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Ortstermin auf der Baustelle: Im Herbst hatten (v. li.) Jutta Liebl, Brigitte Albrecht, Stephanie, Sylvia, Markus und Karin Hörmann sowie Gudrun Görres und Gerhard Grasberger zu einer Info-Veranstaltung eingeladen.

Bauprojekt auf der Schlösslwiese

Mehrgenerationenhaus: Es fehlt noch an jungen Familien

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Bad Tölz – Nicht nur räumlich nimmt das geplante Mehrgenerationenhaus samt Tagespflege auf der Schlösslwiese in Bad Tölz Gestalt an. Auch die ersten zukünftigen Bewohner haben ihre Mietverträge unterschrieben. Sie werden voraussichtlich im Winter 2017 in eine der 15 barrierefreien Wohnungen einziehen.

Eine davon ist Jutta Liebl vom „Förderverein Mehrgenerationenhaus Bad Tölz“, die das Wohnprojekt an der Schützenstraße federführend betreut. „Es gibt eine ganze Reihe Interessenten“, freut sich die 68-Jährige. Allerdings fehle es bislang noch an jungen Familien. „Viele haben vielleicht Angst, zu irgendetwas verpflichtet zu werden, wenn sie dort einziehen“, mutmaßt Liebl. Die Erfahrung anderer Mehrgenerationen-Projekte zeige aber, dass genau das Gegenteil der Fall sei. Oft seien es gerade junge Familien oder Alleinerziehende, die von so einem Konzept ganz besonders profitierten.

Fördervereins-Vorsitzender Gerhard Grasberger gibt ein Beispiel: „Ältere Menschen haben oft mehr Zeit und erklären sich beispielsweise gerne bereit, die Kinder vom Kindergarten abzuholen oder im Krankheitsfall zu betreuen.“ Im Gegenzug nehmen die Eltern den Betreffenden etwa zum Einkaufen mit, weil er selbst kein Auto hat. „Es geht nicht darum, dass die Jungen die Alten pflegen“, betont Grasberger. Das Ziel sei vielmehr, dass sich die Hausgemeinschaft bei Bedarf gegenseitig unterstützt. „So wie früher auf den Bauernhöfen, wo drei Generationen unter einem Dach gelebt haben.“

Wie berichtet, baut die Hörmann-Hausbau GmbH an der Schützenstraße insgesamt 60 Wohnungen, die sich auf zwei L-förmige Winkelbauten verteilen. In einem ersten Bauabschnitt entsteht derzeit die erste Anlage mit insgesamt 27 Wohnungen. Der Komplex ist quasi zweigeteilt: In einem Schenkel mit eigenem Eingang, Aufzug und Treppenhaus entstehen ganz normale Mietwohnungen. Im anderen Schenkel – ebenfalls mit eigenem Eingang, Aufzug und Treppenhaus – sollen das Mehrgenerationenhaus (MGH) sowie eine Tagespflege mit 18 Plätzen untergebracht werden.

Letztere ist unabhängig vom MGH und wird gleichberechtigt von Ingrid Krafft-Otto und Birgit Gahler-Schäffler betrieben. Zu diesem Zweck haben die beiden Frauen im Erdgeschoss eine Großraumwohnung mit Garten gepachtet, wo Senioren und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz gemeinsam ihre sonst oft sehr einsamen Tage verbringen können. Auf 250 Quadratmetern kann zwischen 7.30 und 16.30 Uhr zusammen gegessen, geratscht und die Freizeit gestaltet werden.

„Das Angebot richtet sich in erster Linie an ältere Herrschaften, die aus welchem Grund auch immer nicht allein zurechtkommen würden und Kontakt zu anderen Menschen in der gleichen Situation suchen“, sagt Krafft-Otto, die wie ihre Partnerin Gahler-Schäffler einen Pflegedienst im Landkreis betreibt. Aber auch die pflegenden Angehörigen sollen auf diesem Weg entlastet werden: Sie können Kraft tanken oder ihren Erledigungen nachgehen, während ihre Lieben in der Tagespflege sind.

Dementsprechend flexibel sollen die Besuchstage buchbar sein, und auch einen Fahrdienst wird es geben. Nicht betreut werden können Demenzkranke: „Das geben die Räumlichkeiten nicht her“, sagt Krafft-Otto und verweist auf Bad Heilbrunn, wo es im Ortsteil Oberbuchen eine Tagesdemenzbetreuung gibt.

Für nicht-demenzkranke Senioren gibt es laut der gelernten Krankenschwester dagegen kein vergleichbares Angebot in der Region. Die neue Tagespflege löse zwar nicht das Problem, dass es im Landkreis an Kurzzeit-Pflegeplätzen fehlt. „Aber es ist zumindest eine Alternative.“ Je nach Pflegegrad soll ein Großteil der Besuchstage im Rahmen einer Pflegeversicherung direkt mit der Pflegekasse abgerechnet werden können.

Von der Tagespflege könnten auch die älteren Bewohner des MGH profitieren – und umgekehrt. Als ausgebildete Gedächtnistrainerin könnte sich Jutta Liebl beispielsweise vorstellen, einen entsprechenden Kurs für die Besucher der Tagespflege anzubieten. Im Gegenzug, so die Idee der 68-Jährigen, könnten die Bewohner des MGH, die nicht mehr selbst kochen können oder wollen, auch mal in der Tagespflege mitessen. „Es soll ein Geben und Nehmen werden.“

Kontakt für Interessenten: Wer sich für einen Einzug ins Mehrgenerationenhaus interessiert, kann sich bei Gerhard Grasberger (Telefon 0 80 41/93 54) oder Jutta Liebl (0 88 41/48 98 44) melden. Fragen zur Tagespflege werden per Mail unter toelzer.tagespflege@yahoo.com beantwortet.

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