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Geschäftsfrau mit Leib und Seele: Rita Braun vor ih rem Trachtenladen am Amortplatz in Bad Tölz.

Tölzer Trachten-Institution ist tot

Trauer um Rita Braun

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Sie war eine Geschäftsfrau bis ins hohe Alter und liebte die Geselligkeit. In den letzten Lebensmonaten aber ist es still geworden um sie. In der Nacht zum Mittwoch erlag Rita Braun (87) einem Krebsleiden.

Bad Tölz – Schon seit Weihnachten wusste Rita Braun, dass es mit ihrer Gesundheit nicht mehr zum Besten bestellt war. Aber immer wieder unterbrach sie ihre Krankenhausaufenthalte, um in ihrem Trachtengeschäft an der Isarbrücke nach dem Rechten zu sehen. Seit gestern klebt ein Schild an der Eingangstür: Wegen Todesfall geschlossen.

50 Jahre lang war „Trachten Kirner“ am Amortplatz eine Institution in Bad Tölz. „Rita Braun war eine vorbildhafte Geschäftsfrau“, sagt Hertha Schermann. Sie kümmerte sich um ihre Bekannte und hat sie in den vergangenen Wochen oft im Krankenhaus in Weilheim besucht, denn „sie hatte zuletzt niemanden, der sich ihrer angenommen hat“. In der Nacht zum Mittwoch ging die Kraft der 87-Jährigen zu Ende.

„Wir haben uns gut verstanden“, sagt Schermann, die selbst ein großes Trachtengeschäft führt. In vielen Gesprächen entdeckten die beiden Frauen Parallelen in ihren Lebenswegen. „Rita hat sich immer wieder aufgerappelt und ist Tag für Tag in ihrem Laden gestanden, auch im hohen Alter.“ Schermann ist überzeugt: „Das hat sie jung gehalten.“

Als junges Flüchtlings-Mädchen kam Rita Braun aus der ehemaligen Tschechoslowakei nach Bad Tölz und gründete 1949 Trachten Kirner – damals noch am Khannturm in der Tölzer Marktstraße. 1967 – also vor 50 Jahren – zog sie damit an den Amortplatz um. In dem ehemaligen „Bruckbräu“ war Anton Krettner zur Welt gekommen, der Komponist des bekannten „Tölzer Schützenmarsches“. In der früheren Gaststätte bestimmten nun Dirndl und Lederhosen das Bild. Rita Braun baute ihr Trachten-Imperium auf – und verkaufte als eine der ersten in ihrer Branche Konfektionsware.

„Society“-Kunden Liz Taylor und Petra Schürmann

In den vielen verwinkelten Verkaufsräumen gab sich im Lauf der Jahre die Prominenz die Klinke in die Hand. Zu den „Society“-Kunden zählten unter anderem Petra Schürmann, Ingrid van Bergen, Liz Taylor und Ulknudel Ingrid Steeger, die bald dem Freundeskreis der Geschäftsfrau angehörte. Auch mit dem Hollywood-Astrologen Carroll Righter ließ sich die Geschäftsfrau gerne fotografieren. Der Erfolg von Rita Braun ist nach Überzeugung Schermanns auf ihre Auftritte in München, Hamburg und Berlin zurückzuführen. „Sie hat schon vor 50 Jahren Messen veranstaltet und dabei überall Kontakte geknüpft.“ Sie habe so ganz nebenbei Bad Tölz in ganz Deutschland repräsentiert. Ihre Tüchtigkeit war eines ihrer Erfolgsrezepte. „Von Rita Braun habe ich gelernt, dass man sich nicht gehen lässt und dass man seinen Mann oder besser gesagt seine Frau steht“, berichtet Schermann.

Ausstieg immer wieder verschoben

In den vergangenen Jahren hat Rita Braun mehrfach versucht, ihr Geschäft in jüngere Hände zu geben. Immer wieder hat sie sich mit dem Ausstieg aus dem Beruf auseinandergesetzt. „Und immer wieder habe ich es hinausgeschoben“, sagte sie noch 2015, als sie in der Heimatzeitung den allerletzten Räumungsverkauf ankündigte. „Ich wünsche mir einen guten Nachfolger“, hatte sie damals gesagt. Aber es müsse halt auch das Geschäftliche passen. Da war ein Interessent abgesprungen, weil er den großen Warenbestand nicht übernehmen wollte. Ein anderer Käufer soll sich an den alten Räumlichkeiten gestört haben, die man längst auf Vordermann hätte bringen müssen. „Es war für Rita Braun nicht leicht, den richtigen Nachfolger zu finden“, erzählt Schermann.

Wer das Erbe antritt, ist noch offen. Auch ein Termin für die Beisetzung ist nach Angaben des Betreuers bislang nicht bekannt.

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