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Opern von Carl Orff kann man derzeit nur im Tölzer Marionettentheater sehen. Unser Bild zeigt eine Szene aus „Die Kluge“, nämlich die drei Gauner im Weinfass.  

Zum Jubiläum 

Tölzer Theater inszeniert „Nußknacker“ neu

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Das Tölzer Marionettentheater feiert 2018 das 110-jährige Bestehen – und fürchtet die zunehmende Veranstaltungskonkurrenz.

Bad Tölz– Im kommenden Jahr wird das Tölzer Marionettentheater 110 Jahre alt. Voraussichtlich im Oktober, berichtet Theaterleiter Albert Maly-Motta, werde dieser besondere Tag gefeiert. Aus diesem Anlass will das Theater-Team das Ballett „Der Nußknacker“ neu inszenieren. Maly-Motta, der ein großes Faible für Technik hat, denkt schon lange darüber nach, wie er die Märchen-Erzählung entsprechend auf die Bühne bringen kann. „Die neue Inszenierung wird auf jeden Fall aufwendiger und länger sein als die jetzige“, kündigt er an.

Das Theater am Tölzer Schlossplatz bietet jeden Samstagabend eine Opern-Vorstellung an, nur ab Mitte Dezember wird stattdessen die beliebte Lesung der Heiligen Nacht durchgeführt. Ansonsten stehen „Die Entführung aus dem Serail“, „Die Kluge“, „Der Mond“, die „Zauberflöte“ und „Der Barbier von Sevilla“ abwechselnd auf dem Programm, hinzu kommen noch „Der Brandner Kaspar“, das Science-Fiction-Stück „Der Kristallplanet“ oder das besondere Programm „Die Welt am Faden“. Hier kann das Publikum sogar sehen, wie Marionettenspieler die Puppen führen.

Dass das neue Programmkino am Tölzer Amortplatz jetzt auch immer wieder Opernaufführungen anbietet, beobachtet Maly-Motta mit Sorge, auch wenn Genre und Repertoire ganz unterschiedlich sind. „Es bedeutet einen Konkurrenten mehr auf dem Markt“, sagt Maly-Motta.

Wie sehr werden denn Opern im Marionettentheater nachgefragt? „Es ist unterschiedlich“, sagt Maly-Motta offen. Mal seien die knapp 100 Plätze alle besetzt, mal seien es nur zehn Besucher. „Die ,Zauberflöte‘ und der ,Brandner Kaspar‘ sind sehr beliebt“, sagt der Theaterleiter. Zu den Orff-Stücken hingegen würden weniger Besucher kommen. Maly-Motta vermutet, dass nur wenige Leute wissen, dass es in Bad Tölz die seltene Gelegenheit gibt, Opern von Carl Orff zu sehen. „Nach dem Wegfall des Orff-Festivals in Andechs sind wir momentan die einzigen, die den Komponisten spielen.“

Auch das Programm „Welt am Faden“ könnte mehr Besucher vertragen, sagt Maly-Motta. Hier, so vermutet er, sei der Bekanntheitsgrad ebenfalls nicht so groß. In dem Stück zeigen die Puppenspieler eine Auswahl der schönsten Figuren und erklären, wie man sie spielt. Zu sehen sind zum Beispiel die „Tölzer Ratschkathl“, eine Bauchtänzerin, ein unbeholfenes Balletthäschen, das Polka tanzt oder ein Pinguin, der mit der Stimme von Roy Black singt. Auch die Zugabe ist etwas Besonderes. Das Stück führen die Tölzer Puppenspieler auch auf anderen Bühnen auf.

Ungebrochen ist hingegen die Begeisterung von Kindern. Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, kommen dutzende Kindergärten aus der ganzen Region zu Vormittagsvorstellungen. Aufgeführt wird zum Beispiel „Das Geschenk vom Nikolaus“. „Diese Vorstellungen sind jedes Jahr der Renner bei den Kleinen“, sagt Maly-Motta. Nicht selten komme es vor, dass die Kinder aufgrund der Begeisterung Monate später dann mit den Eltern anrücken. Der Klassiker im Programm ist „Der Froschkönig“.

„Kinder lieben Märchen wegen den archaischen Typendarstellungen und vielen Ur-Situationen mit Gut und Böse“, sagt der Theaterleiter und fügt schmunzelnd hinzu: „Erwachsene aber auch. Und nicht selten kommt es vor, dass die Eltern die Begeisterung ihrer Kinder als Grund für den Besuch vorschieben.“

Maly-Motta hat aber auch beobachtet, dass die Kinder im Vergleich zu früher nicht mehr so lange konzentriert bleiben können. „90 Minuten Vorstellung gehen nicht mehr. Jetzt sind 60 Minuten die Obergrenze.“

Infos zum Programm

Bis Weihnachten stehen noch einige besondere Vorstellungen auf dem Programm, in den Ferien und ab Januar läuft dann wieder der reguläre Betrieb. Infos im Internet auf www.marionetten-toelz.de.

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