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Die im Tölzer Farchet ansässige Firma „Kerzen Steinhart“ schließt zum 22. Dezember.

Tölzer Traditionsbetrieb schließt

Bei Steinhart gehen die Kerzen aus

Es ist ein Tölzer Traditionsunternehmen: Kerzen Steinhart. Doch am 22. Dezember gehen dort für immer die Lichter aus. 

Bad Tölz – „Nächstes Jahr hätten wir 80-jähriges Firmenjubiläum gehabt“, sagt Simon Steinhart. Dabei blickt der Chef des Traditionsunternehmens „Kerzen Steinhart“ im Tölzer Farchet etwas wehmütig auf seine Kerzen-Kollektion, die jetzt mit 50 Prozent Rabatt zum Abverkauf steht. Denn am Freitag, 22. Dezember, ist endgültig Schluss.

Es gibt einige Gründe warum Steinhart zur Überzeugung gelangt ist: „Es rentiert sich einfach nicht mehr.“ Einer davon sei, dass ihm die Kunden wegbrechen: „Mein Hauptklientel war der klassische Einzelhandel. Und hier haben wir seit Langem einen Rückgang von jährlich zwischen fünf und zehn Prozent.“ Dass die kleinen Geschäfte in immer größerer Zahl aufgeben müssen, liege mit am wachsenden Internet-Handel. „Ausschlaggebend“ sei für Steinharts Entscheidung letztlich gewesen, dass seine beiden Söhne kein Interesse gezeigt hätten, die Firma weiterzuführen. „Und dafür habe ich in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage sogar Verständnis“, sagt der Vater.

Wehmütig blickt Simon Steinhart auf sein Sortiment, das jetzt mit 50 Prozent Rabatt zum Abverkauf steht. 

Nachdem er im Sommer beschlossen hatte aufzuhören, habe ihn das Tempo, mit dem es jetzt zu Ende geht, selbst überrascht: „Ich habe anfangs so mit einem Zeitraum von etwa zwei Jahren gerechnet. Doch dann stand plötzlich ein Käufer für die Immobilie vor der Tür.“ Und so werden dort, wo bislang Kerzen in allen erdenklichen Variationen entstanden sind, künftig Schaltkästen für Gebäude-Automationen gebaut.

Gegründet hatte die Firma 1938 in München Simon Steinharts Großvater Franz, der aus einer Kerzenhändler-Familie aus Krumbach stammte. Nachdem das Geschäft ausgebombt worden war, verschlug es die Familie 1943 nach Bad Tölz. Die Söhne des Firmengründers, Klaus und Wolfgang Steinhart, führten dann den Betrieb im Isarwinkel weiter.  Klaus, der Vater des heutigen Chefs, übergab vor zwölf Jahren die Firmenleitung. Simon Steinhart arbeitet seit 35 Jahren in dem Unternehmen mit.

Etwa so lange wurde auch im Farchet produziert. Zuvor waren die Kerzen neben dem Handel in Bad Tölz lediglich verziert und veredelt worden. „Gerade mit unseren großen und übergroßen Kerzen hatten wir da fast eine Monopol-Stellung.“ Da die wirtschaftlichen Gegebenheiten immer schwieriger wurden, habe er sich seit etwa zwei oder drei Jahren mit dem Gedanken getragen aufzuhören: „Mein Entschluss war sicher nicht leichtfertig, sondern wohlüberlegt. Und außerdem: Ich bin überzeugt, dass ich in Deutschland nicht der erste Kerzenhändler bin, der aufgibt, und ich werde auch ganz sicher nicht der letzte sein.“

Mit der Schließung werden „acht langjährige, gute Mitarbeiter leider ihren Arbeitsplatz verlieren“. Für Interessenten, die beim Abverkauf ein Kerzen-Schnäppchen machen wollen, ist montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Wer Wachskerzen für den Christbaum sucht, sollte sich beeilen – es gibt nur noch Restbestände.Ewald Scheitterer

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