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Klein und deshalb ganz schön schwer zu spielen: Theaterleiter Karlheinz Bille (li.) hält Klara (Figur in der Mitte) in den Händen, der Nussknacker sitzt auf seinem Schoß. Albert Maly-Motta (re.) hat Drosselmeier ins Herz geschlossen. Alle Figuren sind handgemacht, die Kleidung wurde eigens genäht. 

Tölzer Marionettentheater

Das Tölzer Marionettentheater feiert 110-jähriges Bestehen mit besonderer Inszenierung

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Fast zwei Jahre hat Albert Maly-Motta mit seinem Team am neuen Stück des Marionettentheaters gefeilt. Mit „Der Nussknacker“ kommt keine herkömmliche Inszenierung auf die Bühne.

Bad Tölz – Klara hat es in sich. Die Kleine ist 33 Zentimeter groß, hat braun gekräuselte Locken, zwei Schleifchen im Haar und schaut den Betrachter mit großen Kulleraugen sehr freundlich an. Aber Klara hat es auch faustdick hinter den Ohren. Sie hängt nämlich an 2,5 Meter langen Fäden und macht es, in Kombination mit ihrer winzigen Größe, dem Puppenspieler ganz schön schwer. „Das kostet mehr Kraft und Muskeln als bei einer großen Figur“, seufzt Albert Maly-Motta, der zusammen mit Karlheinz Bille das Tölzer Marionettentheater seit 2000 leitet.

An diesem Samstag wird Klara erstmals über die Bühne tanzen. Anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Marionettentheaters hat das Team eine Neuinszenierung von Tschaikowskys weltberühmtem Ballett „Der Nussknacker“ einstudiert. Das Ballett basiert auf einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Mädchen Klara, das zu Weihnachten von seinem Patenonkel Drosselmeier einen Nussknacker geschenkt bekommt, mit dem abends eine Reise in ein Traumland beginnt.

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Wer Maly-Motta und Bille kennt, weiß, dass die beiden technikbegeisterten Puppenspieler und Tüftler keine „herkömmliche“ Inszenierung auf die Bühne bringen werden. „Je älter man wird, desto mehr beschäftigt man sich mit der Magie der Verwandlung“, sagt Maly-Motta. Fast zwei Jahre hat er mit Karlheinz Bille und dem Team an der Inszenierung gefeilt. Und er gibt offen zu, dass die sechs Spieler hinter der Bühne beim Führen der Figuren „sehr an ihre Grenzen gehen müssen“: „Nach der Aufführung sind wir komplett durchgeschwitzt.“ Kein Wunder, müssen sie doch über 40 Figuren spielen. Auch das ist übrigens neuer Rekord.

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Knapp 90 Minuten dauert der „Tölzer Nussknacker“. Als Musik erklingen nicht nur Werke von Tschaikowsky, sondern es wurden auch Stücke des ungarischen Filmmusikkomponisten Miklos Rósza („Ben Hur“, „Das Dschungelbuch“) eingebaut. Besonders bei den Traumsequenzen wurde viel experimentiert. Sehr berührend habe man den berühmten „Pas de Deux“ gestaltet. „Man sieht einen Körper, der gar nicht da ist“, sagt der Theaterleiter. Mehr will er nicht verraten. Nur so viel: „Wir haben viele Dinge eingebaut, die wir schon immer mal machen wollten.“

Mit „wir“ meint der Künstler das Team aus zehn Ehrenamtlichen, das den Theaterleitern seit fast 20 Jahren die Treue hält. Ohne sie, sagt Maly-Motta, würde es das Theater heute wohl nicht mehr geben. „Es ist unglaublich, welche Power die Leute haben.“ Alle hätten noch „einen ganz normalen, anstrengenden Beruf“, sagt Maly-Motta, und natürlich Kinder. Bei der Probenarbeit sei ein schmaler Grat zwischen Unter- und Überforderung wichtig. „So wächst man beim Führen einer Figur.“

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Dass sich ein Marionettentheater 110 Jahre erfolgreich hält, ist heute, in Zeiten von 3D-Kino, einzigartig. Andererseits bieten sich durch technische Entwicklungen auch für die Puppenspieler immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten. Was hingegen gleich bleibt, ist der Zauber vor der Bühne, nämlich die „Begeisterung fürs Handgemachte“, schildert Maly-Motta. Jeden Monat lassen sich rund 2000 Zuschauer in eine Welt, die am Faden hängt, entführen.

Für Bürgermeister Josef Janker ist das Marionettentheater ein „kulturelles Pfund“, ja sogar ein „Kleinod“ in der regionalen Kulturszene. In Ergänzung mit dem Planetarium könne man in Tölz etwas Besonderes bieten. Maly-Motta, zugleich Hobby-Astronom, hatte dessen Aufbau in die Wege geleitet. Beide Häuser werden bei der Programmgestaltung durchaus miteinander verbunden. Der Theaterleiter hat noch viele Ideen: „Eines Tages will ich mit den Marionetten mal was mit Außerirdischen machen.“ Dann kommen zu den über 1000 Figuren im Fundus also noch ein paar hinzu.

Weitere Infos

„Der Nussknacker“ feiert am Samstag, 10. November, um 19.30 Uhr Premiere. Karten gibt es bei der Tourist-Info und unter Telefon 0 80 41/7 93 51 56. Der Eintritt kostet 19 Euro, Kinder zahlen 12 Euro. Weitere Aufführungen finden am 17. November sowie am 1., 15. und 31. Dezember statt, weitere sind 2019 geplant. Infos auf www.marionetten-toelz.de.

müh

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