Pressekonferenz im Tölzer Eisstadion
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Präsentierten die Aktion: Geschäftsführer Jürgen Rumrich (li.) Pressesprecher Simon Rentel und ECT-Präsident Hubert Hörmann.

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Tölzer Löwen: Auf der Suche nach einem neuen Stadion-Namen und Etat

  • vonOliver Rabuser
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Innovation ist der Trumpf, mit dem die Tölzer Löwen die aufgerissene Lücke im Etat schließen wollen. Mit einer gemeinschaftlichen Aktion soll zweierlei erreicht werden: Zum einen soll der Zusammenhalt in der Region unterstrichen, zum anderen das finanzielle Loch durch das Wegbrechen von Hauptsponsor Wee bestmöglich gefüllt werden.

Bad Tölz - Das in München und der Schweiz ansässige Unternehmen des aus Tölz stammenden Gründers Cengiz Ehliz gehört im Bezug auf die Tölzer Löwen nun auch offiziell der Vergangenheit an. Allein das Ambiente bei der Pressekonferenz sprach Bände. Ein grauer Überzug versiegelte den Mittelkreis und damit die Sicht auf das knallrote Logo des inzwischen zahlungsunfähigen Partners der letzten drei Spielzeiten. Nicht minder deutlich war die Botschaft des Klubsprechers. „Das Eisstadion wird einen neuen Namen erhalten“, stellte Simon Rentel bei der Pressekonferenz am Freitagvormittag klar. TEG-Geschäftsführer Jürgen Rumrich und ECT-Präsident Hubert Hörmann erläuterten die Aktion.

Vorzeitig gekündigte Verträge mit dem Hauptsponsor

Bis zum Ende der Namensfindungskampagne, firmiert die Arena auf der Flinthöhe klassisch unter Eisstadion Bad Tölz. Rentel verweist auf die „vorzeitig gekündigten Verträge“ mit dem bisherigen Hauptsponsor, von dem man nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Monate trotz vieler intensiver Gespräche „keine Besserung“ erwarte.

Rechtliche Schritte gegen Wee stehen zumindest im Raum. Hörmann reibt sich an der Chuzpe des von der Allgemeinheit stets kritisch beäugten Partners bezüglich der Erreichbarkeit und freilich auch der Bereitschaft, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen. „Das gehört sich so, wenn man Dritte durch eigene Probleme in die Bredouille bringt“, betont der ECT-Chef. Doch ist sowohl Ehliz als primärer Ansprechpartner untergetaucht, als auch dessen Kollegen in der Schweiz. Hörmann erwartet ein finales Gespräch mit den Wee-Oberen. Um wenigstens einen Teil der ausstehenden Summe nach Möglichkeit einzustreichen. Damit wäre der TEG geholfen, und der mühsame Rechtsweg würde bestenfalls auch entfallen. Gleichwohl bestätigt der Klubchef die „rechtsverbindlichen Titel“ gegen Wee. Gegebenenfalls müsse man sich irgendwann damit befassen, und dabei Schritte ausloten, die „dann nicht mehr aufzuhalten sind“.

Ab Montag kann man Namensvorschläge machen

Zukunftsmusik. Jetzt geht es um einen Prozess, der den Löwen das Überleben in der DEL 2 sichern soll, der aber nicht minder knifflig ist. Denn noch während der laufenden Fürbitten in Sachen Abtretung von bereits beglichenen Dauerkarten, sollen Fans und Zuschauer neuerlich in die eigene Tasche greifen. Allerdings darf das Unterfangen der Tölzer Initiatoren als durchaus clever und sinnvoll eingeordnet werden. Es geht tatsächlich um den künftigen Namen des Eisstadions. Unter dem Hashtag #euernameunsereheimat besteht ab kommendem Montag, 19. April, die Möglichkeit, Namensvorschläge zu machen, respektive vorhandene Vorlagen zu bestätigen. Man wolle jeden, der sich als Teil der Aktion versteht, mitnehmen, verweist Hörmann auf das Leitmotiv: „Alle stehen für die Sache ein.“

So funktioniert die Aktion „Euer Name - Unsere Heimat“

Die Aktion „Euer Name – Unsere Heimat“ geht in zwei Etappen über die Bühne. Ab kommendem Montag, 19. April, 19.28 Uhr, kann jeder, der sich dem Tölzer Eishockey verbunden fühlt, für den Festpreis von 100 Euro sogenannte „virtuelle Pucks“ erwerben und nach Gutdünken beschriften lassen. Höhere Einlagen vergrößern die Werbefläche. Daneben darf pro Einzahlung ein Vorschlag für den künftigen Namen des Eisstadions getätigt oder ein bestehender Vorschlag in seiner Wertigkeit erhöht werden. Diese Phase geht über zwei Wochen. Danach stehen die acht häufigsten Nennungen neuerlich zur Abstimmung. Für weitere zwei Wochen sind dann Gebote ab zehn Euro möglich, die via SMS oder Überweisung einzulegen sind. Am Mittwoch, 26. Mai, dem Tag des fünften Playoff-Finals, fällt dann die Entscheidung.

Sämtliche Gönner und Unterstützer finden sich zudem ab der kommenden Saison im Eingangsbereich des Stadions namentlich erwähnt auf ihren erworbenen Werbeflächen wieder. Der Umfang bemisst sich nach der Subventionshöhe. „Ein Teil der Einnahmen fließt“, laut Vorstand Hubert Hörmann, „in die Jugendförderung des EC Bad Tölz.“ or

Jürgen Rumrich versichert, man betrachte den Fan keinesfalls als Melkkuh. Im Gegenteil: „Tölz ist ein besonderer Standort mit besonderem Zusammenhalt.“ Das Eishockey sei nicht in Gefahr, aber für den „sicheren Verbleib“ in der Zweitklassigkeit müsse man die „bestehende Lücke“ verkleinern. Und das funktioniere ohne die Tölzer Fans nicht. „Wir brauchen sie“, bekräftigt der Geschäftsführer. Zumindest, wenn man sich am Status quo orientiert. „Wir wollen in der DEL 2 bleiben, aber auch im Nachwuchs Qualitätseishockey in alle Spielklassen schicken“, appelliert Hörmann an alle Liebhaber des Kufensports.

“Der Name unserer Heimat ist das Wertvollste, was wir anbieten können.“

Der ECT sei in den vergangenen Jahren vom „zarten Pflänzchen zum blühenden Strauß“ gewachsen. Ziel müsse daher sein, das Eishockey in der DEL 2 mit unveränderter Qualität weiterzuführen. Deswegen ist er überzeugt, dass viele Leute diese „ehrliche Aktion“ begleiten werden. Hilfsangebote erreichen ihn ohnehin von allen Seiten, verrät der ECT-Chef. Doch lapidar um Spenden bitten, wolle man nicht. „Wir wollen den Leuten etwas zurückgeben. Und der Name unserer Heimat ist das Wertvollste, was wir anbieten können.“

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