Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus

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Heuer gibt es besonders viele Zecken. Der Landkreis gilt dazu als Risikogebiet für das gefährliche FSME-Virus. 
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Heuer gibt es besonders viele Zecken. Der Landkreis gilt dazu als Risikogebiet für das gefährliche FSME-Virus. 

Achtung Zeckenbiss-Gefahr höher denn je 

Heuer viele Zecken im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen 

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Sie sind nicht nur kleine Blutsauger, sondern auch Überträger gefährlicher Krankheiten. Durch den milden Winter ist heuer die Zecken-Saison besonders intensiv. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zählt zu den FSME-Risikogebieten. Das Virus wird von den Blutsaugern übertragen. Wer sich im Grünen aufhält, sollte sich schützen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es sind milbengroße Winzlinge mit acht Beinen und Kiefern wie Zangen. Sie warten im Gras, Unterholz, auf Bäumen und Büschen, und heften sich kaum spürbar an Menschen und Tiere. Zecken sind die Plage des Sommers. Die Krankheiten FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose können Folgen eines Bisses sein.

Der Landkreis zählt mittlerweile zu den Risikogebieten für FSME. Jüngste Zahlen des Landratsamts machen das deutlich. Alleine in den ersten beiden Quartalen 2020 wurden fünf FSME- und 19 Borreliose-Fälle im Gesundheitsamt gemeldet. Ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr: 2019 wurden im gleichen Zeitraum acht Borreliose Erkrankungen verzeichnet und kein einziger FSME-Fall. Insgesamt gab es im Jahr 2019 nur eine FSME-Erkrankung im Landkreis.

Viele Zecken durch milden Winter

Der milde Winter könnte dafür gesorgt haben, dass es heuer extrem viele Zecken gibt. Das bestätigt Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. „Die Anzahl hängt von klimatischen Bedingungen und den Wirtstieren ab.“ Letztere (kleine Säuger oder Wild) haben im Oberland gute Nahrungsbedingungen, daher siedeln sie sich hier vermehrt an und dienen wiederum Zecken als Wirt, erklärt Krönauer. „Daher haben Zecken hier beste Voraussetzungen.“ Im Durchschnitt trage jede vierte Zecke das FSME-Virus in sich. „Da es immer mehr Zecken gibt, wächst die Wahrscheinlichkeit an FSME zu erkranken“, warnt Krönauer.

Kreis-Apothekensprecher Christopher Hummel rät zum geeigneten Schutz. Denn: „Ein kurzer Moment des Bisses reicht bereits, um eine Krankheit zu übertragen“, erklärt der Pharmazeut und empfiehlt: „Idealerweise sollte man in Zeckengebieten den Körper bedeckt haben. Schutzsprays oder Teebaumöl halten Zecken auch fern.“

„FSME-Impfung ist lebenswichtig“

Nach einem Ausflug im Grünen sollte man laut Hummel unbedingt die Haut absuchen. „Wenn man eine Zecke findet, sollte man mit Lupe und Pinzette oder Zeckenkarte das Insekt gründlich entfernen.“ Dabei sei es wichtig, den Blutsauger am Kopf zu packen und aus der Haut zu ziehen. „Danach sollte man mit einer Lupe nachsehen, dass keine Reste in der Haut geblieben sind, und dann die Stelle desinfizieren.“ Das A und O sei, die Biss-Stelle im Blick zu behalten. Bildet sich eine rote kreisförmige Entzündung, ist dies ein Zeichen für Borreliose. „In diesem Fall muss man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Hier gilt es lieber einmal zu viel zum Arzt zu gehen, als einmal zu wenig“, mahnt Hummel.

Der Tölzer Hausarzt Dr. Matthias Bohnenberger rät aufgrund der lebensbedrohlichen Folgen von FSME zur Impfung. „Das ist lebenswichtig. Der Impfstoff ist verfügbar, funktioniert und ist gut verträglich“, sagt er. Im Gegensatz zu FSME gibt es gegen Borreliose keinen Impfstoff. „Und Borreliose-Erkrankungen stehen aktuell auf der Tagesordnung“, sagt Bohnenberger. Diese Krankheit könne man mit Antibiotika behandeln, erklärt der Mediziner. Das Heimtückische an beiden Erkrankungen sei, „dass die Symptome manchmal erst lange nach dem Biss auftreten. Dann denkt man oft nicht mehr daran.“

Hunde gefährdeter als Katzen

Zecken stellen nicht nur für Menschen eine Gefahr dar. „Heuer haben auch Hunde und Katzen mit deutlich mehr Zecken zu kämpfen“, sagt Cornelia Leusser, Tierärztin der „Vetpraxis Isarwinkel“ in Tölz und Bichl. Deshalb sei es wichtig, die Vierbeiner regelmäßig abzusuchen. Im Idealfall sammle man die Zecken vom Fell, wenn sie sich noch nicht festgebissen haben. „So wechseln sie auch nicht auf den Menschen über, wenn man mit den Tieren kuschelt“, erklärt Dr. Gabriela Bleßmann, die eine Praxis in Wolfratshausen führt.

Hunde können laut Leusser an Borreliose, Anaplasmose, Babesiose und FSME erkranken. „Katzen sind weniger empfänglich, bei ihnen kann Anaplasmose auftreten.“

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Zur Zecken-Entfernung gibt es im Tierfachhandel und beim Tierarzt spezielle Zangen. „Man muss die Zecke nah an der Haut fixieren und sollte den Körper nicht quetschen“, betont Leusser. Bleßmann hingegen entfernt Zecken per Hand: „Ich packe sie vorne und ziehe sie heraus.“ Die Wahl der Methode, sei Typ- und Übungssache. Sollte beim Entfernen ein Teil stecken bleiben, muss man diesen mit einer Pinzette herausholen. Gelingt das nicht oder entzündet sich die Stelle, rät die Veterinärmedizinerin zum Gang zum Tierarzt.

Zur Prophylaxe sollten Tiere mit Sprays, Tabletten, speziellen Halsbändern oder Spot-Ons versorgt werden. Letzteres ist eine Flüssigkeit, die auf die Haut aufgetragen wird. „Man sollte sich in jedem Fall vom Tierarzt beraten lassen“, empfiehlt Leusser. Die Wirksamkeit der Mittel hänge auch von Rasse, Alter und Gesundheitszustand ab. Bleßmann verweist auf die pflanzliche Substanz Pyrethrum.

(Von Felicitas Bogner und Leonora Mitreuter) 

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