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Schließung droht: Tölzer Unverpackt-Laden kämpft ums Überleben

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Von: Andreas Steppan

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Mit viel Herzblut bei der Sache: Die Vorstandsmitglieder des Tölzer Unverpackt-Ladens Brigitte Goldbrunner (li.) und Andreas Munkert sowie Mitarbeiterin Manuela Rest. Reis und Quinoa aus bayerischem Anbau
Mit viel Herzblut bei der Sache: Die Vorstandsmitglieder des Tölzer Unverpackt-Ladens Brigitte Goldbrunner (li.) und Andreas Munkert sowie Mitarbeiterin Manuela Rest. © Pröhl

Drei Jahre nach der Gründung steckt das „Ois ohne“ in der Krise. Ohne Umsatzsteigerung droht dem Tölzer Unverpackt-Laden Schließung.

Bad Tölz – Mit viel Enthusiasmus öffnete ein engagiertes Team 2019 den ersten Unverpackt-Laden in Bad Tölz. Der dritte Geburtstag des „Ois ohne“ an der Hindenburgstraße ist eigentlich ein Grund zum Feiern – und doch blickt das Team sorgenvoll in die Zukunft. Gelingt in den kommenden Monaten nicht eine spürbare Umsatzsteigerung, droht dem Projekt das Aus. Dagegen stemmen sich die Verantwortlichen mit neuen Ideen.

Krise der Unverpackt-Läden ist „überall in Deutschland spürbar“

Die Krise der Unverpackt-Läden sei „überall in Deutschland spürbar“, berichtet Vorstandsmitglied Markus Scheffler. Etliche hätten schon geschlossen, „da sind wir froh, dass es uns noch gibt“. 1000 bis 2000 Euro mehr Umsatz im Monat müssten es in Tölz sein, damit das Geschäft sich trage, erklärt Gründungsmitglied Katharina Kuhn. „Wir sind eine Genossenschaft und wollen keine Insolvenz verschleppen, sondern lieber vorher die Bremse ziehen.“

Auch das Thema Personal macht in vielen Gastronomien Probleme: Es sind Nachwirkungen der Corona-Pandemie.

Corona und Krieg verdrängen das Thema Klimawandel

Woran die Delle liegt, „darüber spekulieren wir viel“, sagt Kuhn. Zum einen könne es daran liegen, dass die Lebensmittelpreise allgemein angezogen hätten. „Und wir sind nicht unbedingt günstig“, räumt Kuhn ein. Zum anderen hätten Corona und Krieg wohl die Probleme Artenschutz und Klimawandel aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt.

Kommen weniger Kunden, weil mehr Menschen im Homeoffice arbeiten?

Geschäftsführerin Sabine Riesch sieht als möglichen Grund, dass viele Menschen aus dem Umland nicht mehr so oft nach Tölz kämen, weil sie im Homeoffice arbeiten – und wenn, dann erledigen sie den gesamten Einkauf lieber in einem einzigen Geschäft.

Auch bei Discountern gebe es mittlerweile unverpacktes Obst und Gemüse oder auch Bambus-Zahnbürsten, stellt Kuhn fest. Das sei positiv. „Aber dort kommt die Zahnbürste vermutlich aus Massenproduktion.“ Das „Ois ohne“dagegen stelle umfangreiche Recherchen zu Herkunft und fairen Produktionsbedingungen seiner Produkte an.

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Umgestaltung des Ladens und eine Kooperation mit „Biotop“

Noch hofft das ganze Team, dass das „Ois ohne“ eine Zukunft hat. Um Schwung in den Laden zu bringen, werde er in den kommenden Wochen umgestaltet und mit einheitlichen Schildern und neuen Regalen übersichtlicher werden, kündigt Kuhn an.

Aktuell angedacht sei zudem eine Kooperation mit der Lenggrieser Genossenschaft „Biotop Oberland“. Hier sei man in Gesprächen, ob Produkte aus dem „Ois ohne“ in Pfandgläsern in einem möglichen künftigen Selbstabholerladen in Lenggries angeboten werden könnten, berichtet Markus Scheffel.

Reis und Quinoa aus bayerischem Anbau

Zudem setzten die Betreiber weiter auf ihre Alleinstellungsmerkmale. Beliebt sei etwa der in Dachau angebaute bayerische Reis sowie Quinoa vom gleichen Bauern, berichtet Sabine Riesch – Produkte, die sonst meist aus weit entfernten Anbaugebieten stammen. „Etwas Besonderes sind auch unsere Tortilla-Chips“, sagt sie. „Anfangs ging es darum, dass eine Agraringenieurin eine alte Maissorte retten wollte und am Starnberger See einen Bauern fand, der sie anbaut. Dazu kam dann ein Mexikaner aus München, der den Mais zu Tortilla-Chips verarbeitet.“

Immer dienstags gibt es einen Mittagstisch

Immer dienstags bietet das „Ois ohne“ einen Mittagstisch mit vollwertigen Gerichten wie vegetarischen Pflanzerln, Spargel- oder Rote-Beete-Risotto für je 8,50 Euro beziehungsweise 8 Euro im Abo an (Schüler je 1 Euro billiger). Auf der neu dekorierten Terrasse lassen sich jederzeit Kaffee aus einer kleinen Rösterei in Seeshaupt, selbst gebackener Kuchen oder herzhafte Snacks genießen.

Jeder Kunde zählt für die Zukunft des Ladens

„Jeder Kunde zählt, damit dieser besondere Laden weiter in Tölz bleiben kann“, wirbt Katharina Kuhn. Wer hier einkaufe, leiste einen Beitrag zu Natur- und Tierschutz, unterstütze faire Produktionsbedingungen und Regionalität. „Der Laden ist wichtig, damit jeder ein bisschen was für eine bessere Welt tun kann“, findet auch Sabine Riesch. „Dafür sind gerade die kleinen Schritte des Einzelnen wichtig.“  

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