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Gedruckt statt digital: Die Besucher der Tölzer Stadtbibliothek ziehen Bücher dem E-Book vor. 

Überraschende Bilanz

Tölzer Stadtbibliothek-Chefin: Nur fünf Prozent lesen E-Books

Überraschend viele Menschen greifen in der Tölzer Stadtbibliothek noch zum altbewährten Buch. Hier gibt es bemerkenswerte Zahlen zur Stadtbücherei. 

Bad Tölz – Nein, das gedruckte Buch werde so schnell nicht an Bedeutung verlieren. Davon ist die Leiterin der Tölzer Stadtbibliothek, Melanie Sappl, überzeugt, die im Tölzer Finanzausschuss ihren Jahresbericht vorlegte. Sie beantwortete eine Frage von Peter Wiedemann (FWG) nach der digitalen Zukunft der kleinen, aber feinen Bibliothek im ehemaligen Tölzer Amtsgericht. Trotz vieler Anstrengungen der Verlage, das E-Book an den Mann oder die Frau zu bringen, nützten „nur fünf Prozent der Leser E-Books“, sagte Sappl. Der Umsatzanteil am deutschen Buchmarkt stagniert bei 4,6 Prozent, wie das Internet verrät. Die Leser bleiben also dem gedruckten Buch treu.

Ansonsten hat die Tölzer Bücherei (Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart: „ein Kleinod“) ein zufriedenstellendes Jahr hinter sich gebracht. Die Nutzerzahlen weisen eine über die Jahre gleichbleibend hohe Besucherfrequenz aus. 176 000 Medien wurden 2017 von 65 000 Besuchern ausgeliehen, das ist etwas weniger als 2016 (179 000). Die Kurbücherei liegt bei 16 100 (16 800). Statistisch leiht jeder Tölzer im Jahr neun Medien aus. Aussuchen konnten die Interessenten aus 41 400 Medien. Das 350 000-Euro- Budget wurde 2017 um 11 000 Euro unterschritten.

775 Schüler nutzten 2017 das Angebot

Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten funktioniert, wie Sappl ausführte. 31 Kindergartengruppen und Klassen mit insgesamt 775 Schülern nützten das Angebot der Bibliothek. Vorlesewettbewerb, Bilderbuchkino, Literaturkreis und spezielle Lernangebote für Asylbewerber würden gut angenommen. Ein Höhepunkt des Jahres 2017 war die Aktion „StadtLesen“, als sich die Fußgängerzone Marktstraße im Juli in einen gemütlichen Open-Air-Lesesaal verwandelte. Das Wetter spielte mit, wie sich Sappl freute, und viele nutzten die Gelegenheit, es sich auf einen Sitzsack gemütlich zu machen und in einem von rund 3000 Büchern zu schmökern. Sappl: „Ich war echt geplättet, wie gut das funktioniert hat.“

Auch das Tölzer Thomas-Mann-Jahr hat seinen Niederschlag in den Zahlen der Bibliothek gefunden. Melanie Sappl hatte eigens für den Organisator Christof Botzenhart ermittelt und herausgefunden, dass „Der Zauberberg“, ein Schlüsselwerk von Thomas Mann, im vergangenen Jahr 55-mal ausgeliehen wurde. „Aber ob’s dann wirklich gelesen worden ist, weiß ich natürlich nicht.“

Ulrike Bomhard (FWG) interessierte sich dafür, ob man nicht wie in anderen Orten einen öffentlichen Bücherschrank aufstellen sollte, in dem Passanten jederzeit Bücher entnehmen und ausgemusterte hineinstellen können. Sappl kennt solche Angebote von ihrer alten Büchereistelle in Königsbrunn. „Das wird gut angenommen.“ So ein öffentlicher Bücherschrank müsse aber sehr aufwendig betreut werden. Einmal die Woche müsse das Altpapier entsorgt werden. „Bücherspenden ist ein schwieriges Thema.“ Es wurde kein Beschluss gefasst.

Lesen Sie hier: Wie eine Stadtbibliothek zum digitalen Lern-Ort wird.

Christoph Schnitzer

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