Laifender Wasserhahn
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Im regelmäßigen Turnus werden Wasserleitungen auf Legionellen geprüft.

Streit zwischen Mieter und Hausverwaltung

Tölzer Mieter ärgert sich über Vorgehen der Hausverwaltung nach Leitungsprüfung - Angst vor Legionellen groß

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Seine Angst vor einer Legionellen-Vergiftung ist groß: Ein Mieter aus Bad Tölz ist verärgert über eine Hausverwaltungsfirma. Sie haben einen Laborbericht nach einer Wasseruntersuchung zu spät ausgehangen.

Bad Tölz – Alle drei Jahre müssen Trinkwasseranlagen in Mehrfamilienhäusern auf Legionellen geprüft werden. Die Bakterien können in höherer Konzentration unter anderem Lungenentzündungen auslösen. Der Prüfpflicht ist die Verwaltung der Häuser am Alten Bahnhofplatz 20-26 auch nachgekommen. Allerdings wurde über die Ergebnisse nur über ein – recht spät – ausgehängtes Infoblatt informiert. Da es in einem Fall zu einer Überschreitung eines Grenzwerts kam, ist die Verunsicherung bei einem der Anwohner groß.

Die Probenentnahme war bereits Ende Juli erfolgt. Mitte August wurde die Hausverwaltung Atrium aus Penzberg über die Ergebnisse informiert. „Keinem der Bewohner oder Besitzer der Wohnungen wurde etwas davon gesagt. Anfang November hing dann in einem der Hauseingänge nur das Blatt, dem zu entnehmen ist, dass der Maximalwert der Legionellenbelastung überschritten ist“, sagt Mieter Werner Sadler. Er ist besorgt: „Mit Legionellen ist nicht zu spaßen. Normalerweise muss man innerhalb von vier Wochen nach der Untersuchung die betroffenen Parteien informieren, erst recht, wenn die Werte überschritten sind.“

Ein Wert um 200 KBE überschritten

Stefan Hermann, Geschäftsführer der Hausverwaltung Atrium, kann den Mieter jedoch beruhigen: „Es wurden 22 Proben entnommen. Nur bei einer gab es einen leicht erhöhten Wert.“ Allgemein gelten laut Marlis Peischer, Sprecherin des Landratsamts, folgende Vorgaben: Ist der Wert einer Wasserprobe unter 100 KBE (Koloniebildende Einheiten) liegt das im normalen Rahmen. „Von 100 bis 1000 KBE ist er mittelhoch, über 1000 KBE hoch, und ab 10 000 KBE liegt eine extrem hohe Konzentration vor.“ In letzterem Fall müssten sofort Konsequenzen gezogen werden. Beispielsweise kann dann ein Duschverbot ausgesprochen werden. Mit dem Wasserdampf, der beim Duschen entsteht, können die Legionellen eingeatmet werden. So gelangen die Bakterien in die Lunge. „Bei der Wasserprobe am Alten Bahnhofplatz war der einzige erhöhte Wert bei 300 KBE“, sagt Hermann. Dies bestätigt Peischer, da die Ergebnisse auch dem Gesundheitsamt vorliegen.

„Mit Legionellen ist nicht zu spaßen“

Werner Sadler und seine Vermieterin sind dennoch verärgert über die verspätete Information. „Uns wurde ja nicht einmal mitgeteilt, wie hoch der Wert ist und welche Parteien das betrifft“, sagt die Vermieterin, die anonym bleiben möchte. Der Geschäftsführer von Atrium bestätigt, „dass wir das Infoblatt zu spät ausgehängt haben. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen. Das tut uns leid.“ Dennoch gebe es „für niemanden Grund zur Panik“. Die Hausverwaltung habe den betroffenen Bewohner, in dessen Wohnung der erhöhte Wert gemessen wurde, bereits informiert und werde erneute Proben entnehmen lassen. Sollten diese die Belastung bestätigen, „werden wir der Ursache auf den Grund gehen“, so Hermann.

Niemand ist direkt geschädigt worden

Generell müssten bei einer mittleren Belastung wie in diesem Fall „innerhalb eines Jahres Maßnahmen zur Minderung ergriffen werden“, erklärt Behörden-Sprecherin Peischer. Dieser Vorgabe werde man nachkommen, verspricht Hermann.

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Sadler hat den Vorgang dennoch bei der Polizei gemeldet, weil er sich um die Gesundheit der Bewohner sorge. „Wenn überhaupt, dann handelt es sich nur um eine Ordnungswidrigkeit“, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer. „Eine Straftat bestünde nur dann, wenn jemand direkt geschädigt worden wäre. Davon kann hier aber nicht die Rede sein.“

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