Justizia als Richterin mit Waage.
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Einige Entgleisungen leistete sich ein junger Tölzer vor zwei Jahren. Nun wurde der Fall vor Gericht behandelt.

Amtsgericht Wolfratshausen

Tölzer leistet sich peinliche Entgleisung

  • vonRudi Stallein
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Bei einer Abschlussfeier mit Arbeitskollegen rastete ein Tölzer (22) derart aus, dass er sich nun wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Beleidigung und Körperverletzung verantworten musste. Das Verfahren wurde gegen 40 Stunden gemeinnützige Arbeit eingestellt.

Bad Tölz/Wolfratshausen - Der Vorfall liegt bald zwei Jahre zurück. Am 13. April 2019 feierte der Angeklagte mit Freunden in einer Wohnung in Konstanz am Bodensee. Als in der Nacht die Polizei kam und den damals 20 Jahre jungen Burschen aufforderte, die Wohnung zu verlassen, habe dieser sich geweigert und herumgeschrien. Daraufhin erklärten ihm die Beamten, dass man ihn nun in Gewahrsam nehme.

Das passte dem Heranwachsenden erst recht nicht. Er spreizte sich in den Türrahmen, beschimpfte einen Polizisten als „Hurensohn“. Später weigerte er sich, aus dem Polizeiauto auszusteigen. Er trat nach einem Beamten und verletzte ihn an der Hand. Dass man ihn aus dem Wagen herauszog, quittierte der Heranwachsende mit weiteren Beleidigungen.

„Ich weiß nichts mehr von dem Abend“

So stand es in der Anklageschrift, die die Staatsanwältin verlas. Und so hatten es die Polizisten seinerzeit dem Beschuldigten erklärt. Denn eigene Erinnerungen hat der junge Mann alkoholbedingt nicht. „Ich weiß nichts mehr von dem Abend“, erklärte er jetzt auch vor Gericht. Der Blackout habe zumindest bewirkt, dass er danach eineinhalb Jahre abstinent gelebt habe. „Ich tät behaupten, dass ich daraus gelernt habe“, sagte der Angeklagte.

Weil er zwischendurch ein Jahr auf Weltreise war, dauerte es lange, bis er sich vor Gericht äußern konnte. Dass er sich nach seiner Rückkehr selbst bei der Jugendgerichtshilfe gemeldet hatte, wirkte sich ebenso strafmildernd aus, wie die Tatsache, dass er auf seiner Reise ehrenamtlich in Tierschutzprojekten gearbeitet hatte. „Normalerweise gibt es das bei solchen Taten nicht“, betonte Richterin Friederike Kirschstein-Freund, dass die Einstellung des Verfahrens gegen 40 Sozialstunden eine Ausnahme sei. So wie auch die Aktion des Angeklagten nach Einschätzung der Richterin „wohl ein einmaliger Ausrutscher war“.

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