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Wasser aus dem heimischen Hahn kann in der Region bedenkenlos getrunken werden.

Gesundheit

Tölzer Trinkwasser: Nitrat ist kein Problem – das soll so bleiben

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Weil relativ wenig gedüngt wird, ist das Tölzer Trinkwasser kaum belastet. Derzeit laufen Verhandlungen, wie man die Quellen schützen kann.

Bad Tölz – Das Bundesumweltamt schlug dieser Tage Alarm: Deutschlands Grundwasser sei wegen zu starkem Düngereinsatz stark mit Nitrat belastet. Die Reinigung komme die Wasserversorger teuer – und damit auch dem Verbraucher, der mit um bis zu 45 Prozent steigenden Wasserpreisen zu rechnen habe. Deutlich entspannter stellt sich die Lage in Bad Tölz dar: „Wir können uns glücklich schätzen“, erklärt Stadtwerke-Chef Walter Huber auf Anfrage. „Wir haben in unserer Region mit Nitratbelastung keine Probleme.“ Damit das so bleibt, müsse man aber wachsam bleiben – etwa bei den aktuellen Verhandlungen über die Neuausweisung des für Tölz relevanten Wasserschutzgebiets.

Ob Jachenau, Lenggries oder Tölz – überall entlang der Alpenkette sei die Nitratbelastung gering, erklärt Huber. „Sie liegt höchstens bei einem Zehntel des Grenzwerts“, stellt er fest und spricht „unseren Bauern ein großes Lob“ aus. Denn sie würden in der Region viel weniger Dünger einsetzen. „Das hängt allein schon mit der Grünlandwirtschaft zusammen“, erklärt der Stadtwerke-Chef. „Wir haben Glück, dass es bei uns keine Schweinemastbetriebe gibt – dann sähe die Sache ganz anders aus.“

Tölzer Trinkwasser kommt aus vier Gaißacher Brunnen

Für Oberbayern gelte zudem, dass sich im Trinkwasser praktisch keine Schadstoffe fänden. So gebe es keinerlei Spuren von Antibiotika, und auch mit Kunststoffresten im Wasser gebe es kein Problem, wie etwa in Stuttgart, das sein Trinkwasser aus dem Bodensee beziehe. „Unser Trinkwasser ist im Wesentlichen Regenwasser – und oberhalb von uns gibt’s keine Industrie“, beschreibt Huber die günstigen Rahmenbedingungen.

Tölz beziehe sein Trinkwasser zum Großteil aus vier Brunnen in Gaißach-Rain. „Jeweils zwei davon liegen dicht beieinander, dazwischen liegt der Brunnen für Gaißach“, erklärt Huber. Etwa zehn Prozent des Wassers für Tölz komme aus der Biburgquelle nahe der Wackersberger Quelle in Höfen.

Aktuell gibt es Debatten um die fällige Ausweisung neuer Schutzzonen rund um die Gaißacher Quellen, die die Stadtwerke beim Landratsamt beantragt hat, da die bisherigen Bestimmungen ausgelaufen seien, so Huber. Wie er weiter erläutert, gibt es rund um die Quellen verschiedene Schutzzonen – bezeichnet mit 1, 2a, 2b und 3 –, in denen es absolute bis leichtere Einschränkungen für die landwirtschaftliche Nutzung gibt und in denen auch große Bauprojekte erschwert möglich sind. „Denn bei jeder Baumaßnahme wird die Humusschicht aufgerissen, die der beste Filter für das Wasser ist“, erklärt Huber. Die dritte und am wenigsten strenge Schutzzone ende an der sogenannten 50-Tage-Linie – bezogen auf die Stelle, von der aus ein Regentropfen 50 Tage lang braucht, um bei der Quelle anzukommen. „Das kann je nach Bodenaufbau bis zu zwei Kilometer vom Brunnen entfernt sein.“

Konfliktpunkt: Wasserschutzgebiete und Landwirte 

Die Einschränkungen, die Bauern zum Schutz des Wassers hinnehmen, müssen laut Gesetz ausgeglichen werden. „Wenn sie etwa statt zu odeln mineralischen Dünger verwenden müssen, haben wir als Wasserversorger die Mehrkosten zu ersetzen“, so der Stadtwerke-Chef. Eine Entschädigung gebe es auch, wenn ein Bauer seine Tiere zum Weiden weiter weg treiben oder die Gülle weiter fahren müsse, um sie auszubringen. Diese Kosten habe letztlich der Kunde über den Preis zu bezahlen. „Aber das sind keine Summen, die einen umbringen“, so Huber.

In Gaißach seien die Stadtwerke „mit allen Landwirten im Reinen“. Klärungsbedarf gebe es aber noch mit Lenggrieser Bauern, die von einer Vergrößerung des Wasserschutzgebiets betroffen wären. „Aber ich bin sicher, dass wir einen Weg finden werden, der beiden Seiten gerecht wird“, sagt Huber. Der Wasserschutz hat für ihn in jedem Fall einen sehr hohen Stellenwert: „Ich rate jedem Wasserversorger, seine Brunnen so gut wie möglich zu schützen. Denn es geht um das wichtigste Lebensmittel überhaupt.“

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