1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Tölzer Unverpackt-Laden eröffnet: Hier kommt dem Kunden nichts in die Tüte

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

null
Freuen sich über die Eröffnung des „Ois ohne“-Ladens: (v. li.) Anna Meßmer, Annelies Erhardt und Madlen Wojciechowski. © Pröhl

Aus einer Vision ist an diesem Montag in Bad Tölz Realität geworden: An der Hindenburgstraße hat der erste Unverpackt-Laden der Stadt eröffnet.

Bad Tölz – Die Vorbereitungen liefen in der vergangenen Woche  auch Hochtouren: Am laufenden Band trafen Waren aller Art in der Hindenburgstraße 11 ein. Stühle wurden noch angestrichen, Behälter mit Müsli, Reis oder Nüssen befüllt, Möbel gerückt. Nach langem Vorlauf war es dann  an diesem Montag um 9 Uhr soweit:  Mit dem „Ois ohne“ hat der erste Unverpackt-Laden in Bad Tölz eröffnet.

Die Geschäfte dort wird Anna Meßmer (23) führen. Letztlich aber ist der Laden im Besitz von über 100 Genossen, die jeweils einen oder mehrere Anteile à 150 Euro gezeichnet haben. Zudem brachte eine Crowdfunding-Aktion übers Internet ein Startkapital von 32 485 Euro ein. Die Parfümerie Wiedemann steuerte zudem 8000 Euro als Spende bei.

Ziel des Ladens ist es nicht zuvorderst, möglichst viel Profit an die Anteilseigner auszuschütten, sondern das Leben ein Stück plastikfreier zu machen. Im „Ois ohne“ wird dem Namen entsprechen alles ohne Verpackung verkauft. Der Kunde sollte selbst einen Behälter mitbringen, in den er dann aus sogenannten Schütten Trockenlebensmittel einfüllt: Getreide, Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte, Gries, Getreide, Tee, Nüsse, Samen, Saaten, Müsli oder Trockenfrüchte etwa. An der Kasse wird dann das vorab festgestellte Gewicht des leeren Behälters von dem des vollen abgezogen. Im Angebot sind auch Reinigungsmittel, Shampoos, Haushaltsbürsten oder Waschmittel zum Selbstabfüllen.

Mittagsgerichte und eine gemütliche Sitzecke

Die Bandbreite der Lieferanten ist groß. „Wir haben überall versucht nachzuschauen, ob es auch einen regionalen Produzenten gibt“, sagt Anna Meßmer. So habe das Team überlegt, welche Nüsse überhaupt in Deutschland angebaut werden können und sei dann auf einen Lieferanten gestoßen, der bei Dachau Haselnüsse kultiviert. Sojabohnen und Hirse beziehe man aus Erding, Quinoa ebenfalls aus Dachau, nennt Meßmer weitere Beispiele. Getreide-Lieferant ist die Off-Mühle in Sindelsdorf. Nudeln aus Eiern vom eigenen Hof bezieht der „Ois ohne“-Laden aus Wackersberg. Auch manch anderes wird laut Meßmer in Tölz und Umgebung hergestellt, mitunter von Einzelpersonen. „Einige nähen zum Beispiel Abschminkpads“, berichtet Anna Meßmer. Aus örtlicher Produktion stammen auch Bienenwachstücher, die man als wiederverwertbare Alternative zur Frischhaltefolie verwenden kann. „Viele, die etwas beisteuern, sind auf uns zugekommen und haben die Sachen angeboten“, sagt die Geschäftsführerin.

Schon öfter hat Meßmer den Einwand zu hören bekommen, dass der Laden selbst seine Waren womöglich verpackt bekomme und lediglich ohne Verpackung weiterverkaufe. „Vieles kommt per Post an, das geht natürlich nicht ganz ohne Verpackung“, räumt Anna Meßmer ein. Allerdings seien die Waren niemals plastikverpackt, sondern würden in der Regel in Papiersäcken angeliefert. So oder so falle durch die Verpackung eines Großgebindes wesentlich weniger Müll an als durch Einzelverpackungen. In vielen Fällen, wie bei der Wackersberger Nudelwerkstatt, habe das „Ois ohne“-Team die Produkte auch tatsächlich selbst vor Ort in Edelstahlbehältern abgeholt.

Dass gar kein Müll entsteht, das ist die erklärte Vorgabe bei den Mittagsgerichten, die im Laden speziell für Schüler angeboten werden sollen. Die sollen zwar zum Mitnehmen geeignet sein, aber eben ohne Verpackungsabfälle. Wie genau das organisiert wird, „da sind wir noch am Austüfteln“, räumt Anna Meßmer ein. Es sei etwa angedacht, Salate im Glas anzubieten. Ob man darauf dann Pfand verlange, müsse man noch festlegen. „Bei den Mittagsgerichten werden wir nicht von null auf hundert starten“, sagt sie. Auf einem Schild vor dem Laden, der ja in der „Einflugschneise“ auf dem Weg zu den benachbarten Schulen liege, werde aber täglich bekannt gemacht, was an der Mittagstafel gerade im Angebot sei.

Was feststeht: Im Laden gibt es eine Ecke mit Tischen und zehn Sitzplätzen. Auch auf der Terrasse vor dem Geschäft können sich die Kunden niederlassen.

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 9 bis 19 Uhr, Samstag, 9 bis 15 Uhr.

Auch interessant: 

Plastikfrei einkaufen: Wenn die Wurst nicht in die Tüte kommt und Lenggrieserin bloggt über Bio-Mode und fordert Revolution im Kleiderschrank

Auch interessant

Kommentare