Tölzer soll seine Freundin geschlagen haben

Possenspiel vor Gericht

Eine junge Frau zeigt ihren Ex-Freund bei der Polizei an: Der Mann (24) soll sie in seiner Tölzer Wohnung mit der Faust in die Rippen und in den Rücken geschlagen haben. Zudem soll er gedroht haben, Handybilder, die die Frau (20) in Unterwäsche zeigen, an ihren Vater zu senden. Deshalb musste sich der Mann nun vor Gericht verantworten.

Bad Tölz/Wolfratshausen –  Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung - das waren die Vorwürfe, mit denen sich der Kundenbetreuer vor Gericht konfrontiert sah. Dort nahm die Geschädigte allerdings  alle Anschuldigungen zurück, bezichtigte sich selbst der Falschaussage. Geholfen hat es dem Angeklagten nicht: Der zur Tatzeit Anfang Oktober vorigen Jahres unter offener Bewährung stehende Kundenbetreuer wurde zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Der mehrfach vorbestrafte junge Mann gab sich selbstsicher. „Das war alles gar nicht so. Das Schlagen stimmt nicht, das Drohen auch nicht“, erklärte er, nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen hatte. Man habe gestritten, sei dann aber auseinander gegangen. Später sei seine Freundin von einer Bekannten „manipuliert“ und zur Anzeige überredet worden. „Um mich aus dem Verkehr zu ziehen. Sie weiß, dass ich auf Bewährung bin“, begründete der Angeklagte seinen Verdacht und lehnte sich entspannt zurück.

Der Auftritt seiner Ex schien ihn zu bestätigen. Nach eindringlicher Belehrung durch Richter Helmut Berger, „keinen Unsinn“ zu erzählen („wir nutzen den Strafrahmen aus, wenn jemand meint, uns hier vorführen zu wollen“) erklärte die Auszubildende: „Ich habe eine Falschaussage getätigt.“ Die ganze Aktion sei ein „abgekartetes Spiel“ gewesen. „Ich wollte ihm wehtun. Das tut mir leid“, beteuerte die Zeugin.

Auch die Sache mit den Handybildern habe sie sich „nur ausgedacht“. Und ihre Freundin sei von ihr zu bestimmten Aussagen angestiftet worden. „Ich habe ihr gesagt, was sie sagen soll“, sagte die Geschädigte, die auf dem Gerichtsflur mit ihrer ehemaligen Freundin und Kollegin so heftig aneinandergeraten war, dass sich ein Wachtmeister bis zu ihrer Vernehmung zwischen die Damen setzen musste. Davon unbeeindruckt berichtete die Zeugin (28) später, wie ihr die 20-Jährige seinerzeit ihre blauen Flecken am Rücken gezeigt habe. Deshalb habe sie ihr empfohlen, zur Polizei zu gehen.

„Ich hoffe, die Show war’s wert – für beide“, hielt Staatsanwalt Michael Steinlein in seinem Plädoyer mit seiner Meinung zum Auftritt des Paares nicht hinterm Berg. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten – ohne Bewährung. „Bewährung ist Vertrauenssache, aber dazu gibt’s hier schlicht keinen Anlass“, so der Anklagevertreter. Die Verteidigung forderte Freispruch. „Ich habe wirklich nichts gemacht“, beteuerte der Angeklagte.

Richter Helmut Berger erklärte die Vorstellung des Angeklagten und seiner Ex zum „Possenspiel“ und stellte fest: „Er ist nicht das Lämmchen, als das er sich hier darstellt.“ Mit seinem Strafmaß von einem Jahr und zwei Monaten blieb Berger nur unwesentlich unter dem Antrag des Staatsanwalts. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der ehemaligen Freundin, die ebenso wie der Angeklagte inzwischen aus Bad Tölz verzogen ist, droht nun ein Verfahren wegen Falschaussage und Vortäuschen einer Straftat. rst

Rubriklistenbild: © dpa

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