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Konzipierten gemeinsam den neuen Museumsbereich (v. li.): Raumausstatterin und Sattlerin Kerstin Mutschall, die die Sitzbank polsterte, die Gestalter Stefan Haslbeck und Anne Schneider mit Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker.

Tölzer Stadtmuseum: Erweiterung mit Turbulenzen

Bad Tölz - Im Museum einige Räume neu gestalten – das klingt nach einer anspruchvollen, aber nicht nervenzerfetzenden Aufgabe. Tatsächlich können die Arbeiten aber sehr, sehr aufregend sein – vor allem wenn die Ausstellungsmacher mit so vielen Hiobsbotschaften zu kämpfen haben wie bei der jüngsten Umgestaltung des Tölzer Stadtmuseums.

Um zu erahnen, wie spannend die vergangenen Tagen für die Organisatoren waren, mussten die Besucher am Samstagnachmittag nur mal versuchen, vorab die neuen Ausstellungsräume im ersten Stockwerk zu betreten. Wer dies wollte, bekam es mit der gut gelaunten Museums-Mitarbeiterin Barbara Hüttner zu tun. „Ich bin der Höllenhund – an mir kommt keiner vorbei“, teilte sie den Besuchern grinsend mit. Für ihren energischen Auftritt gab es gute Gründe. Hinter ihr werkelten fieberhaft die Handwerker. Selbst als ein Stockwerk höher schon die Eröffnungs-Reden gehalten wurden, gab es keine Anzeichen von Entspannung. „Jede Eröffnung ist turbulent“, kommentierte Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker. „Bei anderen Ausstellungen haben wir auch bis zwei Stunden vor Beginn gearbeitet.“

Und doch waren die Vorkommnisse dieses Mal ungewöhnlich. So war eine Metallbau-Firma mit dem Bau der Vitrinen beauftragt worden. Kurz vor der Eröffnung erlitt einer der Inhaber einen Schlaganfall. Entsprechend große Probleme hatte der Betrieb, die Vitrinen rechtzeitig zu liefern. Noch tragischer ist die Geschichte, die hinter dem ausgestellten Kachelofen steckt. Der Ofen, der seit Urzeiten in dem Haus stand, wurde vor ein paar Jahren abgebaut und bei Theo Holtebrinck eingelagert. Als die Neukonzeption der Räume anstand, erkundigte sich Hinterstocker bei ihm, ob es möglich sei, den Ofen wieder im Stadtmuseum aufzubauen. „Kein Problem“, antwortete der Experte für antike Kachelöfen. „In zwei Tagen steht er.“ Die beiden sprachen immer wieder miteinander, doch dann riss der Kontakt ab. Weder auf E-Mails noch auf Anrufe bekam Hinterstocker eine Antwort. Warum, erfuhr die Museumsleiterin wenig später: „Da hat mir jemand die Sterbe-Anzeige gezeigt.“

Holtebricks Sohn teilte der Museumsleiterin dann jedoch mit, dass er den Ofen unbedingt aufbauen wolle. Er erachte dies als Geschenk an seinen verstorbenen Vater. Unmöglich könne er das jedoch alleine bewerkstelligen. Holtebrinck setzte sich mit Gabriele Platt in Verbindung, einer Expertin für antike Kachelöfen aus Achenkirch. Noch am selben Tag machte sie sich an die Arbeit und kam schnell zur Erkenntnis: „Der Aufbau ist unmöglich rechtzeitig zu schaffen.“ Der Ofen hatte sich als Trümmerhaufen erwiesen, etliche Kacheln fehlten oder waren kaputt. Platt musste neue Kacheln gießen. Um doch noch pünktlich fertig zu werden, kam sie einen Tag vor der Eröffnung ins Stadtmuseum und arbeitete die ganze Nacht durch. Und tatsächlich: Der Kachelofen stand zum Termin, nur an ein paar Details muss noch gefeilt werden.

Patrick Staar

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