evakuiert werden

„Alle saßen schon“, erinnert sich Ramadan. Gerade als er mit der Begrüßung begonnen hatte, trat sein Spielleiter Manfred Abholzer auf die Bühne und sagte das entscheidende Wort: „Evakuierung“. Die hatte das Team am Nachmittag noch geübt – und das zahlte sich nun aus. „Peter Frech hat wirklich eine Super-Sicherheitsfirma“, sagt Ramadan. Innerhalb von Minuten waren die Zuschauer draußen, und das Zelt gesichert, bevor Orkanböen über den Platz fegten. „Ich hab’ zu den Leuten nur noch gesagt, bleibt nicht stehen, steigt in Euer Auto, wer kein Auto hat, steigt bitte bei jemand anderem ein“, sagt Ramadan.

Von 25 Veranstaltungen fanden 22 statt

Insgesamt mussten drei der 25 Veranstaltungen abgesagt werden. Die beiden anderen wegen einer Erkrankung der Künstler. Mit den übrigen Kabarett- und Musikabenden war Ramadan aber ziemlich zufrieden. Zehn Veranstaltungen unterm Zeltdach waren ausverkauft. Insgesamt habe es eine Auslastung von 75 Prozent gegeben, sagt der Ickinger. Dafür sorgten unter anderem seine treuen Abo-Kunden. In zehn Gemeinden bietet Ramadan jedes Jahr ein Kultur-Abo an – wenn gerade keine Pandemie das Land lahm legt. Wer für die Saison 2020 ein Abo gekauft und nicht zurückgegeben hatte, konnte nun Veranstaltungen im Rosengarten besuchen. „Wir haben vier verschiedene Abo-Pakete angeboten“, sagt Ramadan. „Wir hatten aber sieben Abonnenten, die tatsächlich für alle Veranstaltungen Karten gebucht haben“, freut sich Ramadan über diese zusätzliche Unterstützung. Generell ist er jedem dankbar, der im vergangenen Jahr sein Abo behielt – darauf bauend, dass Ramadan sein Versprechen einlöst, so bald es geht, Veranstaltungen anzubieten. „Wir haben jetzt viele Schulden bei unseren Abonnenten abgearbeitet“, so der Ickinger lächelnd.

An einem Abend waren es nur acht Grad

Dabei zeigte sich das Publikum durchaus hart gesotten. „An einem Abend hatten wir nur acht Grad“, sagt Ramadan. Decken wurden verteilt, die danach aus Desinfektionszwecken zweimal gewaschen werden mussten. „Wir haben aber insgesamt so tolle Kommentare von unserem Publikum bekommen“, sagt Ramadan.

Im Moment sieht es danach aus, dass der Kulturveranstalter das Festival ohne Verlust abschließt – allerdings auch ohne Verdienst. 75 000 Euro an Zuschüssen gab es vom Bund für das Festival. „Das wurde 1:1 an die Beteiligten ausgegeben“, sagt Ramadan. Blieb an einer Stelle etwas übrig – Helmut Schleich verzichtete beispielsweise wegen des Ausfalls auf einen Großteil seiner Gage – stopfte Ramadan schnell ein anderes Loch. „Wiener Würschtl für die Mitarbeiter“, sagt er lächelnd. Deren Versorgung sei von der fürs Künstler-Catering zuständigen Firma nämlich irgendwie nicht eingeplant gewesen. Ramadan selbst darf sich kein Gehalt aus dem Bundeszuschuss bezahlen. „Das wäre Subventionsbetrug.“ Glücklicherweise gebe es noch das staatliche Förderprogramm für „dezentrale Veranstalter im ländlichen Raum“. „Aus diesem bekomme ich einen fiktiven Lohn von 1180 Euro im Monat“, sagt Ramadan.

Stadt übernahm zwei Ausfallbürgschaften

Ein bisschen Sicherheit gaben ihm die beiden Ausfallbürgschaften, die die Stadt übernahm – eine für den Fall, dass das Festival ganz hätte abgesagt werden müssen. „Als am Anfang die Inzidenz so gestiegen ist, habe ich schon Blut und Wasser geschwitzt“, räumt der Ickinger ein.

Was ihm am besten gefallen hat, kann er gar nicht sagen. „Die Stimmung bei Werner Schmidbauer war toll. Da sind alle ganz beseelt nach Hause gegangen.“ Bei „Lenze & de Buam“ seien die Leute dagegen „total ausgeflippt. Und auch die Künstler waren so happy. Das war erst deren dritter Auftritt in dem Jahr“, sagt Ramadan.

Gibt es 2022 eine Neuauflage? Ramadan will noch nichts versprechen

Ob es eine Neuauflage 2022 gibt? Ramadan sagt nicht eindeutig Ja. Er wirkt dabei aber so, als würde er im Geist schon das Programm zusammenstellen. Ein bisschen träumt er auch davon, dass das Publikum des „Kanapee-Open-Airs“ irgendwann wirklich auf Kanapees sitzt. „Ich hatte mir das so schön ausgemalt und auch schon mit Möbelhäusern gesprochen. Ich dachte, wir stellen deren ausrangierte Sofas auf.“ Das Problem: Die sind nicht desinfizierbar – und noch dazu leicht entflammbar. Die Idee wurde begraben. Die „Love-Seats“ aus Plastik, die Ramadan dann bestellte, blieben hinter dem havarierten Schiff im Suezkanal stecken. Am Ende saß das Publikum auf deutschen Stühlen – stapelbar, schwer entflammbar und in Zweigruppen zusammenhängbar. „Insgesamt habe ich in den letzten Wochen Gelassenheit gelernt“, sagt Ramadan, blinzelt in die Sonne und lächelt.

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