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Unterricht per Skype: Christian Fliegner sitzt am Klavier und hat das Kind auf einem Tablet vor sich.

Corona-Krise

Tölzer Knabenchor bangt um Konzerte

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Mit kreativen Ideen versucht man auch beim Tölzer Knabenchor, der Corona-Krise zu begegnen. Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden hat jedoch Sorgenfalten, wie es im Kulturbetrieb weitergehen wird.

München/Bad TölzGewöhnlich erklingen dutzende Stimmen in den Studios des Tölzer Knabenchors in München. Derzeit hört man jedoch immer nur eine Stimme, und die singt meistens das Gleiche. „Geister-Unterricht“ nennt Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden schmunzelt den Umstand, dass derzeit Unterricht via Skype angeboten wird. Soll heißen: Jedes der rund 200 Kinder bekommt derzeit Solo-Stunden, entweder bei den Künstlerischen Leitern Christian Fliegner und Clemens Haudum oder bei einem der acht Stimmbildner. Jeder Bub hat einen Zeitplan, wann er an der Reihe ist: Die älteren singen 60 Minuten, die jüngeren Kinder 30 Minuten. Der Lehrer sitzt am Klavier und hat das Kind auf einem Tablet-Bildschirm vor sich.

Diese Art zu arbeiten habe Vor- und Nachteile, sagt Schmidt-Gaden. Positiv sei, dass die Kinder a Cappella singen müssten. „Für die Tonhöhen ist das ein sehr gutes Training.“ Allerdings sei die Tonqualität nicht so gut, und bei der Übertragung komme es gelegentlich zu Verzögerungen. Und um an der Stimme zu feilen, brauche es natürlich Präsenz. „Eine Stunde Skypen ersetzt nicht den richtigen Kontakt“, sagt die Geschäftsführerin. Andererseits hätten die Kinder jetzt viel Zeit, um zu üben und um das Repertoire einzustudieren. „Man merkt auch, wie ihnen das gut tut. Das hören wir auch von den Eltern.“

Der Chor will vorbereitet sein, wenn der Kulturbetrieb wieder zum Leben erwacht. Zwar sind bis Mitte April alle Auftritte abgesagt, aber für Sommer stehen große Konzerte im Terminkalender, zum Beispiel im Juni die 8. Sinfonie von Gustav Mahler sowie die „Arche“-Aufführungen in der Philharmonie in München. „Wir hoffen alle, dass es stattfinden wird.“

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Dass wegen der Corona-Pandemie einige besondere Auftritte abgesagt werden mussten, habe die Kinder sehr enttäuscht, etwa das Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg (wir berichteten) und die „Alcina“-Aufführungen in Dresden. „Natürlich sollen die Auftritte nachgeholt werden“, sagt Schmidt-Gaden. Aber in der Elbphilharmonie werde das mindestens ein Jahr dauern. „Und dann können nicht mehr alle dabei sein, weil sie schon im Stimmbruch sind.“

Auch in finanzieller Hinsicht macht sich die Geschäftsführerin Sorgen. „Es geht uns wie vielen anderen Unternehmen. Wir rechnen jeden Tag, wie lange wir überleben können, ohne staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Und es müsse ja auch geklärt werden, wie das dann ablaufe – über einen Zuschuss, eine Entschädigung für Ausfälle oder gar über Kredite. Beim Tölzer Knabenchor arbeiten 15 Festangestellte und zwei freie Mitarbeiter. „Wir hoffen wie viele andere, dass das gesellschaftliche Leben nach den Osterferien wieder in Gang kommt.“

Planungen für Chorfestival 2021 in Tölz laufen

Schmidt-Gaden ist heilfroh, dass eine China-Tournee, über die man Ende vergangenen Jahres für April 2020 verhandelt hatte, doch nicht zustande gekommen ist. Im Mai stünde eigentlich ein Festival in Rumänien auf dem Programm. „Ich habe noch keine Infos, ob es stattfindet.“ Fest geplant wird hingegen für das Knabenchor-Festival 2021 in Tölz. „Beim Ablauf werden wir einiges verändern“, kündigt Schmidt-Gaden an. „Es soll bunter werden.“

Im Knabenchor-Büro in München nutzt die Geschäftsführerin derzeit die Tage, um das Notenarchiv zu katalogisieren und zu digitalisieren. „Das wollte ich schon lange mal“, sagt sie und freut sich, noch handschriftliche Notizen von Kurt Thomas’ und sogar Noten von Carl Orff zu entdecken.

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Zudem wird auf der Facebook-Seite beziehungsweise im YouTube-Kanal täglich ein Kinderlied angeboten. Bei der CD-Aufnahme können Kinder, Eltern und Großeltern mitsingen, der Text steht gleich darunter. Mehrere Lieder sind schon online, 44 sollen es werden. „Das ist für jeden zum Mitsingen gedacht oder zum Anhören aus nostalgischen Gründen“, sagt Schmidt-Gaden lächelnd. Beim Singen, sagt die Mezzosopranistin, entstehe nämlich eine innere Kraft. „Danach ist man einfach positiv gestimmt“, sagt sie. „Eigentlich sollte in jedem Haushalt jeden Tag gesungen werden.“

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