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Wandertouren durch die heimische Bergwelt bildeten das Programm der „Naturfreunde“.  

Tölzer „Naturfreunde“

Verein löst sich nach 115 Jahren auf

Bad Tölz – Mitgliederschwund: Die Geschichte der Tölzer „Naturfreunde“ ist beendet. Neue Aktive waren nicht zu finden.

115 Jahre Tradition haben ihr Ende gefunden: Die Ortsgruppe des Vereins „Naturfreunde Bad Tölz“ ist aufgelöst worden. Die Versammlung dazu fand am 29. Januar statt, wie einer der beiden Liquidatoren, der Tölzer Friedrich Schell, bekannt gab. Ihm zur Seite steht Franz Josef Janßen aus Wackersberg.

Bekannt wurde die Vereinsauflösung durch den kurzen Anzeigentext, was der Gesetzgeber von jedem Verein verlangt. Dort steht lapidar: „Der Touristenverein ,Die Naturfreunde’ Ortsgruppe Bad Tölz ist aufgelöst.“

Die Naturfreunde Bad Tölz gründeten sich 1910. Die Nationalsozialisten störten sich an den selbstgestalteten Freizeiten und verboten den Verein. Nach 1945 fand die Ortsgruppe wieder zusammen. „Die Naturfreunde hatten in ihrer besten Zeit einmal 200 Mitglieder“, gibt Schell Auskunft.

Der Grund der Vereinsauflösung: Mitgliederschwund. „Zuletzt waren es noch 15 Mitglieder, aber das war uns zu wenig“, erklärt Schell.

Im Veranstaltungsprogramm 2015 wurden über ein Dutzend Termine für die Mitglieder angeboten, eine Fackelwanderung nach Fischbach mit Einkehr, eine Vatertagstour zum Längenberg, eine Mountainbiketour zum Altlachkopf am Walchensee oder eine Familienwanderung auf den Zwiesel. „Früher haben wir zehn bis 15 große Bergtouren im Jahr gemacht“, sagt Janßen, der seit 1989 bei den Naturfreunden war.

Aber nach und nach sei das Vereinsleben ausgelaufen, immer weniger Mitglieder seien gekommen. In den vergangenen Jahren habe es nur mehr ab und zu kleine Wanderungen gegeben.

Schell, seit 1972 Mitglied, führt sein Amt als Vollstrecker der Vereinsauflösung mit Wehmut aus. „Es ist schade, dass ein Verein, den es über 100 Jahre gab, so sang- und klanglos von der Bildfläche verschwindet“, sagt er.

Er und Janßen hatten sich in früheren Jahren im Vorstand engagiert. Ein weiteres Vorstandsmitglied war auch der Tölzer Peter von der Wippel gewesen, der 2009 bei einem Bergabsturz in China ums Leben kam.

Viel zu tun gibt es für die Vollstrecker der Vereinsauflösung nicht. „Es gibt kein Vermögen“, sagt Schell. „Wir hatten auch nie Schulden“, fügt Janßen hinzu. Ein Vereinsheim oder eine Hütte gibt es auch nicht mehr. „Wir hatten eine Hütte im Karwendel gepachtet, aber alle Verträge haben wir schon vor vielen Jahren gekündigt“, erklärt Schell.

Neben den fehlenden Mitgliedern fanden die Verantwortlichen auch keine Nachfolger für die Vorstandsposten. Der letzte Vorstand bestand aus Peter Fischer aus Sauerlach (Vorsitzender), Janßen (Stellvertreter), Schell als Kassier und Christa Schell als Schriftführerin.

Als Ursache sieht Schell den Wandel der Vereine insgesamt. Sie würden immer mehr als Dienstleister betrachtet, so seine Einschätzung. Die Naturfreunde unternahmen Ausflüge in die heimischen Berge. „Das war nicht mehr so gefragt“, so Schell. Janßen stimmt ihm zu: „Was der Alpenverein zu bieten hat, das konnten die Naturfreunde nicht bieten.“

Im Protokoll der letzten Jahreshauptversammlung steht: „Auch nach intensiver Suche und Abfrage ist es nicht gelungen, andere Vereinsmitglieder zur Mitarbeit in der Vorstandschaft zu bewegen.“ Die Hauptversammlung beantragte, die Mitglieder zu einer eigenen Auflösungsversammlung einzuladen. „Wir müssen jetzt nur noch gesetzliche Fristen einhalten“, sagt Schell.

Birgit Botzenhart

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