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Die neu entwickelte Figur „Stauni“ ist knapp 25 Zentimeter groß. Das Außergewöhnliche ist, dass sie auf dem Handrücken des Spielers sitzt.

Kreativ  in der Krise

Tölzer Marionettentheater entwickelt neue Puppe - und dreht ein berührendes Video

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Absage von Veranstaltungen trifft auch das kleine Team des Tölzer Marionettentheaters hart. Doch Leiter Albert Maly-Motta versucht, sich nicht entmutigen zu lassen.

Bad Tölz – Seit dem 11. März ist das Tölzer Marionettentheater geschlossen. „Wir können schon eine Weile überbrücken, aber dann wird es schwierig“, sagt Albert Maly-Motta, der das Theater zusammen mit Karlheinz Bille leitet. „Da man Kreativität aber nicht abschalten kann, haben wir unser Zuhause kurzerhand in ein Studio verwandelt und einen kurzen Film gedreht, der unser Publikum in der theaterlosen Zeit ein bisschen zum Lächeln bringen soll“, sagt Maly-Motta.

Und das ist dem Puppenspieler gelungen. Das gut sieben Minuten lange, sehr sehenswerte Video kann man auf YouTube abrufen. Es beginnt als eine Art Kabarett und endet auf sehr berührende Weise.

Zu Beginn sieht man das Marionettentheater, in dem eine Pressekonferenz von Markus Söder stattfindet. Der Ministerpräsident stellt dabei in schönstem Fränkisch ein neues Überwachungssystem für die Corona-Zeit im Freistaat vor. Es handelt sich um eine Drohne, die zu Alois Eckelkrauter in Thaldorf-Massenhausen-Huchelberg in die gute Stube fliegt. „Diese Figur habe ich seit 30 Jahren bei mir zu Hause auf dem Dachboden“, erzählt Maly-Motta. Jahrelang habe er überlegt, wie er einen bayerischen Grantler mal in Szene setzen könnte – nun ist es geschehen. Alois Eckelkrauter sitzt am Küchentisch. Wenn die Brotzeit ins Blickfeld kommt, lohnt es sich, kurz die Pausetaste zu drücken, um zu sehen, wie einfallsreich Maly-Motta mit einfachsten Mitteln diese gestaltet hat. Dann gibt Alois Eckelkrauter seine Gedanken über die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise zum Besten.

Die zweite Szene zeigt Emma Butter-Zeiselfinger aus Dipfelhausen. Die Figur heißt eigentlich „Frau Meier“ und lag ebenfalls jahrelang auf dem Dachboden der Maly-Mottas. Sie ist das Pendant zu Alois Eckelkrauter und lästert über Menschen, die Hamsterkäufe machen. Maly-Motta, immer für einen Gag zu haben, entlarvt sie jedoch rasch.

Theaterleiter Albert Maly-Motta hat „Stauni“ selbst entworfen. Vorbild sind die Figuren des russischen Künstlers Wladimir Sacharov. Die Handfiguren haben ein komplexes Innenleben.

Der Schluss des kurzen Filmchens ist losgelöst von diesen beiden Figuren. Denn dann tritt „Stauni“ auf, und das Video bekommt eine sehr berührende Note. „Stauni“ ist etwas ganz Neues. Schon seit Monaten, berichtet Maly-Motta, beschäftige er sich mit der Puppenspielkunst des verstorbenen russischen Künstlers Wladimir Sacharov. Dieser arbeitete mit Puppen auf dem Handrücken. „Das war bislang überhaupt nicht mein Ding“, gibt der Tölzer Theaterleiter zu. Doch die ausgefeilte und anspruchsvolle Art und Weise, mit der Sacharov arbeitete, habe ihn mittlerweile „völlig in den Bann gezogen“.

Sacharovs Puppen sind keine Marionetten, sondern Figuren, die auf dem Tisch gespielt werden können. Die Technik hat sich Maly-Motta mittlerweile selbst angeeignet. „Es ist horrende kompliziert“, sagt er. „Stauni“ ist knapp 25 Zentimeter groß und trägt in dem Video eine gelbe Latzhose und ein Ringel-T-Shirt. Die Figur sitzt auf Maly-Mottas Hand, sein Zeige- und Mittelfinger stecken in den Hosenbeinen von „Stauni“. Unter Maly-Mottas Hand ist eine Klammer befestigt, mit der er Oberkörper und Kopf steuert. Eine zweite Klammer ist am Handrücken. Hier kreuzen sich auch noch Fäden, so dass man durch eine minimale Bewegung der Handgelenke ein Drehen des Kopfes oder ein Nicken der Figur steuern kann.

Ostern in der Corona-Krise: Gewohntes loslassen

Die Hand und der Kopf von „Stauni“ stammen aus Maly-Mottas 3D-Drucker. Selbst im Kopf der Figur, nicht größer als eine Mandarine, befinden sich einige Fäden, damit dieser gelenkig ist. „Das ist wirklich alles sehr kompliziert“, sagt Maly-Motta schmunzelnd. Zusammen mit seiner Frau hat er „Stauni“ nun zum Leben erweckt und lässt ihn in der Corona-Krise eine Botschaft übermitteln. Es ist zugleich eine Hommage an den verstorbenen russischen Puppenkünstler Wladimir Sacharov. Das Video gibt es auch extra zu sehen, also ohne die kabarettistischen Szenen mit Alois Eckelkrauter und Emma Butter-Zeiselfinger. „Vielleicht will der eine oder andere dieses Video solo sehen oder den Link verschicken“, sagt Maly-Motta.

Bergwacht: Viele Einsätze im kurzen Winter

Diese neuen Puppen sollen in ein paar Monaten mit einem eigenen Stück das Tölzer Theater bereichern. „Sie packen einen absolut“, sagt Maly-Motta. Vier Prototypen hat er schon gebaut, weitere sind in Planung. Zudem will Maly-Motta einen längeren Film über den russischen Künstler zeigen, dieser ist jedoch gerade noch in Bearbeitung. Tragischerweise kam Sacharov vor einem Jahr bei einem Brand seines Ateliers ums Leben. Zwar konnten noch viele Utensilien gerettet werden, weiß Maly-Motta. Doch die Welt der Puppenspieler habe „einen ganz Großen“ verloren. „Auch wir wollen die Erinnerung an ihn aufrecht erhalten.“

Videos im Internet: Die beiden Filme von Albert Maly-Motta kann man auf YouTube anschauen, Stichwort: „Marionettentheater Bad Tölz“.

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