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Bangt um seinen Mitarbeiter: Der Tölzer Firmenchef Stefan Schuster mit Mike Ezeh. Dem Nigerianer droht die Abschiebung.

„So geht man nicht mit Menschen um“

Tölzer Unternehmer bangt um nigerianischen Mitarbeiter und schreibt an Merkel

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Stefan Schuster ist besorgt. Der Chef der Tölzer HDH-Gebäudereinigungsfirma bangt um seinen Mitarbeiter Mike Ezeh. Dem Nigerianer droht die Abschiebung.

Bad Tölz – Der 36-jährige Nigerianer arbeitet seit über einem Jahr im Betrieb. Jetzt soll er abgeschoben werden. „So geht man mit Menschen nicht um“, findet Schuster. Muss Ezeh Deutschland tatsächlich verlassen, bringt das Schusters Unternehmen, das seit acht Jahren besteht und 20 Mitarbeiter hat, in Bedrängnis. In seiner Not hat der Tölzer jetzt einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel verfasst.

„Mit Schrecken“ habe man den Ausreisebescheid gelesen, schreibt Schuster. „Für unseren Betrieb bedeutet das einen schweren Verlust.“ Ezeh, der von Nigeria über Marokko mit dem Boot nach Spanien und von dort weiter nach Italien und dann nach Deutschland kam, sei zuverlässig, gewissenhaft und sehr bemüht. Er kümmere sich alleine um zwei große Objekte in Bad Tölz und Gaißach. „Wenn er gehen muss, müssen wir beide abgeben“, sagt Schuster. Schon jetzt sei die Arbeit für das Unternehmen kaum zu schaffen. Seit Monaten sucht er deshalb über Stellenanzeigen händeringend Personal – für mindestens zwölf Euro Stundenlohn. Er bietet unbefristete Festanstellungen. „Aber man bekommt keine deutschen Mitarbeiter. Es bewirbt sich kein Mensch“, klagt Schuster. Also stellte er Geflüchtete ein. Neben Ezeh arbeiten noch Frauen aus Nigeria und Somalia in seiner Firma.

Deren Lohn bezahlt der Firmenchef komplett selbst. Es gebe keine Zuschüsse von öffentlicher Seite. „Und das würde ich auch gar nicht wollen“, sagt Schuster. Mike Ezeh sei bis zu 180 Stunden pro Monat für die Firma im Einsatz. „Von seinem Monatsverdienst bezahlt er Steuern und Sozialversicherungsbeiträge“, schreibt Schuster an die Kanzlerin. Auch seine Miete und den Lebensunterhalt für seine hochschwangere Frau und die beiden Kinder David und Esther bestreite der Nigerianer aus eigener Kraft. „Er liegt weder dem deutschen Staat noch sonst jemandem auf der Tasche. Ich finde es nicht richtig, dass man mit Menschen so umgeht, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben“, heißt es in dem Brief. Er frage sich, „warum Arbeitswillige mit fester Anstellung ausreisen müssen“, so Schuster. Das sei für ihn als Arbeitgeber schlicht „unverständlich und nicht nachvollziehbar“.

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Der Brief schließt mit einer Frage, die auch eine Bitte ist: „Es gibt Sonderregelungen für so ziemlich jeden Bereich – warum also nicht auch hier?“ Ezeh habe sich hier vollkommen integriert, betont Schuster. „Er ist beliebt, jeder kennt ihn.“ Müsste die Firma auf ihn verzichten, „wäre das für uns tragisch“, betont der Chef.

Schuster ist nicht der einzige Unternehmer im südlichen Landkreis, der sich dagegen wehrt, gut eingearbeitete Arbeitskräfte durch Abschiebung wieder zu verlieren. Der Wackersberger Bauunternehmer Erwin Wiegerling beispielsweise setzt sich wie berichtet ebenfalls für ein Bleiberecht für seine Mitarbeiter Majid Izadi aus dem Iran und Ekene Ndukwe aus Nigeria ein. Beiden könnte die Abschiebung drohen.

Deutschlandweit fordern mittlerweile zahlreiche Unternehmer, dass Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wurde, dennoch bleiben dürfen, wenn sie einen festen Arbeitsplatz haben. Im Südwesten der Republik gründeten beispielsweise mehr als 100 Familienbetriebe, Mittelständler, aber auch Großkonzerne die Initiative „Bleiberecht“.

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