„Glücklich, dass wir nicht ganz zumachen müssen“ ist Anja Lehmann, Inhaberin der Boutique Cecil in Bad Tölz. Seit Dienstag gilt in den meisten Läden in der Tölzer Marktstraße das Prinzip „Click & Meet“.
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„Glücklich, dass wir nicht ganz zumachen müssen“ ist Anja Lehmann, Inhaberin der Boutique Cecil in Bad Tölz. Seit Dienstag gilt in den meisten Läden in der Tölzer Marktstraße das Prinzip „Click & Meet“.

„Click & Meet“: Terminvereinbarung auch an der Tür möglich

Tölzer Marktstraße: Einkaufen mit Einschränkungen

Shoppen nach Anmeldung: Das ist seit Dienstag im Landkreis notwendig. Die Ladeninhaber sehen es pragmatisch.

Bad Tölz – Wer shoppen will, muss sich anmelden: Diese Devise gilt seit Dienstag im Landkreis. Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz seit Freitag über der 50er-Marke liegt, dürfen Kunden die meisten Einzelhandelsgeschäfte nur nach Terminvereinbarung besuchen. In der Tölzer Marktstraße änderte sich das Bild insofern, als die Eingänge zu den Geschäften meist mit Bändern abgegrenzt sind und dort Anmeldeformulare ausliegen.

Die Ladeninhaber kommen zum Auftakt mit dem neu eingeführten Prinzip „Click & Meet“ recht gut zurecht – und handhaben es pragmatisch.

„Ich bin vor allem glücklich, dass wir nicht ganz zumachen müssen“, erklärt Anja Lehmann, Inhaberin des Modegeschäfts Cecil. Sie zeigt sich mit dem Konzept der Terminvereinbarung zufrieden. „Für den ersten Tag waren wir schon gut besucht.“ Die meisten ihrer Kunden hätten sich nicht telefonisch angemeldet, sondern seien direkt vorbeigekommen. An der Tür wurde dann mündlich ein Termin ausgemacht, und die Kunden durften danach den Laden betreten, sagt Lehmann. Sie hat die Hoffnung, dass es „weiterhin so gut läuft“ und die Kunden sich schnell an die neuen Regelungen gewöhnen.

„Prinzipiell ist es so gedacht, dass man sich telefonisch anmeldet“, erklärt Florian Schnitzler, Inhaber der Goldschmiede Eichmann. Kunden, die ohne Anmeldung kämen, würden aber nicht abgewiesen. Zur Not werde an der Tür ein Termin vereinbart. „Wir sind da flexibel“, meint der Inhaber.

„Die Leute brauchen Zeit, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren“

Schnitzler hält die Regel „Click & Meet grundsätzlich für sinnvoll. So sei ein halbwegs normales Einkaufserlebnis möglich, da beispielsweise Beratungsgespräche stattfinden können. Allerdings glaubt der Inhaber nicht, dass die Kunden das neue Konzept wirklich annehmen. „Die Leute brauchen Zeit, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren“, meint Schnitzler. Die aktuellen Regelungen stellten eine erneute Umstellung für die Menschen dar.

„Wir hatten heute noch keine Kundenanfragen“, berichtet hingegen Angelika Meier, Mitarbeiterin des Hutgeschäfts Anton Hillerbrand. Man müsse aber abwarten, wie es sich weiterentwickelt. Auch bei Meier kann man sich telefonisch anmelden, sie ist aber ebenso offen für Terminvereinbarungen an der Tür. Große Hoffnungen, dass in nächster Zeit mehr Kunden kommen werden, habe sie allerdings nicht, sagt sie. Denn: Durch die Absagen vieler Mai- und Gaufeste gebe es kaum Bedarf an Trachtenhüten, dem Schwerpunkt ihres Sortiments. Trotzdem ist sie froh, dass „Click & Meet“ ihr die Möglichkeit bietet, den Laden zu öffnen. Auch wenn „es sich sowieso nicht rentiert“, wie die Mitarbeiterin hinzufügt.

„Die Menschen gehen weniger bummeln“

Peter von der Wippel, Geschäftsführer des Sportfachgeschäfts „Sport Peter“, zieht am ersten Tag „Click & Meet“ eine positive Bilanz. „Es funktioniert gut bisher und läuft flüssig durch.“ Die Kunden machen ihm zufolge von der Möglichkeit der Terminvergabe regen Gebrauch. Die meisten wüssten über die neuen Regelungen Bescheid. „Die Einschränkungen haben sich schon herumgesprochen.“

Von der Wippel ist erleichtert, dass es die Chance zum Shoppen nach Termin gibt und sein Geschäft nicht wieder ganz schließen muss. So könnten die Kunden die Ware weiterhin vor Ort anfassen und anprobieren, sagt der Geschäftsführer. Auch wenn „Click & Meet“ insgesamt eine gute Lösung sei, könnten die Ausfälle im Vergleich zum normalen Geschäftsbetrieb dadurch allerdings „nicht im Ansatz kompensiert“ werden.

Mit Laufkundschaft rechtet von der Wippel in nächster Zeit kaum. „Die Menschen gehen weniger bummeln.“ Außerdem würden sich die Leute wegen der Terminvergabe eher überlegen, ob sie ein bestimmtes Produkt wirklich brauchen. „Es finden eher Bedarfs- als Spontankäufe statt.“

„Ich bin über jeden Kunden glücklich“

Toni Kirner, Inhaber von „Lederwaren Kirner“ hat erst wenige Anfragen von Kunden bekommen. „Es liegt vielleicht daran, dass viele noch nicht wissen, dass es ab sofort mit ,Click & Meet‘ losgeht“, meint er. Zum anderen bestehe derzeit kein großer Bedarf an Reisegepäck, das ebenfalls in seinem Geschäft angeboten wird. Er hofft darauf, dass zumindest Geldbörsen oder Schulranzen nachgefragt werden.

„Ich bin über jeden Kunden glücklich“, betont Kirner. Es sei nicht schlimm, wenn man sich nur im Laden umschaue, aber nichts kaufe. Für denn Inhaber ist „Click & Meet eine Chance, weiterhin „präsent zu sein“ und mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Das sei in diesen Zeiten besonders wichtig. (Franziska Selter)

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