Cengiz Ehliz inmitten der Spieler der Tölzer Löwen.
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Nah dran am Eishockey: Wee-Gründer Cengiz Ehliz inmitten der Spieler der Tölzer Löwen, die der Tölzer eigentlich finanziell unterstützen will.

INTERVIEW mit Wee-Gründer Cengiz Ehliz

Das Ende aller DEL2-Träume? Hauptsponsor der Tölzer Löwen im Zahlungsverzug - „jetzt wird so ein Drama gemacht“

  • vonOliver Rabuser
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Der Hauptsponsor der Eishockey-Mannschaft Tölzer Löwen soll Geldprobleme haben. Ist das das Aus aller DEL2-Träume? Wee-Gründer Cengiz Ehliz klärt auf.

Bad Tölz – Temporäre Schieflage beim Hauptsponsor der Tölzer Löwen, oder einsetzendes Ende aller Tölzer DEL2-Träume? Seit den Meldungen über den Zahlungsverzug seitens des Löwen-Hauptsponsors Wee und der abrupt beendeten Tätigkeit von Geschäftsführer Christian Donbeck, brodelt die Gerüchteküche in der Eishockey-Landschaft auf Hochtouren. Idealer Ansprechpartner zur Klärung des Sachverhalts ist Cengiz Ehliz, Gründer der weeCONOMY AG. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier lässt der 50-jährige Unternehmer durchblicken, wie tief das Tischtuch zwischen Sponsor und Donbeck zerrissen war, dass einer Fortsetzung der Partnerschaft mit den Löwen dennoch nichts im Wege steht und intensive Kommunikation das A und O bei Kooperationen ist.

Herr Ehliz, normal fiebern Sie aus der Loge hautnah mit. Wie bewerten Sie die Leistungen der Löwen aus der Ferne?

Cool! Mit so einem kleinen Kader ist die Leistung phänomenal. Was die Jungs momentan abliefern, motiviert mich richtig.

Tölzer Löwen: Gründer des Hauptsponsors Wee erklärt aktuelle Situation

Um so ein Team am Laufen zu halten, bedarf es jeder Menge Kleingeld. Laut den jüngsten Nachrichten ist ihre Firma nicht ganz unbeteiligt daran, dass die TEG ihren Etat nicht in erforderlichem Maße stemmen kann.

Das stimmt. Wir stehen schließlich auch vor einer Weltwirtschaftskrise. Etwa 90 Prozent aller Firmen beklagen einen Umsatzrückgang. Ich bin diesbezüglich vor einiger Zeit auf Herrn Donbeck und Frau Breiter zugegangen und habe das entsprechend kommuniziert.

Dennoch stehen die Gelder bis dato aus, was für Irritationen im Klub und seinem Umfeld sorgt.

Mir wurde gesagt, Tölz schaffe es dank der Staatshilfe bis in den April. Zudem wurde bestätigt, dass alle Gehälter bezahlt sind. Anders würde es sich verhalten, wenn es akut brennen würde.

Zahlungsverzug bei Wee: Das Aus der DEL2-Träume in Bad Tölz?

Das heißt, liquide Mittel fließen in absehbarer Zeit?

Wir erwarten eine siebenstellige Summe von einer Schwesterfirma, mit der wir eine Abtretungserklärung zugunsten der TEG gemacht haben. Darüber hinaus gibt es eine Patronatserklärung von der Muttergesellschaft, dass die Summe nach Eingang umgehend bereitgestellt wird.

Aber genau solche Sicherheiten wurden seitens Herrn Donbeck öffentlich eingefordert.

Herr Donbeck ist ein Typ, der gerne aufbraust und übertreibt. Was mich angeht: Es gab in der Vergangenheit Phasen, wo sechsstellige Beträge aus früheren Zeiten aufgeploppt sind. Die haben wir anstandslos bezahlt. In Summe inzwischen über drei Millionen Euro an Sponsorgeldern. Jetzt, wo es bei uns mal eng ist, wird aber gleich ein Drama gemacht. So funktionieren Partnerschaften nicht. Ich habe ins Tölzer Eishockey viel Herzblut investiert. Wee hätte auch bei größeren Klubs einsteigen können.

Hat sich Christian Donbeck Ihrer Meinung nach irgendwie verrannt?

Das ist jetzt sicher nicht der Grund für seinen Abschied. Das muss andere Gründe haben, die ich nicht kenne. Es gab allerdings vor einigen Tagen einen Vorfall, wo ich den Kontakt am Telefon abgebrochen habe. Das hat aber mit der Sache hier nichts zu tun. Und ich mag auch keine schmutzige Wäsche waschen. Aber irgendwie hat er sich in letzter Zeit um 180 Grad gedreht.

Dennoch wird allenthalben unterstellt, dass Donbecks Weg über Öffentlichkeit und Presse nicht gerade förderlich war.

Ich stehe zu 100 Prozent zum Tölzer Eishockey. Und eigentlich ist auch alles vertraglich geregelt. Aber ich lasse nicht die Fans gegen mich aufhetzen. Wir haben einen Liquiditätsengpass und bereits viele Kosten reduziert. Wir warten täglich auf das Geld, danach geht es sofort an die TEG. Und dann geht auch das Sponsoring weiter. Alles, was wir brauchen, ist etwas Geduld. Uns fehlen im Stadion Umsätze und Transaktionen, es gibt nichts, was wir unseren Investoren präsentieren können. Da ärgert es mich, wenn es an Entgegenkommen fehlt.

In Summe klingt das eher nach Kommunikationsproblemen. Kann es sein, dass sich die seit fast einem Jahr fehlende physische Präsenz negativ auswirkt?

Es kann schon sein, dass das Persönliche etwas fehlt. Ich betone aber, es gibt keine Probleme mit Beirat, Vorstand oder Frau Breiter.

Klares Bekenntnis zu den Tölzer Löwen? Cengiz Ehliz tut sich schwer

Ringen Sie sich zu einem klaren Bekenntnis pro Tölzer Löwen durch?

Die Zukunft liegt ja nicht nur an mir. Wenn jetzt wieder einer kommt (neuer Geschäftsführer, d. Red.), der dir hintenrum das Messer reinsticht, hast du automatisch irgendwann keine Lust mehr.

Prinzipiell ändert sich aber nichts am Engagement von Wee?

Nein. Corona nimmt uns etwas Schub in Sachen Promotion. Aber die Ziele stehen nach wie vor, auch wenn es etwas länger dauert. Wir haben immense Projekte vor der Türe. Es schaut trotz Corona nicht so schlecht aus. Aber es gibt eben manchmal auch harte Zeiten im Unternehmertum.

Tölzer Löwen auch nächste Saison von Wee gesponsert? „Ja, wenn...“

Harte Zeiten erwarten Sie auch in Belgien, wo Sie in zweiter Instanz eine ganze Reihe an Vorwürfen zu entkräften haben.

Das Urteil vergangenes Jahr hat mich umgehauen. Da ist alles schief gelaufen, was schief laufen kann. Wir haben jetzt alles gerade gerückt, alle Punkte widerlegt. Ende Februar bin ich in Antwerpen und optimistisch, alles entkräften zu können.

Und um ihr liebstes Kind, die Tölzer Löwen, auch in der kommenden Saison mit einem ähnlichen als dem bisherigen Sponsoring begleiten zu können.

(lacht) Wenn nicht die 200. südamerikanische Mutation alles wirtschaftliche Leben lahmlegt – dann ja!

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