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Über 70 Wagen beteiligten sich an der Tölzer Leonhardifahrt.

Tradition und Brauchtum

Tölzer Leonhardifahrt: Wallfahrer, Wagen und ein Witz

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Rund 14 000 Zuschauer säumten die Straßenränder, um die über 70 Wagen und schön geschmückten Pferde bei der 164. Leonhardifahrt zu bewundern. Zwar gab es zum Auftakt etwas Regen. Nach dem Ende des stimmungsvollen Gottesdienstes riss der Himmel aber auf.

Bad Tölz - Egal, wie das Wetter ist: Die Tölzer Leonhardifahrt ist immer schön. Die Pferde hatten kunstvoll geflochtene und mit Blumen und Bändern geschmückte Mähnen und Schweife. Die Wagen waren liebevoll hergerichtet worden. 

Einige Mitfahrer hatten vorsichtshalber die durchsichtigen Regenumhänge übergezogen, um die Tracht zu schützen. Viele aber trotzten dem Regen, der pünktlich zum Beginn der Fahrt fiel. 

Pferde gehen durch: Zwischenfall endet glimpflich

Um 9 Uhr setzte sich der Zug, angeführt von den Fanfarenreitern der Tölzer Stadtkapelle, in Bewegung – begleitet vom Läuten der Kirchturmglocken. Das glitschige Pflaster in der Marktstraße meisterten glücklicherweise alle Pferde und Wagen bei der Auffahrt unfallfrei. Von einem „Zwischenfall“ berichtete Bürgermeister Josef Janker allerdings später beim Empfang in der Franzmühle. Bei der Auffahrt in der oberen Marktstraße nach dem Gottesdienst sei eines der Fuhrwerke zu schnell gewesen, sagt Rathaussprecherin Birte Otterbach. Als die Kolonne vor ihm ins Stocken kam, „konnte es nicht mehr bremsen und musste seitlich an den anderen Wagen vorbeifahren. „Laut den Rettungskräften waren die Zuschauer nicht gefährdet, weil genug Platz war“, so Otterbach. Von einem „Schreckmoment“ berichtet auch die Polizei. Ein Gespann sei aus unbekannter Ursache im zweiten Teil der Fahrt durchgegangen und beinahe unkontrolliert die Marktstraße hochgaloppierte. „Erst als es auf das davor fahrende Gespann leicht auffuhr, konnten die Pferde wieder unter Kontrolle gebracht werden“, so die Polizei. Ob es sich dabei um denselben Vorfall wie den von Otterbach geschilderten handelt, ist unklar.

Leonhardi: Abt beginnt Predigt mit einem Witz 

Keine Probleme gab es beim Umrunden der Leonhardikapelle. Stadtpfarrer Peter Demmelmair und sein Wackersberger Kollege Leo Sobik spendeten Rössern und Reitern mit sichtlicher Freude den Segen. „Etwas Großes und Schönes“ werde heute in Tölz gefeiert, sagte Demmelmair zu Beginn des Gottesdienstes, den die Tölzer Stadtkapelle gewohnt schön mitgestaltete. Seit Wochen würden viele Menschen Vorbereitungen für diesen einen Tag treffen. „Das macht es in besonderer Weise wertvoll.“ Demmelmair wiederholte seine Begrüßung dann für die Freunde aus den Partnerstädten Vichy und San Giuliano Terme auf Französisch und Italienisch. 

164. Tölzer Leonhardifahrt: Die schönsten Bilder

Festprediger Johannes Eckert, Abt der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, begann seine kurze, aber sehr hörenswerte Festpredigt mit einem Witz. Der FC Bayern und die Münchner Löwen bekommen Radl geschenkt. Beide Mannschaften wundern sich, schließlich sind sie Fußballer. Die Erklärung sei aber ganz einfach: „Die Bayern müssen das Absteigen lernen und die Löwen das Aufsteigen“, sagte Eckert. 

Festpredigt: Vom Rosspatron zu „Fridays for Future“

Vor allem um das Absteigen – beispielsweise von einem (zu) hohen Ross – drehte sich dann auch seine Predigt. „Es ist wichtig, immer wieder auf den Boden zurückzukehren“, sagte der Abt. Für diese Bodenständigkeit stehe der heilige Leonhard, der sich auf eine Ebene mit den Rössern und Nutztieren gestellt habe, weil er wusste, „wie kostbar und wertvoll“ sie sind. Die Liebe und Hingabe, die in die Vorbereitungen der Tölzer Wallfahrt fließen, sind für Eckert „ein Ausdruck der großen Wertschätzung für Mensch und Tier“. Alles sei miteinander verbunden, „weil wir alle den gleichen Schöpfer haben“, sagte der Abt. „Die Schöpfung ist kostbar und uns wie eine Perle, wie ein Schatz anvertraut“, sagte Eckert und spannte den Bogen zur „Fridays for Future“-Bewegung. Man könne geteilter Meinung sein, ob man an einem Schultag für Klimaschutz demonstrieren müsse, „aber diese Jugendlichen setzen sich für den Erhalt der Schöpfung ein“. 

Rat von der Staatssekretärin: „Feiert‘s gscheit“

Rathauschef Janker sprach später beim Empfang in der Franzmühle, bei dem auch der verstorbenen Leonhardifahrer gedacht wurde, von einer „prächtigen Wallfahrt“. Wenn man Jahr für Jahr Leonhardi miterlebe, könnte man glauben, dass sich irgendwann eine gewisse Routine einstellt. Tatsächlich „ist die Leonhardifahrt aber immer wieder etwas Einzigartiges“, sagte Janker. Leonhardi sei ein Tag des Glaubens und des gelebten Brauchtums. „Es ist aber auch ein Tag für die Familien. Ein Tag, an dem sich Freunde treffen, die sich oft das ganze Jahr nicht sehen, um nach der Wallfahrt zusammenzukommen und zu feiern“, sagte Janker. Er bedankte sich auch bei allen, die zum Gelingen des Festtags beigetragen haben.

Staatssekretärin Carolina Trautner vertrat Ministerpräsident Markus Söder. „Für mich ist es eine große Ehre, diesen Tag heute miterleben zu dürfen“, sagte sie beim Empfang. Die Leonhardifahrt mache Geschichte, Tradition und Glauben lebendig erlebbar. Das sei wichtig in dieser so schnelllebigen Zeit, so Trautner. Aber natürlich gehöre auch die Geselligkeit nach der Wallfahrt dazu. „Also feiert’s gscheit.

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