Voller Terminkalender 

Tölzer Knabenchor: Selbst der Vatikan hat angerufen

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60 Jahre ist der Tölzer Knabenchor alt geworden – oder besser gesagt: jung. Denn der Zulauf zum Chor ist hoch. Derzeit läuft der Schnupper-Unterricht, an dem 80 Buben, zwei davon aus Tölz, teilnehmen. Die Auftragsbücher für 2017 sind gut gefüllt, auch ins Ausland geht es wieder. Und vielleicht sogar zum Papst.

Bad Tölz/München – 165 Knaben singen derzeit in dem berühmten Chor. Die „echten Tölzer“ sind im Männerchor (Julius Steinbach) und im Ausbildungschor drei (zwei Kinder). Zwei weitere Tölzer haben mit dem Schnupper-Unterricht begonnen – ob sie bleiben, wird sich noch herausstellen. Hinzu kommen noch weitere Kinder aus anderen Städten und Gemeinden im Landkreis.

Die Knaben haben ein Jubiläumsjahr mit vielen Auftritten hinter sich. Dass man die Matthäus-Passion (beim Bach-Festival im November in Lausanne) und das Weihnachtsoratorium (im Dezember im Herkulessaal in München) innerhalb von acht Wochen aufführte, gab es noch nie, berichtet Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden. „Besonders der Dezember war sehr voll“, sagt sie. „Da kam vieles noch kurzfristig rein.“ Allein in der Adventszeit wurden 41 Auftritte absolviert.

Einige hätten sich um die Tölzer „buchstäblich gerissen“. Besondere Auftritte waren zum Beispiel jener bei der TV-Weihnachtsfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck in Coburg oder beim Galadinner des Bayerischen Landtags zu Weihnachten. Da gingen buchstäblich Wünsche in Erfüllung, als die Buben spontan für Ilse Aigner den Tölzer Schützenmarsch sangen und später Horst Seehofer zum Taktstock greifen durfte, erinnert sich Schmidt-Gaden schmunzelnd. „Höhepunkt für die Buben war aber natürlich der Auftritt in der Allianz-Arena, als man vor und mit 75 000 FC Bayern-Fans ,Stille Nacht‘ sang und anschließend mit allen Fußballern abklatschten durfte.“

Nach solch glamourösen Auftritten ruft wieder die Pflicht. Der Terminkalender des Tölzer Knabenchors ist gut gefüllt. Im Juni reisen die Sänger zu den Internationalen Barocktagen ins Stift Melk nach Niederösterreich, um dort die Pfingstkantaten von J. S. Bach aufzuführen. Sie tun dies gemeinsam – und das ist eine große Ehre – mit dem Concentus Musicus Wien, gegründet von dem verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, mit dem Gerhard Schmidt-Gaden eine Freundschaft pflegte. Das Ensemble wird jetzt von dessen ehemaligem Assistenten Stefan Gottfried geleitet.

Bereits im Frühjahr werden die Tölzer einige andere große Konzerte bestreiten, zum Beispiel im April in Brixen und Meran (Matthäuspassion). Diese Passion singen sie auch am 14. April in der Georgenkirche in Eisenach. Dort wurde Bach getauft.

Zusätzlich stehen zahlreiche Opernaufführungen an. Ein Knabe darf Ende Februar die neue Elbphilharmonie in Hamburg kennenlernen, nämlich als Solist in Benjamin Brittens Werk „Curlew River“.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Opernhäusern in München und Berlin („Zauberflöte“, „Tannhäuser“) reisen einige junge Solisten demnächst zu Aufführungen nach Peking, Moskau, Budapest und Tokio. Im Sommer stehen dann das Menuhin-Festival in Gstaad und das Rheingau-Musikfestival auf dem Programm.

Vielleicht kommt es auch zu einem Auftritt in der Sixtinischen Kapelle. „Ich hatte plötzlich einen Anruf vom Vatikan auf der Mailbox“, berichtet Barbara Schmidt-Gaden. Derzeit wird verhandelt, ob sich ein Auftritt finanziell stemmen lässt. In der Sixtinischen Kapelle sang der Chor noch nie. „Für meinen Vater wäre das eine große Ehre.“ Gerhard Schmidt-Gaden feiert heuer im Juni seinen 80. Geburtstag.

Einen Großteil der Büroarbeit nimmt derzeit auch die Vorbereitung des vierten Knabenchorfestivals in Bad Tölz ein. Wie schon berichtet, findet es vom 25. bis 28. Mai statt. Zu Gast sind die St. Florianer-Sängerknaben aus Oberösterreich und der Dubna-Knabenchor aus Russland. Folgendes ist geplant: Am Donnerstag, 25. Mai (Christi Himmelfahrt), gibt es verschiedene Standkonzerte der Tölzer in der Innenstadt. Beim Eröffnungskonzert am Freitag, 26. Mai, singen alle drei Chöre Lieder zum Thema Frühling und Frühjahr aus ihrer Heimat. Am Samstag, 27. Mai, gibt es um 11 Uhr eine geistliche Matinee in der Stadtpfarrkirche, abends um 19.30 Uhr ein Galakonzert. Alle drei Chöre präsentieren weltliche Musik und „Highlights“ aus ihrer Geschichte. Am Sonntag, 28. Mai, gestalten die Tölzer den Gottesdienst in der evangelischen Johanneskirche mit, die anderen beiden Chöre singen in der katholischen Stadtpfarrkirche. „Ich freue mich schon sehr“, sagt Barbara Schmidt-Gaden. „Es sind drei farbenfrohe Chöre, die ein sehr schönes Programm bieten.“ Der Kartenvorverkauf hat begonnen.

Festival: Tickets

Für das Eröffnungskonzert und die Matinee kosten die Tickets 26 bzw. 30 Euro. Für das Galakonzert kosten die Karten 34 bzw. 38 Euro. Es gibt auch Kinder-Ermäßigung. Zudem sind Abo-Karten erhältlich: 86 Euro in Kategorie eins und 74 Euro in Kategorie zwei. VIP-Tickets (Treffen, Foto, Geschenk) kosten 25 Euro Aufschlag. Erhältlich sind die Karten beim Tölzer Kurier (Telefon 0 80 41/78 91 11) und bei der Tourist-Info (Telefon 0 80 41/ 78 67 15; VIP-Karten nur in der Tourist-Info erhältlich).

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