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Schön, aber nicht wirtschaftlich zu bauen und zu betreiben: Der Spa-Entwurf von Titus Pernthaler aus Graz. 

War‘s das mit der Hotelkultur?

Tölzer Spa: Das Ende einer Vision

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Es sollte ein „Leuchtturm“-Projekt für den Tölzer Tourismus werden. Jetzt ist das geplante Spa an der Arzbacher Straße Geschichte. Der Stadtrat hat den Wellness-Tempel beerdigt – und damit eigentlich auch die „Neue Tölzer Hotelkultur“.

Bad Tölz– Die „Neue Tölzer Hotelkultur und Renaissance des Bäderviertels“ war eine schöne Vision, gedruckt auf schönem Papier: Auf den drei Säulen Gesundheit, Tagungen und Wellness sollte der Tölzer Tourismus ruhen. Bei der Vorstellung 2011 ging es noch um eine Nachnutzung des Alpamares. „Wo heute gerutscht wird, entsteht ein elitärer Wellness- und Spa-Bereich“, sagte Berater Michel D. Maass, früher Vorstandsmitglied der Hotelkette Kempinski, bei der Vorstellung des Konzepts. Neben der Wandelhalle sollten Tagungsstätten und Eventflächen den „Seminar-Campus“ bilden. An der Arzbacher Straße sollte das „Gesundheitsforum“ mit medizinischen Einrichtungen entstehen. Und natürlich war von Hotels die Rede – an der Arzbacher Straße, aber auch auf dem Kolbergarten-Parkplatz.

Nichts davon wurde verwirklicht. Nur im Bereich Gesundheit ist die Stadt beispielsweise mit dem Bau des Vital-Zentrums oder der eMotion-Base vorangekommen. Nach der Schließung des Alpamare und des „Jodquellenhofs“ ist eine „Renaissance des Bäderviertels“ in weite Ferne gerückt – auch weil eine Einigung mit der Jod AG nicht möglich erscheint. Zu weit liegen die Vorstellungen von Anton Hoefter (Wohnbebauung) und Stadt (touristische Nutzung) auseinander. Auch den Begriff „Neue Tölzer Hotelkultur“ will Kämmerer Hermann Forster eigentlich „gar nicht mehr so gerne in den Mund nehmen. Er ist belastet“, sagt er. „Wir werden in einen Findungsprozess einsteigen müssen, wie der Tourismus in Tölz künftig aussehen soll.“

Hotelkultur – „derBegriff ist belastet“

Von dem Traum neuer Hotels hat sich die Stadt nicht verabschiedet – auch, weil man Betten dringend brauche, betont Bürgermeister Josef Janker. „Die Tourist-Info hat Anfragen noch und noch und kann die Leute einfach nicht unterbringen.“ Und Bad Tölz sei ein attraktives Ziel, sagt der Rathauschef und macht das an einem Beispiel fest: Im Februar 2019 werden die Volks- und Raiffeisenbanken die Geno-Winterspiele in und um Bad Tölz ausrichten. 2000 Gäste werden erwartet – viel zu viele für die Tölzer Hotelkapazitäten. „Ohne das Umland können wir das nicht stemmen“, sagt Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt. Daher beobachte man auch die angestrebte Ansiedlung eines Wellness-Hotels in Bad Heilbrunn oder den Ausbau des Strasserhofs in Wackersberg nicht skeptisch, sondern interessiert. „Alle neuen Hotels sind ein Gewinn für die Region“, sagt Bauamtsleiter Christian Fürstberger.

Aber auch die Stadt sei natürlich weiterhin „mit Hotel-Playern im Gespräch“, betont er. Der Standort Arzbacher Straße sei nicht vom Tisch. Dafür einen ernsthaften Interessenten zu finden, könnte allerdings schwierig sein – so lange Gegner eines Hotels auf diesem Grundstück versuchen, einen Bürgerentscheid durchzusetzen.

Bauamtsleiter: „Von der Ideesind wir geheilt“

Dass die Pläne für das Spa an der Bockschützstraße geplatzt sind, schmerzt. „Aber irgendwann ist man an einem Punkt, an dem man sich fragen muss, ob ein Projekt eine Chance hat. Und wenn man erkennt, dass es sinnlos ist, muss man aufhören – auch wenn bereits Geld eingesetzt wurde“, sagt Janker. Knapp 200 000 Euro kostete der Architektenwettbewerb. Der Siegerentwurf ist schön. Doch potenzielle Betreiber halten die zehn bis zwölf Millionen Euro Baukosten und die künftigen Unterhaltskosten für viel zu hoch, um sie refinanzieren zu können. „Wir haben die Betreiber einen Schritt zu spät mit ins Boot geholt“, sagt Forster. Auch einen Architektenwettbewerb wird es in Tölz wohl nicht wieder geben. „Von dieser Idee sind wir geheilt“, ergänzt Fürstberger. Das Problem sei, dass die Jury mehrheitlich aus Architekten bestehe. Und für die zählt oft nur die Form, weniger die Funktion. „Betreiber von Spa-Anlagen sagen: ,Bau mir einfach eine Lagerhalle, ich bau die dann aus“, so Fürstberger.

Dass man sich nun ohne Gegenwehr von dem Projekt verabschiedet, liegt vielleicht auch daran, „dass es von der Bevölkerung und den Gastgebern keine Unterstützung gab“, sagt Fürstberger. „Wir haben die Fahne hochgehalten, aber da kam nichts“, ergänzt Janker.

Könnte es daran liegen, dass sich die Bürger eher ein Familienbad als ein Spa wünschen? Könnte man nicht das Hallenbad ausbauen? Forster zögert. Hallenbäder sind, was den jährlichen Unterhalt angeht, teuer. Und das Defizit steigt mit wachsenden Wasserflächen. Wenn man bereit sei, ein sechsstelliges Defizit jedes Jahr zu tragen, könne man das machen, sagt Forster. „Aber“, ergänzt Fürstberger, „einen touristischen Faktor hat der Standort auf der Flinthöhe nicht.“

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