Dr. Kirstin Tengg, Kinderärztin aus Bad Tölz
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Dr. Kirstin Tengg, Kinderärztin aus Bad Tölz

Interview

Tölzer Kinderärztin zu Corona-Tests an Schulen

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Die Tölzer Kinderärztin Dr. Kirstin Tengg positioniert sich zu den umstrittenen Pflicht-Testungen an Bayerns Schulen. Dabei spricht sie ein klares „Ja“ für die Selbsttest aus - aber unter anderen Bedingungen.

Die seit diesem Montag geltende Testpflicht an allen Schulen in Bayern sorgt zum Teil für große Diskussionen. Auch im Landkreis gab es schon Demonstrationen von Eltern gegen diesen Beschluss. Andere wiederum freuen sich über die Möglichkeit, durch Selbsttests ein Stück Sicherheit in die Klassenzimmer zu bringen. Die Kinderärztin Dr. Kirstin Tengg aus Bad Tölz erklärt im Gespräch mit dem Kurier, wie sie zu den Pflicht-Testungen steht und wo es in der Strategie noch Verbesserungsbedarf gibt.

Frau Dr. Tengg, was halten Sie von der neuen Corona-Testpflicht in den Schulen zur Pandemiebekämpfung?

Allgemein halte ich viel von Testungen. Es macht sicherlich Sinn, so einen Schulbetrieb mit Präsenzunterricht zu ermöglichen. Aber es soll nicht einfach nur um des Testen Willens getestet werden. Es braucht ein klares Ziel. Wenn die Selbsttests in Schulen stattfinden, dann finde ich, dass das Ziel davon sein sollte, Präsenzunterricht – unabhängig von der Inzidenz – zu ermöglichen. Zusätzlich ist es wichtig, dass die Selbsttests gut angeleitet werden, den Kinder nur ein Erklärvideo zu zeigen, das reicht nicht.

Tölzer Kinderärztin: „Eltern und Schule müssen Kinder adäquat vorbereiten“

Einige Eltern befürchten, dass die gemeinsamen Testungen im Klassenverband Kinder psychologisch belasten könnten. Wie schätzen Sie diese Ängste ein?

Hier ist es wichtig, dass Schule und Eltern in einem Zusammenspiel die Kinder adäquat auf diese Situation vorbereiten. Die Kinder müssen gut aufgeklärt werden, wieso die Tests notwendig sind und vor allem auch, was der Sinn dahinter ist. Es ist wichtig, den Kindern die Angst zu nehmen, dass es gefährlich sei, selbst einen Corona-Test im vorderen Nasenraum durchzuführen.

Tölzer Kinderärztin zu Corona-Tests an Schulen: „Mir fehlt eine konkrete Zielsetzung“

Wo sehen Sie bei dem aktuellen Test-Konzept an den Schulen noch Verbesserungsbedarf?

Mir fehlt aktuell vor allem eine konkrete Zielsetzung dieser Schultestungen. Wenn die Kinder sich schon zweimal in der Woche testen lassen, sollte der Präsenzunterricht dann auch unabhängig von der Inzidenz stattfinden können. Dazu finde ich, dass die Kinder durch die Testungen auch mehr Freiheiten in ihrer Freizeit bekommen sollten. Wenn sie an einem Tag mit aktuellem negativen Coronatest in der Schule sein können, wieso dann am gleichen Tag nicht auch nachmittags beim Fußballspielen – selbstverständlich unter Einhaltung aller Abstands- und Hygienemaßnahmen. Das Ziel der Testungen sollte es doch auch sein, den Schülern ein Stück weit ein kindgerechtes Leben zurückzugeben.

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