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Kinder sollten jetzt in den Alltag integriert werden. Zum Beispiel beim Kochen.

Coronakrise 

„Der Medienkonsum darf nicht ausarten“

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Michael Zürl ist Lehrer an der Tölzer Südschule. Im Interview mit dem Tölzer Kurier verrät er, worauf Eltern in der momentanen Krisenzeit bei ihren Kindern und der Erziehung besonders achten sollten, um einen Lagerkoller oder die eigene Überforderung zu vermeiden. 

Bad Tölz – Seit Mitte März sind sämtliche Schulen, Kindergärten und Kitas geschlossen. Auch Spielplätze, Turnvereine und Co. können nicht mehr aufgesucht werden. Viele Eltern stehen nun vor der Herausforderung, ihre Kinder zu Hause bei Laune zu halten und dennoch ihren Alltag zu bewältigen. Michael Zürl ist Grundschullehrer an der Tölzer Südschule. Im Interview gibt er einige Tipps, wie man die Situation bewältigen kann.

Herr Zürl, wie verhindert man einen Lagerkoller zu Hause?

Die große Herausforderung für Familien besteht nun darin, den Spagat zwischen der eigenen Beunruhigung und den „gefühlten Ferien“, die aber keine sind, mit Kindern zu Hause zu meistern. Man muss die Motivation der Kinder aufrechterhalten. Ich empfehle, soweit möglich, viel raus an die frische Luft zu gehen, zum Beispiel im Garten zu spielen. Das Wichtigste ist, dass man einen rhythmisierten Alltag mit Ritualen aufrechterhält. Dazu gehören feste Essenszeiten, gezielte Lernphasen, klare Pausen sowie Freizeit- und Spielphasen. Man sollte – so gut wie möglich – die Strukturen aufrechterhalten. Wichtig ist, dass man den Kindern jetzt nicht unbegrenzten medialen Zugang gewährt. Ich weiß, Fernseher und Handy sind die günstigsten „Babysitter“. Trotzdem darf der Medienkonsum nicht ausarten.

Kinder in den Alltag integrieren 

Welche Freizeitbeschäftigungen empfehlen Sie für zu Hause?

Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Kinder komplett in den Alltag einzubinden. Man kann ihnen spielerisch viel im Haushalt beibringen. Sie können zum Beispiel beim Kochen, Einkaufen, Backen oder bei der Gartenarbeit mithelfen.

Wie kann man es bei etwas größeren Schulkindern, die alleine zu Hause bleiben können, schaffen, dass sie die Zeit sinnvoll verbringen?

Auch hier sind die Strukturen wichtig. Man sollte gewisse Aufgaben, die zu erledigen sind, ausmachen. Zwei essenzielle Säulen der Erziehung sind Transparenz und Konsequenz. Ich empfehle, klare Vereinbarungen und Regeln festzulegen.

Strukturierter Tag ist das A und O 

Wie erklärt man kleineren Kindern die aktuelle Lage?

Ich finde die Kindernachrichtensendung „Logo“ dafür sehr gut geeignet. Hier wird alles unverfälscht, aber in einfachen Worten kindgerecht erklärt. Sinnvoll ist es auch, alles in der Familie nachzubesprechen.

Sollten Eltern vor ihren Kindern über die Ängste wegen des Virus oder eventuelle finanzielle Sorgen sprechen?

Medienkonsum begrenzen 

Das ist individuell verschieden. Eltern müssen selbst entscheiden, wie weit ihr Kind entwickelt ist und wie feinfühlig es ist. Es gibt sicher bestimmte Dinge, mit denen man einem kleinen Kind nur Angst machen würde, weil es noch nicht alle Aspekte einordnen kann. Finanz- oder gar Existenzsorgen würde ich von kleineren Kindern fernhalten.

Ist die Krise vielleicht auch eine Chance, als Familie mehr Zeit miteinander zu verbringen?

Das kommt natürlich auch auf den Beruf der Eltern an. Aber prinzipiell kann das schon eine Chance sein, mehr Zeit miteinander zu verbringen, den Alltag zu entschleunigen und gewisse Dinge, die sonst immer schnell gehen müssen, gemeinsam zu machen. Dazu kann man die Zeit nutzen, um etwa Neues einzuführen. Wir haben zum Beispiel in den vergangenen Tagen unser Hochbeet im Garten aufgebaut.

Michael Zürl

Wie lassen sich soziale Kontakte pflegen, mit Freunden oder Oma und Opa, wenn man sich nicht treffen darf?

Natürlich sollten auch Kinder ihre gewohnten Kontakte weiterpflegen. Das geht zurzeit eher nur über Telefon oder mit festgelegten Zeiten über das Internet. Ich fände es auch eine schöne und sinnvolle Idee, die Kinder mal wieder einen Brief oder eine Postkarte an die Großeltern schreiben zu lassen. Das hat auch positive Effekte auf Schreibkompetenz und Rechtschreibung.

Zum Schluss: Haben Sie einen Kinderbuchtipp?

Bei den Mädchen ist „Horse Club“ sehr beliebt. Und fast allen Kindern gefällt „Die Schule der Magischen Tiere“.

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