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Noch können Peter Zuber (vorne) und Stefan Macaluso in der Flinthalle Racquetball spielen. Doch das Ende der Sportart in Bad Tölz steht unmittelbar bevor.

Racquetball

Zum Aussterben verurteilt 

Bad Tölz – Die Tölzer Racquetballer müssen ihre Courts auf der Flinthöhe aufgeben. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die Tölzer Racquetballer sind der Verzweiflung nahe. Sie fühlen sich verraten und verkauft, beklagen Ignoranz und falsche Versprechungen der Stadtväter über Jahre hinweg und sitzen wohl bald auf der Straße. Nach derzeitiger Beschlusslage müssen sie demnächst ihre Heimat aufgeben: die Racquetball-Courts in der Turnhalle der ehemaligen Flint-Kaserne. So sehen sie keine Möglichkeit, ihren Sport weiter auszuüben. „Wir wollten nie, dass uns die Stadt für einen Millionenaufwand einen Palast hinstellt“, sagt Gründungsmitglied Bernhard Treutner. „Aber unsere Alternativvorschläge wurden abgewürgt oder fanden gar keine Beachtung. Wir wollen doch nur unseren Sport weiter ausüben können und damit eine 30-jährige Tradition in Tölz erhalten.“ Am liebsten auch weiterhin in der Flinthalle. „Da wird ein kleiner Verein bewusst kaputtgemacht. Unter Tölzer Sportvereinen muss doch ein Miteinander möglich sein“, sagt Zweiter Vorsitzender Thomas Zuber.

Der Tölzer Racquetball-Club hat rund 80 aktive Mitglieder, die etwa je zur Hälfte Racquetball und Badminton spielen. Er belegt die Flinthalle dreimal drei Stunden wöchentlich. „In der restlichen Zeit könnte die Halle von nahezu jeder anderen Sportart genutzt werden“, sagt Zuber.

Zu hohe Kosten für neue Halle

Im Jahr 2012, als sich bereits abzeichnete, dass die bestehende Halle saniert werden soll, hatte der damalige Zweite Bürgermeister Andreas Wiedemann noch gesagt: „Der Tölzer Stadtrat wird niemals einen Beschluss fassen, der am Bestand des Racquetball-Clubs rütteln wird.“ In der Folge wurde seitens der Stadt ein Anbau für die drei Courts in Richtung Norden für rund 1,2 Millionen Euro geplant. Im Verlauf kristallisierte sich jedoch heraus, dass der Kostenaufwand wegen des belasteten Untergrunds (dort war früher eine Tankstelle der US-Streitkräfte) erheblich steigen würde. „Schon damals machten wir den Vorschlag eines Anbaus in Richtung Süden in kleinerem Umfang“, sagt Zuber. Eine vorläufige Kostenschätzung hätte dabei einen Aufwand von rund 400 000 Euro ergeben. Doch diese Idee fand in der Stadt kein Gehör.

„Der Grund in Richtung Süden gehört zum einen den Stadtwerken und ist zudem als Erweiterungsmöglichkeit für das Hallenbad vorgesehen“, erklärt dazu Bürgermeister Josef Janker auf Nachfrage. Da der geplante nördliche Anbau den Stadträten zu teuer wurde, wurde dann im November 2014 im Rahmen des neuen Tölzer Hallenkonzepts beschlossen, dass die Courts rausgerissen werden, ohne dafür irgendeinen Ersatz zu schaffen. „Nicht immer funktioniert im Leben alles, was man will“, sagt Janker in dem Zusammenhang lapidar. So habe letztlich der Stadtrat etwas anderes beschlossen, als das, „was wir uns ursprünglich gewünscht hatten.“ Den Wünschen der Racquetballer erteilte er eine kategorische Absage: „Dass sie weiterhin in der Halle bleiben, ist nicht akzeptabel. Wir wollen dort gemäß dem neuen Sporthallenkonzept eine echte Zweifach-Halle schaffen.“ Dazu führte er den großen Bedarf der Sportvereine und auch der nahegelegenen Sport-Jugendherberge an: Letztere zählt mittlerweile rund 35 000 Übernachtungen jährlich. „Das ist auch für die Stadt eine Hausnummer.“

Heilbrunn als Alternative?

Als Alternative hatte Janker 2015 die für rund eine Million Euro zum Verkauf stehenden Tennishallen in Bad Heilbrunn ins Spiel gebracht: „Wenn sich da die Racquetballer mit den Tennisvereinen in Bad Tölz und Heilbrunn zusammentun, wäre allen geholfen.“ Zudem seien auf dem Areal auch Squashcourts, eine dem Racquetball ähnliche Sportart und Mietwohnungen vorhanden. Mit Letzteren wären sogar Einnahmen zu generieren. Da könnten doch die einen, vor allem im Winter, Tennis beziehungsweise Badminton spielen und die Squashcourts könnte man für Racquetball umbauen, so der Vorschlag des Rathauschefs.

Doch Zuber winkt ab: „Kein Interesse“ hätte der damalige Tölzer Tennisvorstand Anton Fischhaber signalisiert, und auch der Bichler Tennisclub hatte sich negativ geäußert. Bei den Heilbrunnern habe man dann gar nicht mehr nachgefragt. Außerdem, „standen da Summen im Raum, die wir als kleiner Verein finanziell gar nicht stemmen können. Wir wollen doch nur unseren Sport ausüben und nicht als kommerzieller Vermieter auftreten“, sagt Marcus Rieger. Die Racquetballer sind bereit, Abstriche zu machen: „Mit einem Court könnten wir wenigstens trainieren. Zwei wären super, um Turniere ausrichten zu können.“ So haben sie als aktuell letzte Idee der Stadt den Vorschlag unterbreitet, zumindest einen Court in der dann sanierten Flint-Halle in Längsrichtung wieder einzubauen. „Dann würden wir von den insgesamt 40 Metern Länge der Halle nur noch sechs Meter benötigen. Damit fände jede andere Sportart mit Ausnahme des Handball-Punktspielbetriebs dort auch ausreichend Platz.“ Handball-Spiele könnten nämlich genau wie auch in der neuerbauten Zweifach-Turnhalle an der Mittelschule-Süd sowieso nicht ausgetragen werden. Die Handballer des Tölzer Turnvereins bestätigen, dass der Platz zum Trainieren zwar ausreiche. Für ein offizielles Handballfeld fehlten bei insgesamt 40 Metern Länge aber ein bis zwei Meter.

Dass die Stadt angeboten hat, zumindest die ausgebauten großen Scheiben der Racquetball-Courts im Bauhof einzulagern, entlockt den Vereinsmitgliedern nur ein müdes Lächeln: „Was sollen wir damit ohne geeignete Halle anfangen? So gehen wir halt sang- und klanglos unter. Racquetball in Bad Tölz ist zum Aussterben verurteilt.“

Ewald Scheitterer

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