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Engagiertes Projekt: 2016 organisierte der Verein um Vorstand Sepp van Hüllen (Mitte) für Musikstudenten aus Russland eine Studienreise ins Oberland.

Tölzer Orgelfesttage vor ungewisser Zukunft

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Ausgerechnet im Festjahr zum zehnjährigen Bestehen stehen die Tölzer Orgelfesttage vor großen Problemen. Sepp van Hüllen, Gründer und Vorsitzender des Vereins, ist schwer erkrankt und wird sein Amt zum Jahresende aufgeben.

Bad Tölz – Neben van Hüllen zieht sich auch Organist Hansjörg Albrecht aus der aktiven Arbeit zurück. Der Künstlerische Leiter, der in den vergangenen Jahren nicht nur das Programm zusammenstellte, sondern auch zahlreiche Künstler von Rang und Namen nach Bad Tölz holte, wird sich selbst neuen beruflichen Aufgaben widmen. Albrecht hat unter anderem internationale Verpflichtungen als Solist und Dirigent.

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Bei der Jahresversammlung wurde deshalb vor Kurzem beschlossen, die Orgelfesttage zum Jahresende einzustellen und den Verein der „Freunde und Förderer der Orgelkunst im Tölzer Oberland“ aufzulösen – es sei denn, es findet sich jemand, der die Konzertreihe fortführt. Doch das ist nicht leicht. „In Kürze werden wir ein Gespräch führen“, sagt Sepp van Hüllen auf Nachfrage unserer Zeitung. Einen Namen möchte er nicht nennen, „aber es ist jemand aus der Region“. Der Verein bietet an, einem Nachfolger alles Knowhow inklusive Design, etwa Webseite, kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Konzept muss sich grundlegend ändern

Für van Hüllen ist klar, dass sich mit einem Nachfolger auch das Konzept der Orgelfesttage grundlegend ändern muss. Bislang wurden programmatische „Reisen durch Europa“ durchgeführt, bei denen jeweils Länder und/oder besondere Kompositionen im Mittelpunkt standen. Dazu lud Albrecht hochkarätige Künstler ein. In den vergangenen Jahren begleitete der Bayerische Rundfunk die Orgelfesttage und kam zu Aufnahmen in die Stadtpfarrkirche. Aufgrund des außerordentlich guten Rufs der Reihe bewarben sich zudem viele Künstler um einen Auftritt in der Kurstadt. „Wir werden auch für unsere Rundum-Betreuung sehr geschätzt“, sagt van Hüllen lächelnd. Er holte die Künstler nicht nur vom Flughafen ab, sondern zeigte ihnen auch noch gerne das Tölzer Land. Zudem ermöglichte der Verein Orgelstudenten aus Russland 2016 eine Studien- und Konzertreise ins Oberland. Vielfach geschätzt wurde auch, dass Hansjörg Albrecht in der Franziskanerkirche Orgel-Führungen für Jugendliche und Erwachsene anbot.

„Das Tölzer Publikum entdeckt nicht gerne fremde Personen und neue Werke“

Nur die Konzerte hätten ein paar Besucher mehr vertragen können: Zwar gab es laut van Hüllen „einen harten Kern“ von 40 bis 60 Besuchern, doch finanziell war das Veranstaltungskonzept nicht leicht zu stemmen. „Das Tölzer Publikum entdeckt nicht gerne fremde Personen und neue Werke“, bedauert der Vereinsvorsitzende. „Nur, wenn Einheimische mit dabei sind, ist die Kirche voll.“ Deswegen, sagt er, sei es für einen Nachfolger wichtig, Künstler aus der Region in die Reihe einzubinden.

Alle Konzerte, die heuer zum zehnjährigen Bestehen geplant sind, werden auch stattfinden. Das Motto lautet „Mit Pauken und Trompeten“ – und das kann man für das hochkarätige Angebot durchaus wörtlich nehmen: Zum Auftakt kam der Tölzer Knabenchor, am 28. September tritt der Kölner Domorganist Winfried Bönig auf, und zum Abschluss am 30. November dirigiert Hansjörg Albrecht wieder das Münchner Bach-Orchester in der Tölzer Stadtpfarrkirche.

Für seine Verdienste wird van Hüllen demnächst mit der Isar-Loisach-Medaille ausgezeichnet. Die größte Freude für den Orgelliebhaber wäre freilich, wenn jemand sein „Baby“ fortführen würde.

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